Es ginge auch anders – wenn man wollte


Fahrradverkehr in Stuttgart. Vom OB Kuhn nicht gerade gelobt, bezeichnete er doch unlängst den Bereich Bad Cannstatt als Todeszone für Radfahrer.

Aber was machen die anderen? Wie machen die es? Machen die es wirklich besser? Wenn man sich selbst als benachteiligt empfindet, dann schaut man ja gern sehnsüchtig auf andere, weil die es ja soooo viel besser haben. Also, schauen wir auf die anderen:

Filderstadt. Der Radplaner von Filderstadt hat vor einigen Tagen das Konzept von Filderstadt vorgestellt, dass vor allem auf Öffentlichtkeitsarbeit und Aufklärung setzt. Filderstadt ist nicht sonderlich groß, besteht aus fünf Dörfern, die sich zusammengeschlossen haben und heute eine Gemeinde bilden. Aber Filderstadt setzt offensiv auf das Fahrrad. Schon das Startbild auf der offiziellen Internet-Seite von Filderstadt zeigt jedem Besucher deutlich: Filderstadt fährt Rad.
Außerdem ist Filderstadt Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlichen Kommunen AGFK und in 2013/14 nimmt Filderstadt am Programm Radkultur des Landes BW teil und es gibt zahlreiche Veranstaltungen rund um das Fahrrad. Zahlen zum Fahrradverkehr konnten nicht genannt werden, Filderstadt steckt das Geld lieber in die Infrastruktur anstatt in teure und nichtssagende Gutachten.

Den Namen Stuttgart muss man dagegen bei den Landesprogrammen der Radkultur und bei der AGFK suchen.

Barcelona. Die spanische Millionen-Metropole ist ähnlich wie Stuttgart von einem starken Verkehrsaufkommen geplagt, aber das Bicing-Netz ist ein äußerst erfolgreiches Netz aus Leihfahrrädern, dass sich über die Stadt ausgebreitet hat. Stand 2011 umfasste das Bicing-Netz 6.000 ca. 16 Kilogramm leichte Fahrräder mit einer drei-Gang-Schaltung, 420 Ausleihstationen und 22.000 Stellplätze. Jeder Stadtbewohner erhält für eine Gebühr von 30 Euro eine Karte, mit der man an den Stationen ein Fahrrad ausleihen kann. Die ersten 30 Minuten sind frei, dann kosten weitere 30 Minuten 50 Cent. Die Stellplätze liegen teilweise nur wenige 100 Meter auseinander, so dass jeder Bewohner – vor allem in der dicht besiedelten Innenstadt – innerhalb von Minuten ein Fahrrad erreichen kann.
Sehr schön sind auch die 1,5 Meter-  (bei Fahrrad-Gegenverkehr sogar 2,20 Meter) breiten Wege, die an vielen Stellen mit kleinen Gummipollern vom Verkehr getrennt sind. Siehe Bilder im Blog.
Und wenn man den Blog durchblättert, dann wird klar, dass das Fahrrad in Barcelona nicht als Verkehrsmittel sondern als modisches Accessoire gesehen wird. Und das Bicing-Netz ist durch seine Einfachheit und die Benutzerfreundlichkeit zu einem Synonym für vorbildliche ökologische Mobilität geworden. Dass das Bicing-Netz in Barcelona so erfolgreich ist beweisen auch die vielen Städte, die das System kopiert haben. Buenos Aires, Madrid, Florenz, Budapest, Mailand, Sydney, London und San Fransisco planen oder installieren bereits ein Bicing-Netz. 

Wikipedia-Artikel Englisch und Deutsch zu Bicing.

Lyon: Das Bicing-Netz aus Barcelona ist eine Kopie des VeloV auf Lyon, einem anderen erfolgreichen Fahrradleihsystem. Den Bericht einer Besucherin von Lyon aus dem Jahr 2007 zum VeloV-Netz lesen sie hier (sehr lesenswert auch die Bemerkungen zum Verhalten der Autofahrer, die Fußgänger auch dann passieren lassen wenn die Fußgängerampel eigentlich noch Rot zeigt und die Parkgewohnheiten der Autofahrer, die mit eng am Fahrbahnrand stehenden Pollern daran gehindert werden müssen, den Gehsteig zu zu parken.

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Eine Antwort zu “Es ginge auch anders – wenn man wollte

  1. Pingback: Fahrrad schlägt PKW | Neckartor Bürgerinitiative

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