Kinder doppelter Belastung ausgesetzt


Eine Kindertagesstätte ist im Allgemeinen ein Ort, der mit positiven Assoziationen verbunden wird. Ruhe, Frieden, kindlicher Spaß und Spiel. So einen Ort an der Kreuzung mit der dreckigsten Luft Deutschlands zu errichten, hat ein gewisses G’schmäckle. Auch wenn die Kindertagesstätte im obersten Stock des Gebäudes etwa 20 Meter über Straßenniveau liegt und dort oben eher ein frischer Wind als unten auf Straßenniveau, ist die Belastung durch Feinstaub dort oben sicher immer noch zu hoch. Die Luftschadstoffwerte, die an dieser Kreuzung (auf Straßenniveau) im Jahre 2013 gemessen wurden, überschritten die Grenzwerte bereits im März. Messungen wurden nach Auskunft von Dr. Reuter, dem Leiter der Abteilung Stadtklimatologie beim Amt für Umweltschutz, dort oben zwar noch nicht durchgeführt, wären aber theoretisch möglich.

Aber die Kinder sind einer doppelten Belastung ausgesetzt. Direkt über ihren Köpfen auf dem Dach der Kindertagesstätte steht eine große Mobilfunkantenne. Auch dafür wurden bisher keine Messungen durchgeführt. Die auch für Mobilfunkdienste zuständige Bundesnetzagentur beruft sich stattdessen auf die Mobilfunkantenne selbst:

„Die Grenzwerte werden sicherlich eingehalten, sonst wären die Mobilfunkantennen nicht in Betrieb genommen worden“,

sagt ein Sprecher der Bundesnetzagentur und weist zugleich darauf hin, dass für Kinder dieselben Grenzwerte gelten wie für Erwachsene. Mit anderen Worten, weil die Antenne dort steht, wird schon alles in Ordnung sein. Die Bürgerinitiative Mobilfunk Stuttgart-West kritisiert diese „seichte“ Rechtfertigung als „Augenwischerei“ und fordert von der Stadt Stuttgart die sofortige Abschaltung der Anlage. Außerdem wird eine Elternversammlung in der Einrichtung gefordert, auf der auch Mobilfunkinitiativen sprechen dürfen. Die Forderung nach einem flächendeckenden Mobilfunk-Vorsorgekonzept für die Stadt Stuttgart, die durch (leider abgelehnte) Anträge zum Doppelhaushalts 2014/ 15 der Fraktionen Die Grünen und SÖS/Die Linke unterstützt wurde, wird in einer neuen Pressemitteilung der Bürgerinitiative Mobilfunk Stuttgart-West bekräftigt. Pressemitteilung

Hier wird die Parallele zum Verkehrskonzept der Stadt Stuttgart deutlich: auch hier gibt es nur einen Plan, der zwar Maßnahmen enthält, aber keine messbaren Ziele oder Meilensteine. Es steht lediglich die Zahl 20% im Raum um die OB Kuhn die Autos reduzieren will. Stattdessen werden weiter neue Straßen gebaut, Stichwort Rosensteintunnel, und das Projekt S21 wird massiv vorangetrieben indem weiter Bäume gefällt werden (hier ist die Stadt zwar nur indirekt beteiligt, aber sie hat bisher nichts unternommen, dass die Bauarbeiten eingestellt werden solange die Genehmigungen für das GWM und den Nesenbachdüker (siehe Kontext:Wochenzeitung oder StZ) noch fehlen). Das derzeitige Verkehrsentwicklungskonzept und das Programm „nachhaltig mobil“ tragen zwar einen schönen Namen und enthalten einige wohlklingende Maßnahmen wie die Schnellbusse oder die Steigerung der Attraktivität des ÖPNV um so den Individual-Berufsverkehr zu verringern, was es bringt müssen wir aber leider abwarten, sehr zum Leidwesen unserer Kinder!

 

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