S wie zu spät


Die beiden Berufspendler und Nahverkehrsexperten Peter Landgraf und Andreas Kegreiß machen sich zusammen mit dem Regisseur Hermann G. Abmayr vom Bahnhof Gültstein (Vorort von Herrenberg) mit der Regionalbahn auf den Weg nach Stuttgart. Zuerst fahren sie mit der Ammertalbahn von Gültstein nach Herrenberg und steigen dann um in die S-Bahn S1 Richtung Stuttgart Hauptbahnhof. Bereits in Österfeld hat die S1 4 Minuten Verspätung obwohl die bisher angefahrenen Haltestellen nur wenig frequentiert werden.

Der große Massenansturm an Fahrgästen erfolgt erst an den Haltestellen in der Stuttgarter Innenstadt. Dort verliert die S-Bahn dann richtig Zeit, denn die Fahrgäste können nicht innerhalb weniger Sekunden aus- und einsteigen. Bei 6 Linien und einem Takt von 15 Minuten im Berufsverkehr hat jeder Zug etwa 2 Minuten Zeit für Einfahrt in den Bahnhof, Fahrgäste aus- und wieder einsteigen lassen und Ausfahrt aus dem Bahnhof. Wenn da aufgrund von hohem Fahrgastaufkommen das Aus- und Einsteigen auch nur etwas länger dauert, schaukelt sich eine verspätete Abfahrt von wenigen Sekunden innerhalb weniger Züge zu einer veritablen Verspätung von mehreren Minuten hoch, die sich bis zum späten Vormittag nicht wieder vollständig abgebaut hat. Und dies ist jeden Morgen und jeden Nachmittag der Fall.

Die unabhängige Seite S-Bahn-Chaos weist darauf hin, dass in der Hauptverkehrzeit im April auf der sehr stark frequentierten und langen Strecke der S1 nur etwa 2 von 3 Zügen oder 65% der Züge innerhalb der 3-Minuten-Pünktlichkeit verkehrten. Insgesamt für alle 6 Linien des Stuttgarter S-Bahn-Netzes wurde eine 3-Minuten-Pünktlichkeit von 75% (also 3 von 4 Zügen) ermittelt.

Quelle der Daten.

Zu Beginn des Jahres sah das noch anders aus. Die Pünktlichkeit der S-Bahn hat innerhalb des ersten Jahresdrittels stark nachgelassen.

Quelle der Daten.

Das liegt nicht nur an der großen Menge an Fahrgästen sondern auch an Baustellen, die auf dem Schienennetz der Region liegen und auch an der maroden Infrastruktur, die über Jahre hinweg vernachlässigt wurde. Laut Bahnchef Grube fehlen 30 Milliarden Euro zur Instandsetzung der Brücken, Schienen, Bahnhöfe und Bahnübergänge im gesamten Bundesgebiet. Schuldig an dieser Misere ist aber keine einzelne Partei, so Abmayr in seiner Reportage (Verknüpfung siehe unten). Die Politik hat über Jahre die falschen Weichen gestellt und war nur auf Privatisierung fixiert, die Bahn hat falsche Prioritäten gesetzt und vor allem in Schnellstrecken und Hochgeschwindigkeit investiert und dabei den Löwenanteil im Verkehr – den Nahverkehr – völlig vernachlässigt, und die Bahntechnik-Hersteller haben falsches oder fehlerhaftes rollendes Material geliefert – siehe beispielsweise das Debakel um die Neigetechnik oder den fehlerhaften Zug der Baureihe Talent 2.

Folgen Sie S-Bahn-Chaos auf Twitter, wenn Sie auf die S-Bahn angewiesen sind und über unpünktliche Züge informiert werden wollen.

Siehe auch den Artikel im Gäuboten.

Den Film von Hermann G. Abmayr „Betriebsstörung“ finden Sie in der ARD Mediathek.

Startseite der Sendung.

Ein kurzer Einspieler zu Betriebsstörung ist auch hier auf Youtube:

Advertisements

Eine Antwort zu “S wie zu spät

  1. Pingback: Die ewige Leier | Neckartor Bürgerinitiative

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s