Rosensteinautotunnel: TOP im UTA


Der Rosensteinautotunnel ist Tagesordnungspunkt (TOP) im Umwelt- und Technikausschuss (UTA), die geplanten Termine für die ersten Erörterungen am 2.10. und 9.10. sind allerdings auf Antrag der Grünen Stuttgart verschoben worden, da die Zeit zur Studie der 2 Aktenordner ihrer Ansicht nach mit 2 Wochen zu knapp bemessen war. 2 Aktenordner, das sind etwa 1000 Seiten Papier, ca. 5 bis 6 Kilogramm schwer. Dieser Umfang kommt durch die zahlreichen Einwände Stuttgarter Bürger zustande, in der zweiten Auslegung gingen fast 1000 Einwände ein (in der ersten ca. 600).

Leider ist die wissenschaftliche Basis der Verkehrsuntersuchungen falsch, es wird von einer Verkehrszunahme bis in das Jahr 2020 ausgegangen, die dann die Pragstrasse nicht mehr abwickeln könne, es würde zu einem Verkehrskollaps kommen. Deswegen müsse man den Rosensteintunnel bauen.

In der Verkehrsstudie wird aber in einigen Diagrammen dargestellt, dass die Verkehrszahlen auf den großen Straßen in der Stadt seit etwa 10 Jahren nicht zunehmen sondern stagnieren. Lediglich im Bereich Pragsattel hat es im Jahr 2010 einen deutlichen Sprung nach oben in den Zahlen (+ 8%) gegeben, was auf die Fertigstellung des Pragtunnels B10 zurückzuführen ist. Der neue Tunnel hat neue Fahrzeuge angezogen, die vorher woanders langfuhren (Verlagerung) oder garnicht fuhren (Induktion/ Erzeugung). Durch den neuen Tunnel war dann das Nadelöhr Pragsattel beseitigt und die Autos konnten schneller fahren. In der Fortführung soll jetzt der Rosensteintunnel das Nadelöhr Wilhelmakreuzung beseitigen und begründet wird das mit der (angeblichen) Zunahme bis 2020, die es nach den bisherigen statistischen Erfahrungen aber nicht geben wird. Die Verkehrsplaner verwechseln hier das Ei mit der Henne. Der neue Tunnel wird vorallem Verkehr induzieren, also selbst erzeugen und  verlagern, also von anderen Straßen anziehen. Denn durch neue Straßen gewinnen die Autofahrer Zeit. Diese Zeit wird in den Verkehr reinvestiert und dazu genutzt, Strecken häufiger zu befahren oder größere Strecken zurück zulegen. Dadurch nimmt der Verkehr zu. Diese Zunahme nennt man induzierten Verkehr. Das ist die Hauptwirkung des Straßenbaus (neben dem Eingriff in die Landschaft). Aber die Verkehrsplaner tun so als ob sie es nicht wüssten und behaupten, der Effekt sei marginal. Tatsächlich ist es die Hauptwirkung des Straßenbaus. Und damit ist der Tunnel dann die sich-selbst-erfüllende-Prophezeiung, der Tunnel liefert selbst die Begründung, dass er gebaut werden muss.

Eine weitere Begründung für den Tunnel ist der Umweltschutz. In der Vorlage wird an zahlreichen Stellen suggeriert, Staus seien umweltschädlich und müssten vermieden werden. Autos, die im Stau stehen würden nutzlos Abgase ausstoßen und damit die Stuttgarter Luft verpesten, so die Begründung in der Vorlage. Auch in diesem Punkt verletzt die Stadtverwaltung ihre Aufgabe, den Gemeinderat neutral über die Auswirkungen des Straßenbaus zu informieren.

Wie eine Untersuchung des TÜV Rheinland nämlich belegt, werden in Stuttgart in Stausituationen nicht mehr als 2,8 % des Treibstoffs und nur 0,6 % der Stickoxide emittiert. Die meisten Emissionen entstehen ganz im Gegenteil bei hohen Geschwindigkeiten (Quelle: Emissionskataster Stuttgart, Quellengruppe Verkehr). Diese Untersuchung stammt zwar von 1986. Es gibt aber keinen Anlass zu der Annahme, dass sich an den Ergebnissen etwas grundsätzlich geändert hätte. Eine Studie des Wuppertalinstituts „Verkehrsstauungen in Europa“ bestätigt die Ergebnisse.

Die von Umweltverbänden vorgeschlagene Kompromislösung eines zwei-spurigen Tunnels (eine in jede Richtung mit einem Trennstreifen in der Mitte wie im Wagenburgtunnel oder im Heslacher Tunnel) wurde abgelehnt, da zweispurige Tunnel risikobehaftet wären und nur bis zu einer Zahl von 20.000 Fahrzeugen/ Tag zulässig sind. Es ist aber nicht bekannt, dass der Heslacher Tunnel ein besonderer Gefahrenschwerpunkt wäre. 40.000 Fahrzeuge fahren am Tag hindurch und es wird nicht über eine besonders hohe Zahl an Unfällen berichtet. Die wahren Zahlen werden allerdings von den Behörden unter Verschluß gehalten. Aus den Medien ist aber kein Unfallschwerpunkt bekannt.

Fazit: Es werden Begründungen herangezogen, die bei genauer Prüfung nicht als solche für den Bau herhalten können. Es muss im Gegenteil davon ausgegangen werden, dass es hier nur darum geht, möglichst schnell möglichst viele Fahrzeuge in die Stadt zu leiten, die dann die neuen großen Einkaufszentren besuchen sollen. Wir lehnen den Rosensteinautotunnel deshalb weiterhin ab und setzen uns für ein neues Verkehrskonzept ein.

Advertisements

Eine Antwort zu “Rosensteinautotunnel: TOP im UTA

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s