Schwabenstreich der CDU


Der aktuelle Antrag der Stuttgarter CDU auf einen Standort für eine zweite Feinstaubmessstelle am Neckartor, der zumindest inhaltlich und argumentativ auf einen FDP-Antrag von 2006 zur Verlegung der Messstelle weg vom Neckartor zurückgeht, hat eine Debatte in der Stadt und den Medien ausgelöst. Wir haben uns mit einem Experten unterhalten, der selbst Standorte für solche Messstellen in seiner früheren beruflichen Laufbahn ausgewählt hat.

Normalerweise muss der Antrag abgelehnt werden, denn die Straßenmessstationen müssen gerade so aufgestellt werden, dass am ungünstigsten Punkt gemessen wird. Für die Standorte der Straßenmessstationen gelten bundesweite Regeln, um die Vergleichbarkeit der Messergebnisse zu gewährleisten. Dazu gehört eben diese. Das was die CDU will, gibt es bereits: Am Arnulf-Klett-Platz, also nicht allzu weit weg, befindet sich eine ganz normale Luftmessstation, welche die ’normale‘ städtische Belastung misst. Eine solche Referenzstation für den städtischen Hintergrund gehört zum Messkonzept einer Straßenmessstation ohnehin dazu.

Daher macht der CDU-Antrag fachlich keinen Sinn und kostet nur zusätzliches Geld. Er müsste vom Verkehrsministerium abgelehnt werden.
Tatsächlich gibt es In Straßenschluchten durchaus erhebliche Unterschiede bei den Messergebnissen je nach genauem Standort. Dabei spielen bereits wenige Meter eine Rolle.

Hier in Leonberg an der Grabenstraße gab es mehrfach kleinere Standortwechsel auf ca. 50-100 m, welche immer bei der Jahresauswertung deutlich zu sehen waren (nach unten und nach oben). Es gab auch Parallelmessungen mit deutlichen Unterschieden. Auch bauliche Veränderungen haben zu spürbaren Veränderungen geführt.

Der CDU-Ansatz ist daher durchaus auf den ersten Anschein ‚verständlich‘ aber nicht wirklich durchdacht, weil die Sache nach hinten los gehen könnte. Denn die Stadt kommt dadurch bundesweit in den Geruch, das Problem schön reden zu wollen. Ein gefundenes Fressen für die Presse – als neuerlicher Schwabenstreich sozusagen.   Es sollte also ein leichtes sein, diesen Antrag bereits im Gemeinderat abzuwehren.

[Ich habe in den 70ern] mal einen Smogalarm in Stuttgart unmittelbar miterlebt.

Ich verstehe bis heute nicht, warum es so etwas ähnliches nicht mehr gibt. Gerade bei Feinstaub und NO2 ( und im Sommer mit Ozon) wäre dies sehr wirkungsvoll, da bei austauscharmen Wetterlagen im Winterhalbjahr die Schadstoffkonzentration stark ansteigen und zu akuten Gesundheitsgefahren führen können. Andere Länder machen dies ja auch, z.B. Frankreich, selbst China. Bei uns kann der Bürger noch nicht einmal die aktuelle Feinstaubbelastung an den Verkehrsmessstation abrufen. Wozu haben wir denn ein Luftmessnetz? Es wird ja bei kritischen Wetterlagen nicht einmal die Bevölkerung aktiv informiert. Wenn ein toter Fuchs auf der Straße liegt, kommt sofort eine Verkehrsmeldung. Wenn die Gesundheit einer ganzen Region oder eines ganzen Landes gefährdet ist (z.B. gerade derzeit mit der Grippewelle) dann hört man nichts. Ich bin z.B. davon überzeugt, dass die austauscharmen Wetterlagen vor allem in der ersten Februarhälfte die enorme Stärke der Grippewelle begünstigt haben. Letztes Jahr hatten wir keine solchen Lagen in der kritischen Zeit Januar/Februar und auch keine Grippewelle. Statt eine völlig nutzlose zweite Messstation am Neckartor zu betreiben wäre es allemal klüger, Geld in so was zu investieren.  Leider gibt es offensichtlich kaum ein öffentliches Interesse daran. Meiner Ansicht nach versagt hier die grün/rote Regierung völlig. Sie wird nicht im Ansatz ihren Ansprüchen gerecht. Sie müsste sich eigentlich an die Spitze stellen und solche sinnvolle Maßnahmen so schnell wie möglich umsetzen.

Die alleinige Konzentration auf das Neckartor bringt uns nicht weiter. Meine Erfahrung ist: Die Leute winken dann ab und sagen halt, dass man an dieser Stelle kaum was machen kann. Ist zwar schlimm für die Leute vor Ort aber es sind ja nur ein paar Leute betroffen.  Wenn überhaupt reagieren die Leute erst dann, wenn sie merken, hoppla,  ich bin ja selbst betroffen.

Die Quelle liegt uns vor. Der Text wurde an den Stellen, an denen persönliche Angaben gemacht wurden entsprechend gekürzt um die Identität zu schützen.

Wir haben dazu eine klare Meinung, eine zweite Feinstaubmessstelle ja, aber bitte nicht am Neckartor, sondern an einer anderen stark belasteten Stelle wie beispielsweise an der Einfahrt zum Heslacher Tunnel (Kreuzung Hauptstätter und Filderstraße, am Marienplatz) oder in Zuffenhausen an der Friedrichswahl oder in der Burgunder Straße. Siehe auch aktuell in der StN, die unsere Kritik aufgreift.

 

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2 Antworten zu “Schwabenstreich der CDU

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