Standort Feinstaubmessstelle Neckartor


Die CDU-Fraktion um Alexander Kotz hat am 27.02.2015 einen Antrag in den Gemeinderat eingebracht, mit dem der Standort der Feinstaubmessstelle am Neckartor durch einen neuen Standort für eine zweite Messstelle verifiziert werden soll.

Dennoch wäre interessant zu wissen, ob dieser Messpunkt die Feinstaubbelastung am Neckartor generell wiedergibt. Möglicherweise ist die Verschmutzung nur wenige Meter weiter oder etwa auf der anderen Straßenseite deutlich geringer. Wenn dem so wäre, würde das die hohen Belastungswerte am jetzigen Messpunkt keineswegs in Zweifel ziehen, es würde aber doch die hohen Werte etwas relativieren. Auch – immer vorausgesetzt, im Ergebnis stellen sich die Werte besser dar – würde das Image der Stadt, die mit dem Neckartor als extrem dreckigem Ort in Sachen Feinstaub europaweit in den Schlagzeilen steht, bei einer sich möglicherweise ergebenden positiveren Gesamtdarstellung etwas weniger leiden. Auch könnte den besorgten Anrainern zwar nicht Entwarnung, aber aufgrund der veränderten Gesamtbetrachtung vielleicht doch ein realistischeres Bild von den Luftverhältnissen gegeben werden.

Damit will die CDU-GR-Fraktion erreichen,

ein umfassendes Bild von der Feinstaubsituation am Neckartor zu erhalten. Bringt eine weitere Messstation gleichermaßen schlechte Ergebnisse hervor, würde das die Diskussion um „den falschen“ Standort der jetzigen Messstelle endgültig beenden. Auf Grund der Wichtigkeit des Themas möchten sich hier die Bürger nicht nur wie bisher auf Berechnungswerte für andere Stellen verlassen.

Quelle: Antrag der CDU-Gemeinderatsfraktion Nr 57/2015 vom 27.02.2015, unterschrieben von Alexander Kotz, Philipp Hill und Esther Fingerle

CDU-Antrag_57-2015_20150227_Zweite_Messstation_Neckartor

Aber die Geschichte wiederholt sich. Bereits im Jahr 2006, also vor 9 Jahren hat die Gemeinderatsfraktion der FDP mit den identischen Argumenten, dass die Bevölkerung durch die hohen Werte der Feinstaubmessstelle verunsichert werde, dass die Werte angeblich wenige Meter neben der Messstelle bereits deutlich niedriger seien, dass Daten wichtiger seien, die an den Stellen erhoben werden an denen die Menschen wohnen und arbeiten, eine Verlegung der Messstelle an einen anderen Ort beantragt.

2006-12-14_FDP-Antrag_Messstation_verlegen

Was wird damit bezweckt?

Die Werte am Neckartor sind hoch, dass gibt inzwischen sogar die CDU zu. Die FDP hatte den Übeltäter im Jahr 2006 noch woanders gesucht und eine Verlegung der Messstelle beantragt. Die Kriterien für einen Standort sind aber klar (siehe die Antwort der Verwaltung). Deshalb kann man über den Standort der jetzigen Messstelle nicht diskutieren. Aber anscheinend hofft man, dass man durch die Messung an anderer Stelle die Werte der derzeitigen Messstelle relativieren kann. So nach dem Motto: „Die B14 ist schlimm, das wissen wir. Aber wir erklären die B14 einfach zur schwarzen Zone, wenige Meter weiter ist es nicht mehr so schlimm. Ihr müsst nur die Zähne zusammen beißen, dann ist es wieder gut!“. Aber so läuft das nicht, liebe Stuttgarter CDU.

  1. Neckartor ist überall. Am Neckartor wird gemessen, aber wer bitte glaubt denn, dass nur am Neckartor schlechte Luft ist? In den Gutachten zum Rosensteintunnel ist nachzulesen, dass auch in Zuffenhausen, am Schwanenplatz und in Berg schlechte Luft herrscht. Und wer am Marienplatz oder am Wilhelmsplatz wohnt, wird auch keine Kurtaxe bezahlen müssen für die „gute“ Luft dort.

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    Beispiel aus dem Gutachten „Luft-Neu“ vom Ingenieurbüro Lohmeyer, Auftraggeber Stadt Stuttgart aus dem Jahr 2011 zum Rosensteintunnel. Dargestellt ist der Prognosenullfall für die Feinstaubbelastung PM2,5 im Jahr 2015, hier für Zuffenhausen und Pragsattel. Rot und Violett sind stark belastete Bereiche.

  2. Zu glauben, dass am Neckartor niemand wohnt, ist ein Irrglaube, der uns seit 10 Jahren begleitet. Genausolang wie gemessen wird. Wohnhäuser direkt am Neckartor:

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    Wohnhäuser direkt am Neckartor. Diese Häuser sind ein Überbleibsel der ehemaligen Prachtstraße Am Neckartor. Weitere Häuser standen bis 2004 dort, wo heute das Innenministerium steht. Sie wurden abgerissen. Siehe Artikel im Anhang.

Und immer zielen die getroffenen Maßnahmen nur darauf, die Werte am Neckartor zu senken oder in Frage zu stellen. Niemals wurde bisher versucht, dass Thema Feinstaub aus Gesamt-Stuttgarter oder Gesamt-Regionaler Sicht zu betrachten, geschweige denn anzugehen.

Weitere Infos: Niedergang einer Prachtstraße; die Gutachten zum Rosensteintunnel sind im Artikel Rosensteintunnel? Was ist das? zu finden.

Antrag der SÖS-Linke-PLuS-Fraktion zu einem ähnlichen Thema, 30 km/h innerorts; zur aktuellen Diskussion um den blauen Brief aus Brüssel und die schlechten Feinstaubwerte

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Eine Antwort zu “Standort Feinstaubmessstelle Neckartor

  1. Pingback: Schwabenstreich der CDU | Neckartor Bürgerinitiative

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