Das Märchen vom ökologischen Nahverkehr


Der Nahverkehr oder auch ÖPNV wird oft als schlagkräftiges Argument gegen Umweltzerstörung und Luftverschmutzung genannt. Es klingt ja auch logisch, mehrere hundert Personen gleichzeitig in einer Straßenbahn oder einem Regionalzug sparen eine ganze Menge Fahrzeugbewegungen und damit auch Verbrauch an nicht regenerierbaren Energiequellen ein, tragen somit zu weniger Luftverschmutzung bei und schonen Anwohner durch weniger Lärm, Stau und Dreck. Auch Busse sind im Vergleich zu einzeln gefahrenen Personenfahrzeugen sparsamer im Verbrauch. Bei einem Besetzungsgrad von durchschnittlich 1,3 Personen in deutschen Fahrzeugen macht sich eine Passagierzunahme im ÖPNV direkt auf der Straße bemerkbar. Und genau da liegt der Haken!

Wie ökologisch ist der ÖPNV eigentlich?

71% im bundesdeutschen Durchschnitt fahren mit dem Auto zur Arbeit und legen dabei einen Weg von etwa 25 Km zurück.

grafik_verkehrsmittel_arbeitswege

Diese Fahrzeugbewegungen können durchaus durch Straßenbahnen, Busse oder Regionalzüge ersetzt werden. Dadurch wird Straßenraum frei, der dann sogleich von anderen Fahrzeugen besetzt wird. Und auch der ÖPNV trägt zur Zersiedlung der Landschaft bei und sorgt damit für neuen Verkehr, teilweise indirekt durch Ver- und Entsorgung, teilweise direkt wenn das eigene Auto nicht vollständig abgeschafft wird sondern für andere Fahrten zur Verfügung steht. Dieser Effekt ist identisch zu der Induktion neuen Verkehrs beim Bau neuer Straßen.

Auch wird der Ausbau des ÖPNV gern als Argument für die Umsetzung fragwürdiger Verkehrsprojekte genutzt, die im Endeffekt aber keine Leistungssteigerung zur Folge haben (Beispiel Leistungsrückbau S21). Der Ausbau des ÖPNV wird auch gern benutzt um Prestigeprojekte umzusetzen (denn „öko“ ist ja immer gut) oder um andere Bauprojekte zu kaschieren.

Stadtautobahnen waren – flankiert vom Umweltabo – leichter durchzusetzen
Quelle: Rudolf Rechsteiner „Umweltschutz per Portemonnaie“ 1990

Das soll natürlich nicht heißen, dass der ÖPNV generell nicht ökologisch ist. Nur muss die Maßnahme Ausbau des ÖPNV durch begleitende Maßnahmen erweitert werden, die verhindern, dass der freiwerdende Raum wieder besetzt wird. Das kann zum Beispiel die Umwandlung von Straßenraum in Vorzugsspuren für Busse, Taxis und Fahrgemeinschaften sein. Andere Fahrzeuge dürfen dann dort nicht fahren.

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4 Antworten zu “Das Märchen vom ökologischen Nahverkehr

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