Gentrifizierungsprozesse


Aktuelle Leerstände von Bürogebäuden oder Wohnhäusern können hier auf dem Leerstandsmelder eingesehen und auch gemeldet werden. Schauen Sie einmal rein, es gibt mehr Leerstände in der Stadt als sie denken.

Die Anzahl der Leerstände in einem Viertel ist ein Indiz für die Entwicklung der Stadt. Besonders viele Leerstände deuten auf einen eventuellen Verfall eines Viertels hin, in sogenannten Szene-Vierteln kann der Leerstand auf einen kommenden Gentrifizierungsprozess hindeuten. Gentrifizierung bedeutet Abzug der aktuellen Bewohner eines Viertels und Zuzug neuer Bewohner verbunden mit einer Sanierung und Aufwertung der Wohnhäuser und Anstieg der Mieten.

Der Kiez oder Szene-Viertel sind prädestiniert für Gentrifizierung, die meist in vier Phasen abläuft:

  1. Über Jahre hinweg verfällt ein Stadtviertel, die Wohnhäuser werden nur notdürftig repariert. Aufgrund der mehr oder weniger zentralen Lage ziehen immer mehr Bewohner zu, die sich anderswo keine Wohnung mehr leisten können. Es entwickelt sich eine Subkultur aus Kneipen, Diskos, Bars, Galerien, Künstlerateliers, privaten Wohnungen und Kleingewerbe.
  2. Die Subkultur zieht weitere Subkultur an und wird dadurch wiederum attraktiv für Personen und Gewerbe, die zwar nicht direkt zu dieser Subkultur gehören aber von ihr profitieren wollen, zum Beispiel Studenten oder junge Familien, die sich von den Kneipen, den Bars, dem aktiven Leben im Viertel angezogen fühlen.
  3. Durch das aktive Leben wird das Viertel zunehmend attraktiv für Investoren, die genau wie die jungen Familien profitieren wollen, allerdings in einem größeren finanziellen Rahmen. Sie kaufen Häuser, sanieren diese und verkaufen oder vermieten die Häuser dann zu höheren Preisen.
  4. Das zieht dann wiederum Bewohner an, die finanziell besser gestellt sind und dadurch die Künstler, jungen Familien und die Subkultur vertreiben.

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Die Phasen sind nicht klar von einander getrennt und dauern viele Jahre an. Auch ein Beginn oder ein Ende der Gentrifizierung lässt sich nicht ausmachen, denn im Prinzip ist jedes Stadtviertel ständig im Wandel. Mit Gentrifizierung wird der „übertriebene“ Wandel und die Entmischung sozialer Schichten (Segregation) beschrieben.

Ein Beispiel für aktuell laufenden Gentrifizierungsprozess ist das Viertel Sankt Pauli in Hamburg. Zur Zeit werden dort die Esso-Häuser am Spielbudenplatz in unmittelbarer Nähe zur Reeperbahn von dem Projektentwickler Bayrische Wohnbau abgerissen. Die Bayrische Wohnbau errichtet in Stuttgart zur Zeit das Quartier am Mailänder Platz.

Foto-0985Weitere Informationen zum Mietenwahnsinn, über das Mietshäusersyndikat, dass selbstorganisierte Mietgemeinschaften berät, den Widerstand gegen die Gentrifizierung Hamburgs (Rote Flora, Recht auf Stadt, Es regnet Kaviar*, Unser Areal Rindermarkthalle). Für Stuttgart gibt es noch keine ausgeprägte Szene, die sich gegen Gentrifizierung einsetzt, trotz laufendem Stadtteilumbau im Nordbahnhofsviertel durch Patrizia (Rede von G. Krappweis und Video einer Veranstaltung im Nordbahnhofviertel) und am Hallschlag. Es gibt den Leerstandsmelder Stuttgart und einige Arbeitskreise bei der SÖS und den Stadtisten, die sich mit dem Thema auseinander setzen. Auch die Initiative Occupy Villa Berg setzt sich für eine nachhaltige Stadtentwicklung ein. Die Bürgerinitiative Unsere Alstadt befürchtet einen beginnenden Gentrifizierungsprozess im Leonhardsviertel.

* Es Regnet Kaviar ist eine Seite, die den Gentrifizierungsprozess auf die Schippe nimmt und zum Beispiel ein Abwertungs-Kit anbietet, mit dem Mieter ihre Wohnung/ ihr Haus abwerten können um Investoren abzuschrecken.

Aktualisiert am 2.11.2014: Stadt Hamburg kauft Rote Flora zurück

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