Der Gehweg wird zur Logistikfläche


Dass der Geh- /Radweg mitunter zum Parkplatz umfunktioniert wird, darüber haben wir bereits berichtet. Dass Lieferdienste den Gehweg als Parkplatz benutzen um schnell mal eben was abzuliefern ist gegenüber der Gesellschaft und den anderen Verkehrsteilnehmern nicht minder asozial. Lieferdienste stehen unter Druck, zeitlich und finanziell. Das ist ein Grund für dieses Verhalten, aber keine Rechtfertigung.

Eine besonderse Abart des Lieferdienstes sind Baustellenfahrzeuge. Auch von ihnen werden Materialien geliefert, auch sie halten auf dem Gehweg und nutzen diesen zum Abladen von Waren. Aber im Unterschied zum Paketdienst werden hier nicht einfach nur zwei oder drei Pakete oder zwei Paletten ausgeladen und abgeliefert sondern hier werden weitaus größere Mengen an Materialien bewegt. Hier wird rangiert, es werden Container abgesetzt, tonnenschwere Betonstücke bewegt, flüssiger Beton über Rohre und Schläuche gepumpt und alles – in der Regel – ohne Absicherung gegenüber dem übrigen Verkehr, vor allem dem Fußgänger und Radfahrer.

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Der Gehweg wird hier quasi kostenfrei als Baustellenlogistikfläche genutzt. Dass der Weg dabei oftmals stark beschädigt wird und dadurch noch zusätzliche Gefahren entstehen, blenden die Fahrer und Firmen wohl aus. Nach Beendigung des Rohbaus wird ja sowieso die Außenfläche rund um das neue Gebäude neu gestaltet, da kann man vorher den Gehweg ja noch nutzen (und beschädigen). Dass dieser aber noch eine Funktion als Gehweg hat und nicht zur Baustelle gehört wird ignoriert. Der Fußgänger und der Radfahrer sind hierbei immer im Nachteil, unfreiwilliges Begehen oder Befahren oder Überqueren der Straße birgt das Risiko eines Unfalls. Und auch für den Autofahrer kann dies durchaus gefährlich werden, wenn plötzlich ein Baufahrzeug auf die Straße fährt. Der Hinweis an Fußgänger, „passen Sie auf, dass Sie beim Betreten der Straße nicht überfahren werden! (siehe Bild 7 oben)“ ist dabei wohl eher sarkastisch zu verstehen. Nicht der Fußgänger muss aufpassen, sondern der LKW-Fahrer.

Auch arbeitsschutz-technisch ist dieses Verhalten durchaus kritisch zu betrachten. Das Arbeitsschutzgesetz sieht vor, dass während der Arbeit niemand zu Schaden kommen darf, entsprechende Schutzmaßnahmen sind zu treffen. Dazu gehören nicht nur Handschuhe, Schutzhelm und Sicherheitsschuhe für die Fahrer und die übrigen Bauarbeiter. Dazu gehört auch, dass eine Baustelle entsprechend abgesichert sein muss, damit Außenstehenden und Unbeteiligten nichts passiert.

Theoretisch ist gegen eine temporäre Nutzung des Gehweges zum Ausladen also nichts zu sagen, wenn dieser ordnungsgemäß gesichert ist und eine Umleitung für den Verkehr eingerichtet ist. Wie es richtig geht, zeigen diese Baustellen:

Aber das kostet natürlich Zeit und Geld. Die Stadt verlangt für die Absperrung und die Verlegung von Parkplätzen Gebühren, es fallen Kosten an für die Miete der Verkehrsschilder und der provisorischen Ampeln und der Auf- und Abbau der Gehwegabsperrung kostet ebenso. Und die Fahrer der Firmen geben sogar unverhohlen zu, dass sie dieses Verhalten nicht gut finden, aber da es keine Konsequenzen hätte, wäre das Abladen so am schnellsten zu bewerkstelligen.

Der Fußgänger und der Radfahrer haben das Nachsehen.

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