Der Krieg der Einkaufszentren Teil 10


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Im Stadtgebiet gibt es seit einigen Jahren tausende Quadratmeter, die zur Bebauung freigegeben sind oder teilweise schon bebaut sind: Das alte Güterbahnhofareal hinter dem Hauptbahnhof, das alte Güterbahnhofareal in Bad Cannstatt, die alte Messe auf dem Killesberg und ein Teilbereich des inneren Nordbahnhofs um nur einige Beispiele zu nennen. Dies hat natürlich Begehrlichkeiten geweckt, jeder Investor, jeder Bauunternehmer will der Erste sein und ein Stück von diesem Milliarden-schweren Kuchen abgreifen – und wenn es nur ein Krümel ist.

Gerüchteweise war ein großes Möbelhaus einige Zeit als Mieter am Hauptbahnhof im Zentrum im Gespräch. Dies wurde aber schnell wegen der hohen Mieten und wegen der stauanfälligen Straßen verworfen. Aber bereits im Jahr 2010 zeigte sich dieser Möbelvermarkter am Neckarpark interessiert. Aufgrund des „Beigeschäfts“ aus Haushaltswaren, Bettwäsche, Gardinen und Dekoartikeln und anderen sogenannten innenstadtrelevanten Artikeln wurde dies bisher aber vom Gemeinderat abgelehnt. Im März dieses Jahres war dieses Möbelgeschäft in der Stadt „nicht willkommen„. Jetzt will man wieder miteinander reden, das innenstadtrelevante Sortiment bleibt aber ein Knackpunkt. Gesucht wird ein Standort im südöstlichen Bereich an der Bundesstraße B10. Eine Karte hier im Artikel zeigt die  großen Häuser der Region.

In einem ähnlichen Fall im Westen dreht es sich auch um zentrenrelevante Artikel, nämlich Lampen, Bilder und -rahmen, und ebenfalls Gardinen und Wäsche für den Haushalt. Der Baumarkt im Gewerbegebiet Hinterer Vogelsang/ Unter dem Birkenkopf wollte im Jahr 2011 eine weitere 800 qm große Halle bauen und das Sortiment vergrößern (Fläche dann insgesamt 1800 qm), allerdings vor allem mit Artikeln für Großverbraucher und Handwerker wie Farben, Putze und Baustoffen. Endverbraucher waren hier weniger die Zielgruppe. Die Bauvoranfrage ging dann im Jahr 2012 aber nicht vom Grundstückspächter, dem Baumarkt, ein, sondern vom Grundstückseigentümer. Diese Voranfrage wurde positiv beschieden.

Bei der Bearbeitung des nachfolgenden Bauantrags fiel dann allerdings auf, dass das Sortiment Artikel enthielt, die für einen großen Endverbrauchermarkt typisch sind. Weiterhin sollte dieser Markt jetzt 5000 qm groß sein. (Anm.: Aus den beiden Artikeln geht nicht hervor ob der Bauantrag genehmigt ist oder nicht. Am 23.10. schreibt die Autorin, dass die Prüfung ausgesetzt ist. Am 18.10. hat ein anderer Autor noch von einer Genehmigung geschrieben.) Auch hier ist das zentrumsrelevante Sortiment wieder der Knackpunkt.

Beide Fälle zeigen aber deutlich, dass die großen Fachmärkte in die (Innen-) Städte drängen. Große Warenhäuser, Modehäuser und Elektrofachmärkte sind ja bereits seit vielen Jahren in den Innenstädten beheimatet. Die großen Möbelhäuser und Baumärkte waren aber bisher meistens auf der grünen Wiese zu finden. Dort sind die Grundstückspreise günstig – so günstig, dass man mehrere 10.000 qm Verkaufsfläche inklusive Parkplätzen für weit mehr als 1000 Kunden belegen kann (siehe die Karte hier im Artikel). Und diese Märkte sind zumeist komplett auf das Auto ausgerichtet, Verbindungen mit dem ÖPNV sind eher schlecht.

Der Umsatz im Einzelhandel in der Region Stuttgart beträgt nach Auskunft der IHK in Böblingen 14 Milliarden Euro pro Jahr. Deswegen suchen die großen Möbel- und Heimwerkemärkte, aber auch große Fachgeschäfte für Sportartikel, verstärkt nach Standorten in der Stadt, in der Nähe von großen Wohngebieten, zum Beispiel der große Baumarkt zwischen Unter- und Obertürkheim oder im Feuerbacher Roserareal. Das große Sportfachgeschäft in Esslingen und der große Möbelmarkt in Esslingen, jeweils am Rande eines Wohngebiets, sind weitere Beispiele. Diese Geschäfte sind nach Auskunft einer Unternehmensberatung in der Landeshauptstadt unterrepräsentiert. Sie bilden dabei nicht nur eine Konkurrenz zur Wohnbebauung, da auch viele neue Bewohner in die Städte drängen und Wohnraum suchen, so der Experte der Unternehmensberatung. Auch die kleinen Geschäfte und traditionellen Fachmäkrte in den Vierteln haben darunter zu leiden.

Auch hier will also jeder der Erste sein um einen möglichst großen Krümel zu ergattern. Der Boden der Städte ist heiß umkämpft.

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