Todeszone Wilhelmsplatz Bad Cannstatt


Der Titel stammt nicht von uns sondern ist ein Originalzitat von OB Kuhn aus seinem Wahlprogramm:

Wir brauchen den Wandel hin zu einer Stadt, in der neue Formen nachhaltiger Mobilität entwickelt und auch angewendet werden. In 15 Jahren muss Stuttgart nicht nur Autos exportieren, sondern auch praxiserprobte Modelle für die Verkehrssysteme der Zukunft. Ziel ist es, intelligent Radverkehr, Fußverkehr, den öffentlichen Nahverkehr und das Auto, bestenfalls mit einem anderen Antrieb als dem üblichen Verbrennungsmotor miteinander zu vernetzen. Wer mit dem Rad die Stadt durchquert, darf nicht in „Todeszonen“ wie dem Bad Cannstatter Wilhelmsplatz landen, wer zu Fuß geht, muss sich in einem attraktiven Stadtraum bewegen dürfen und darf nicht in den Untergrund verbannt werden oder an der Ampel die Beine in den Bauch stehen. Stadtbahn-Linien müssen gut miteinander vertaktet sein, um unnötige Wartezeiten zu vermeiden und an wichtigen Verkehrsknoten des Nahverkehrs Mobilitäts-Inseln entstehen. Dort kann der Nutzer oder die Nutzerin gleich ein Fahrrad oder ein Carsharing-Auto für die Weiterfahrt ausleihen. Das müssen Stadt, Land und Automobilindustrie gemeinsam schaffen.

Die Knackpunkte aus unserer Sicht im Einzelnen:

  1. Wilhelmsplatz – Fahrtrichtung Waiblingerstraße: Laut Beschilderung an der Kreuzung zur Bahnhofstraße ist das Fahren für Radfahrer auf der Busspur erlaubt. Da sich hier aber mehrere Linien an dieser Haltestelle treffen und tagsüber mit hoher Frequenz fahren, herrscht hier ein dichter Verkehr von ein- und ausfahrenden Bussen. Leider ist es so, dass die Fahrer beim Ausfahren nicht immer korrekterweise den Schulterblick machen und somit den Radfahrern die Vorfahrt nehmen. Siehe Bilder 3 und 4 weiter unten.
  2. Wilhelmsplatz – Ecke Seelbergstraße, Fahrtrichtung Waiblingerstraße: Hier gibt es eine Fahrspur für Radfahrer, die aber bis jetzt aufgrund des Stuttgarter Phänomens bereits nach wenigen Metern wieder endet. Derzeit wird hier der Radweg Waiblinger/ Nürnberger Straße gebaut der Teil der Hauptroute 1 Rohr – Fellbach ist. Siehe Bilder 5 und 6 weiter unten.
  3. Wilhelmsplatz – Ecke Seelbergstraße, Fahrtrichtung Wilhelmstraße: Hier gibt es eine Abbiegespur mit eigener Ampelphase für Radfahrer, der Radweg endet aber ebenso nach wenigen Metern an der nächsten Ampel. Siehe Bilder 7 und 8 weiter unten.
  4. Wilhelmsplatz – Ecke König-Karl-Straße, Fahrtrichtung Wilhelmstraße: Hier ist wieder ein Stückchen Radweg als Fortsetzung von 3., allerdings wird der Radweg ein Stück in die König-Karl-Straße hineingeführt um dann am Fussgängerweg wieder in Richtung der Wilhelmstraße nach links über die König-Karl-Straße abzuknicken. Dann endet der Weg wieder. Welche Funktion dieser Weg haben soll, ist unklar, denn am Ende dieses Weges steht man mit dem Fahrrad auf dem Bürgersteig und muss umständlich den Weg zwischen den parkenden Autos suchen um wieder auf die Wilhelmstraße zu kommen. Siehe Bilder 9 und 10 weiter unten. Es wäre besser, wenn der Weg von der Ecke Seelbergstraße in Fahrtrichtung Wilhelmstraße auf der Fahrbahn als rot-markierter Weg neben zwischen der Rechtsabbiegerspur zur König-Karl-Straße und der Geradeaus-Spur Wilhelmstraße geführt würde.
  5. Rosensteinbrücke/ Wilhelmsbrücke Fahrtrichtung Bad Cannstatt: Mal ganz abgesehen davon, dass die Kreuzung Pragstraße und die Neckartalstraße nur schwer zu überqueren sind aufgrund der bevorzugten Ampelschaltung für Straßenbahn und Autoverkehr gibt es keine vernünftige Verbindung von der Pragstraße oder der Wilhelmsbrücke durch Bad Cannstatt hindurch. Einzig der kombinierte Rad- und Fußweg am Neckar entlang ist einigermaßen gut geeignet und befahrbar. Hier besteht Verbindung zum Neckartalradweg und nach Stuttgart Mitte. Allerdings wird die Situation durch den Abriss des Holzstegs und des Elefantenstegs prekär und der ganze Radverkehr nach Mitte muss dann über die König-Karl-Brücke. Aber zurück zur Wilhelmsbrücke.
    1. Die Schöne Straße ist maximal bis Eisenbahnstraße befahrbar und das Linksabbiegen auf die Eisenbahnstraße ist hier nur schwer möglich. Das Weiterfahren auf der Schönestraße in den Tunnel Richtung Mercedesstraße ist für Radfahrer verboten.
    2. Bad-, Überkinger-, Brunnen- und Wilhelmstraße wären als Verbindung zum Wilhelmsplatz denkbar, aber am Wilhelmsplatz kommt man nicht weiter. Siehe Bilder 11 bis 24 zur Situation auf der König-Karl-Straße und dem Wilhelmsplatz. Richtung Untertürkheim siehe nachfolgender Punkt C und Richtung Stuttgart Ost/ Mitte Punkt D. Siehe dazu auch die Bilder 24 bis 29 zu den Verbindungen Richtung Untertürkheim.
    3. Richtung Untertürkheim wäre die Verbindung Seelbergstraße und Mercedesstraße denkbar, allerdings endet die Mercedesstraße am Werksgelände Untertürkheim. Der Radweg in der Mercedesstraße ist zudem in einem schlechten Zustand. Aufgeplatzter Belag, von Gleisen der Industriebahn zerschnitten und eng, oft auch zugeparkt. Siehe dazu auch die Bilder 24 bis 29 zu den Verbindungen Richtung Untertürkheim. Die Benzstraße bleibt als letzte Möglichkeit, ist allerdings stark befahren (auch mit LKW) und am Ende kurz vor Karl-Benz-Platz wird der breite Fußweg, der auch als Radweg genutzt werden kann immer enger. Siehe Bilder 25 bis 35 weiter unten. Außerdem besteht hier keinerlei Verbindung zum Neckarradweg.
    4. Richtung Stuttgart Ost/ Mitte: Wer die rechte Fahrbahn der König-Karl-Straße benutzt, muss vor der Kreuzung Schöne Straße/ der König-Karl-Brücke rechts auf den Bürgersteig fahren und dann die Rampe in den Tunnel benutzen. Hier auf der Karte ist dieser Weg mit der roten gepunkteten Linie gekennzeichnet. Siehe auch Bilder 16 bis 19 weiter unten. Dort steht ein kleines weiß-grünes Hinweisschild für Fahrradfahrer versteckt auf einer Grünfläche. Der Tunnel ist dann dunkel, grau und schlecht beleuchtet. Wer nicht weiß welche Rampe wieder nach oben führt kann sich hier sehr schnell verlaufen/ verfahren. Siehe Bilder 20 und 21 weiter unten.
    5. Das Fahren auf dem linken Fussweg der König-Karl-Straße ist nicht freigegeben aufgrund des engen Weges. Die Betonwand zur Fahrbahn unter der Eisenbahnbrücke schränkt den Weg zusätzlich ein. Deswegen müssen Radfahrer ihr Rad dort schieben. Es hält sich allerdings nicht jeder Radfahrer an dieses Gebot. Bild 22 weiter unten. Nach der Eisenbahnbrücke ist der Fussweg wieder für Radfahrer in Richtung Stuttgart Ost freigegeben. Allerdings ist auch das Parken von Autos auf dem Fussweg freigegeben, was den Fussweg an dieser Stelle wieder beträchtlich einschränkt. Bild 23 weiter unten.

Die Bilder zu dem Artikel in einer Bilderschau:

Fazit: Wie schlecht die Radwege in Stuttgart entwickelt sind sieht man gerade in Bad Cannstatt. Bad Cannstatt ist das Nadelöhr, dass die Verbindung herstellt von Stuttgart Ost und Mitte nach Fellbach und Waiblingen und von Stuttgart Nord nach Untertürkheim und weiter nach Esslingen. Hier muss alles durch. Die Zählanlage für Radfahrer zählt an Spitzentagen über 5000 Radfahrer auf der König-Karl-Brücke.

Und diese jetzt schon beengte Situation wird sich mit dem Abriss des Holzsteges und des Leuzesteges nicht besser. Im Gegenteil, dann drängeln sich praktisch alle Radfahrer in einem noch enger werdenden Nadelöhr: der König-Karl-Straße und der darauffolgenden Brücke. Daran werden auch die Investitionen in den Ausbau des Radwegenetzes in Bad Cannstatt nichts ändern. Die neuen Radwege (Waiblinger/ Nürnberger Straße als Teil der großen Radwegeroute 1 von Rohr bis Fellbach) sind zwar gut und zu begrüßen, aber sie sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Es bleibt viel zu tun. Auf das Anpacken können wir aber noch lange warten, denn der Radverband ADFC kritisiert, dass die Stadt nur 1,5 Personalstellen für den Radverkehr eingerichtet hat und dass die halbe Stelle auch noch befristet ist *.

*Sowohl die Zahlenangabe als auch die Kritik wurden dem Artikel „Radverbände kritisieren Stadt und fordern mehr Personal“ in der Stuttgarter Zeitung vom Samstag, 10. August, Seite 17 entnommen, der allerdings nicht mehr im Internetauftritt der Zeitung zu finden ist.

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4 Antworten zu “Todeszone Wilhelmsplatz Bad Cannstatt

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