Weg mit dem Auto


Das statistische Bundesamt hat nachgerechnet, immer weniger Haushalte in Städten mit mehr als einer halben Millionen Einwohnern haben noch ein eigenes Auto. 2003 waren es noch 22%, jetzt sind es schon 30%.

Siehe auch der Spiegel: Männer mit Auto – eine aussterbende Art?

Aber ganz weg vom Auto kommen wir dann doch noch nicht, Teilautos (Car Sharing) gewinnen immer mehr an Bedeutung. Die großen Autohersteller investieren massiv in entsprechende Stationen und werden dabei von den Städten unterstützt, ja mit offenen Armen empfangen. Auch in Stuttgart bekennt man sich zu der neuen „nachhaltigen Mobilität„. Neben der bereits bekannten weißen Flotte an elektrisch angetriebenen Flitzern wird es jetzt ein weiteres Angebot geben, in Stuttgart ist offensichtlich noch Potential vorhanden – auch wenn sich dieses zweite Angebot nur an Firmenkunden richtet weil diese das lukrativere Publikum sind.

Derweil versucht der autofahrende Anwohner seinen Parkplatz auf der Straße gegen den Eindringling Elektroauto zu verteidigen und blockieren aus Mangel an Parkplätzen die reservierten Ladestationen. Reißerisch läßt Bild den Ordnungsbürgermeister gnadenlos gegen die Falschparker vorgehen. Eine Politesse wird zitiert, sie könne wie am Fließband Knöllchen verteilen.  Schließlich ist nachhaltige Mobilität eins der Lieblingsthemen von OB Kuhn. Das Fahrrad ist aber schon seit Jahren nachhaltig mobil, nachhaltiger mobil geht es nur noch zu Fuß. Aber gegen Falschparker auf den Rad- und Fußwegen geht man seitens der Stadt nicht so gnadenlos vor.

Das Teilauto propagiert auch der deutsche Mobilitätsforscher Weert Canzler in diesem Interview. Er schlägt vor, alle Mobilitätsformen über Internet-Dienste mit einander zu verbinden. Mit den neuen mobilen Endgeräten und den unbegrenzten Nutzungsmöglichkeiten sei das heutzutage kein Problem mehr.

Der bekannte deutsche Mobilitätskritiker Klaus Gietinger weist in seinem Buch „Totalschaden“ dagegen darauf hin, dass Vernetzung vor allem den Verkehrsabhängigen und den Telefonie- und Internetanbietern dient und nicht der Mobilität.

  1. Bequemlichkeit: Wenn man in einem Verkehrsmittel sitzt, warum sollte man dann wieder aussteigen? Das Aus- und Umsteigen in ein anderes Verkehrsmittel verbraucht Zeit und für Mobilität steht den Menschen nur ein gewisser Zeitraum zur Verfügung.
  2. Erreichbarkeit: Die mobilen Internet-Endgeräte erfreuen sich zwar immer größerer Beliebtheit, sie werden aber nur von einigen bestimmten Gesellschaftsklassen benutzt. Wer es sich nicht leisten kann oder will, 400,– Euro, 500,– Euro oder mehr für ein neues Internet-fähiges Telefon mit monatlicher, unbegrenzter Datenrate auszugeben kann dann in Zukunft nicht mehr mobil sein?
  3. Gutes Gewissen: Elektromobilität wird von den Herstellern gern als sauber und umweltfreundlich angepriesen. Es kommt ja auch nichts hinten raus. Dabei ist die Kohlendioxid-Bilanz der Elektroautos eher mager. Wenn mit Strom aus konventionellen Kraftwerken gefahren wird, ist die Bilanz schlechter als bei modernen Diesel-PKW.
  4. Vernetzung der Stadt: Vernetzte Mobilität treibt die Zergliederung der Gesellschaft nur weiter voran. Damit ist sie die Fortführung der Stadtflucht im Kleinem. Genau wie die Stadtflucht Verkehr in die Städte treibt wird die Vernetzte Mobilität Verkehr befördern.

Eine vernetzte Stadt mit allen Gelegenheiten zur Erledigung sämtlicher täglicher Bedürftnisse in unmittelbarer Nähe zum Wohnort braucht keine vernetzte Mobilität.

 

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