Wegziehen! Jetzt!


Das Neckartor ist bekannt wie ein bunter Hund und wird deutschlandweit mit Feinstaub in Verbindung gebracht, dem blauen Brief aus Brüssel sei Dank. Auf der einen Seite wird durch diese Öffentlichkeit natürlich Druck auf die Politik ausgeübt, endlich gegen die hohen Werte vorzugehen. Aber andererseits wird das Problem dadurch ständig nur auf das Neckartor reduziert.

Auch die bisher getroffenen Maßnahmen der Stadt betrafen nur das Neckartor. Feinstaubkleber, Kehrmaschine, Änderung der Ampelschaltung und Wegfall Links-Abbiegemöglichkeit, Geschwindigkeitsreduzierung auf 50km/h. Lediglich das 2006 eingeführte LKW-Durchfahrverbot, das bis Ende 2008 galt und im März 2010 wieder eingeführt wurde, die Umweltzone, die 2008 eingeführt wurde und die Geschwindigkeitsreduzierung auf 40 km/h auf Steigungsstrecken (2013 getestet auf der Hohenheimer Straße und 2014 ausgeweitet) waren Maßnahmen, die Stadtweit eingeführt wurden.

Trotzdem scheinen die Bemühungen weiterhin nur auf das Neckartor fixiert zu sein. Das beweist zumindest die letztes Jahr in Betrieb genommene Lichtsignalanlage, die die Autofahrer darauf hinweisen soll, gleichmäßig und ohne zu bremsen hin zur nächsten Ampel zu fahren.

Vielen Anwohnern geht es deshalb wie Manfred Niess. Ihm steigt der Dreck am schlimmsten in die Nase, wenn er vom Skifahren in Südtirol zurückkommt und am Neckartor aus dem Bus aussteigt. „In dem Moment denke ich: Da kann man nicht leben.“

Diese Ansicht vertreten auch einige Experten, die es wissen müssen: „Wenn ich eine Wohnung in Stuttgart suchen würde, würde ich diesen Ort meiden.“ sagt Marcel Langner vom Bundesumweltamt. Ist das der einzige Rat, den Sie uns geben können, Herr Langner?

Wir fordern von Ihnen wirksame Maßnahmen. Sofort umsetzbar und wirksam wäre ein Fahrverbot an Tagen mit besonders hohen Feinstaubwerten. Dazu müsste man allerdings die Messmethode auf tagesaktuelle Messungen umstellen. Derzeit werden die Messwerte etwa alle drei bis vier Wochen aktualisiert und sind damit nicht tagesaktuell. Eine Publizierung der Werte, ähnlich den bekannten Warnungen im Sommer vor Ozon (Bio-Wetter) würde das Problem weiter in die Öffentlichkeit tragen und zu einer Sensibilisierung führen.

Die viel gepriesene (ja geradezu „gehypte„) Elektromobilität halten wir dagegen für wenig wirksam. Das Fachmagazin Verkehrswesen hat nachgewiesen, dass ein elektrisch angetriebener Golf nicht umweltfreundlicher ist wie ein konventionell angetriebenes Modell gleichen Typs. Nur die Verwendung von 100%-Ökostrom aus regenerierbaren Quellen macht das Fahrzeug zur Alternative. Aber auch dann treten beim Bremsen und Beschleunigen immer noch Abrieb von Bremsen, Reifen und Kupplung auf, die nicht unerheblich sind. Bezogen auf das Neckartor machen sie etwa 1/3 des Feinstaubs aus.

30Auch das subventionierte ÖPNV-Ticket (oft auch Öko-Ticket genannt), egal ob als vollständig „kostenloser“ ÖPNV oder nur teilweise subventioniert, ist kritisch zu sehen.

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2 Antworten zu “Wegziehen! Jetzt!

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