Der Krieg der Einkaufszentren


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Was sich wie der Titel eines bekannten Buches anhört ist in Wahrheit ein Krieg, der auf deutschen Einkaufsstraßen ausgetragen wird. Einer der größten Akteure dabei: die ECE des hamburger Millionärs, Unternehmers und Versandhauseigentümers Otto. ECE macht 19 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Sie baut derzeit das Milaneo hier in Stuttgart auf dem Gelände des Güterbahnhofs in bester Innenstadtlage. Das Milaneo hat 43.000 qm Verkaufsfläche für ca. 200 Geschäfte.

Das neue Gerber an der Paulinenbrücke, das von Phönix auf der anderen Seite der Innenstadt gebaut wird, wird im Vergleich zum Milaneo deutlich kleiner ausfallen, nämlich nur 25.000 qm für ca. 75 Geschäfte. Beide Baustellen wurden bereits begonnen.

Noch nicht begonnen wurde der Abriss des alten Innenministeriums am Karlsplatz um Platz zu machen für das Dorotheenquartier. Das Doro wird etwa 38.000 qm Verkaufsfläche bieten und liegt genau mittig zwischen Milaneo und Gerber. Der Investor Breuninger und der Vorstand Willem G. van Agtmael sehen das Dorotheenquartier als Magnet, um weiterhin Kunden in die Innenstadt zu ziehen. Mit anderen Worten: Um nicht im Strudel der Einkaufszentren unterzugehen musste als Ausgleich oder Gegengewicht ein weiteres Einkaufszentrum in der Innenstadt errichtet werden. Allerdings musste nach massiver Kritik der Politik und nach Protesten von Bürgerinitiativen hier  abgespeckt werden, der Hotel Silber genannte Gebäudeteil des Innenministeriums darf jetzt nicht mehr abgerissen werden und wird unter anderem in einer Gedenkstätte umgewandelt.

Damit erhöht sich die Gesamtverkaufsflächenzahl der Innenstadt auf insgesamt 1 Millionen Quadratmeter.

„Alle klassischen Einkaufslagen werden gestärkt durch den Zuzug von außen, vom Nachfrageüberhang auf die Königstraße profitieren auch die Nebenlagen“,

sagt Jürgen Track vom Grundstücksvermittler Colliers Bräutigam & Krämer. Wie ernst man diese Aussage nehmen kann ergibt sich aus der Tatsache, dass Colliers B & K selbst Grundstücke in Einkaufsstraßen anbietet, entwickelt und verkauft, auch in Stuttgart. Sie analysieren sich ihren eigenen Markt, bestärken so den Zuzug von neuen Geschäften und profitieren somit davon.

Welche Konsequenzen so ein Krieg der Einkaufszentren auf andere Geschäfte hat kann man derzeit in Böblingen beobachten. Jahrelang schloßen dort in der Innenstadt die Geschäfte. Elsässer, Biene, Karstadt, alle sind weg. Weg sind auch die großen Veranstalter. In den Jahren 1981, 85, 97, 99, 2001 und 2003 wurde in Böblingen die Sendung Wetten, dass…? aufgezeichnet. Auch die Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ hat hier gastiert. Böblingen war jahrelang Einkaufsstadt für die ganze Region. Jetzt fährt man eher in die benachbarte Mode-City Sindelfingen, die mit IKEA ein großes Möbelhaus und mit Breunigerland und Stern Center zwei Einkaufszentren anbietet.

Jetzt baut die HKM aus Bergisch Gladbach in Böblingen am Busbahnhof ein großes Einkaufszentrum, das Mercaden genannt wird. Es soll 24.400 qm haben und damit in etwa so groß sein wie unser Gerber. Der Investor glaubt, dass Böblingen

„eine attraktive Stadt mit hoher Kaufkraft und großem Einzugsgebiet“(Quelle: Ausgabe 11/2012 Lift Seite 25)

sei und sich sein Einkaufszentrum somit positiv auswirken wird. Es schafft 600 Arbeitsplätze, 60% seien bereits vermietet.

Das Sindelfinger Breunigerland will sich natürlich die einmal eroberte Butter nicht wieder vom Brot kratzen lassen, sprich: die Kunden sollen in Sindelfingen bleiben. Deshalb plant das Breuningerland einen Erweiterungsbau von knapp 10.000 qm, bei derzeit schon 32.600 qm auf dann insgesamt ca. 43.000 qm. Damit wäre das Breuningerland dann genauso groß wie unser Milaneo. Bislang hat der Sindelfinger Gemeinderat den Erweiterungsbau allerdings nicht genehmigt, aus Angst um die eigene Innenstadt.

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8 Antworten zu “Der Krieg der Einkaufszentren

  1. Pingback: Gablenberger-Klaus-Blog » Blog Archive » Der Krieg der Einkaufszentren

  2. Ich kaufe immer immer um die Ecke ein, man kennt sich halt schon. Da bin ich unabhängiger, und es geht schneller als mit dem Autooooostau.

    Überfüllte Straßen und Staus sind das Produkt von unflexiblen und unreflektierten Denkstrukturen.

  3. Cornelia hat uns diese Verknüpfung zu einem Radiobeitrag des SWR geschickt.

    Betreff: Kulturgespräch: „Angriff auf die City“ (Audio) – SWR2 – Journal – Episode 2634409

    Kulturgespräch „Angriff auf die City“
    http://www.podcast.de/episode/2634409/Kulturgespr%C3%A4ch%3A+%22Angriff+auf+die+City%22

  4. Pingback: Der Krieg der Einkaufszentren Teil II | Neckartor Bürgerinitiative

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