Elektromobilität


Zwei Sendungen zum Thema Elektromobilität, dazwischen liegt knapp ein Jahr.

Fazit der Sendung ist, dass die deutsche Automobilindustrie auf das falsche Pferd gesetzt hat und weiterhin setzt – nämlich den Verbrennungsmotor. Vor dem Hintergrund des aktuellen Diesel-Gate-Skandals ist dies besonders prekär. Die Sendung weist zwar auf die Differenzen zwischen den Abgastests und der realen Fahrweise hin, der Skandal war zu dem Termin der Erstausstrahlung aber noch nicht bekannt.

Das Fazit des zweiten Videos ist, dass die deutsche Automobilindustrie weiterhin hinterher hinkt und bei der Elektromobilität von Ländern wie China oder Kalifornien abgehänkt wird. Auch beim Ausbau der Elektrotankstellen sind Länder wie die Niederlande weiter vorne als Deutschland.

Und nicht nur bei Dieselfahrzeugen wird bei den Abgaswerten getrickst, auch bei Hybridfahrzeugen, also Fahrzeuge mit Elektro- und Verbrennungsmotor, wird getrickst, und zwar legal. Die Gesetze, die die Verbrauchstest regulieren, sind nach den Vorgaben der Automobilindustrie geschrieben. Auch zur Erstausstrahlung dieses Videos war der Diesel-Gate-Skandal noch nicht bekannt.

Das Desinteresse an der Elektromobilität wird sich heute, nach Bekanntwerden von Diesel-Gate, hoffentlich ändern.

Aber wie effizient ist die Elektromobilität denn?

  1. Werkstoffe: Elektrofahrzeuge werden häufig aus „Carbon“ (eigentlich „Kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff“ oder auch CFK) , also einem Verbundwerkstoff aus Kohlefaser und einem Kunstharz, gebaut. Dieser Verbundwerkstoff ist extrem leicht, aber hoch belastbar. Sie könnten viele herkömmliche Werkstoffe der Automobil- und Luftfahrtindustrie ersetzen, wenn sie günstiger in der Herstellung wären. Aufgrund des Faserverbundes sind CFK-Werkstoffe aber teuer in der Herstellung und praktisch nicht wiederverwendbar. Die Fasern lassen sich nicht oder wiederum nur unter hohem Energieaufwand vom Kunststoff trennen. Der im zweiten Video vorgestellte Golf ist zwar schwerer, aber wird aus Stahl gebaut, nicht aus Karbon. Stahl lässt sich besser wieder verwerten und kann oft eingeschmolzen werden, ganz im Gegenteil zur Carbon-Karosserie eines Leichtbaufahrzeugs.
  2. Batterien: Elektrofahrzeuge werden von Batterien angetrieben, die Energie in Lithium-Zellen speichern. Lithium-Zellen sind zwar schon ein Fortschritt gegenüber älteren Blei-Zellen (hohes Gewicht und giftig, umweltgefährlich) oder Nickel-Metallhybrid-Zellen (giftig, umweltgefährlich). Aber das Lithium ist wie Erdöl ein endlicher Rohstoff auf dem Planet Erde und wird zur Zeit vor allem in Kanada, Australien, Russland, Chile, Argentinien und China abgebaut. Durch den Abbau entstehen Grundwasserprobleme, es kommt zu Auswaschungen von weiteren Abbauprodukten wie Cäsium, durch Tagebauminen wird großflächig fruchtbares Ackerland oder Regenwald zerstört.
  3. Rohstoffe: Darüber hinaus werden für die Herstellung der elektronischen Bauteile eines Elektrofahrzeuges weitere seltene Erden und Edelmetalle benötigt, die ebenfalls in Tagebauen oder unterirdischen Minen abgebaut werden und dabei das Grundwasser gefährden oder oberirdisch die Landschaft zerstören. Dieser Punkt und der vorherige Punkt gelten allerdings auch für konnventionelle Fahrzeuge, die ebenfalls immer mehr Elektronik (Stichwort Vernetzung) enthalten und natürlich auch für weitere elektronische Geräte des Alltags wie PC, Laptop, Smartphone und so weiter.
  4. Die Wiederverwendung oder das Recycling der verbauten Rohstoffe gestaltet sich bei Elektrofahrzeugen, insbesondere bei der Batterie als schwierig.

Wenn man das alles berücksichtigt, dann ist ein Elektrofahrzeug nicht besser in der Umweltbilanz im Vergleich zu einem Verbrennungsmotor. In einer Studie der Fachzeitschrift Internationales Verkehrswesen aus 2014 wurde nachgewiesen, dass der Golf mit Elektroantrieb zwischen Diesel- und Benzin-Antrieb liegt.

Und da Elektrofahrzeuge weiterhin eine Bremse und eine Kupplung haben, die mechanischem Verschleiß unterliegen, emittieren diese Fahrzeuge weiterhin Feinstaub.

Und je nach Art der Herstellung des Stromes (Kohle, Erdgas, Atom, Solar- Wasser- oder Windkraft) emittieren die als emissionsfrei angepriesenen Fahrzeuge sogar CO2 oder Kohlendioxid, CO oder Kohlenmonoxid, Stickoxide und Feinstaub (abhängig auch von der Art und der Filtertechnik des jeweiligen Kraftwerks, Gaskraftwerke emittieren zum Beispiel keinen Feinstaub, Kohlekraftwerke dagegen schon) und unter Umständen sogar Atommüll.

Es kommt also gerade beim Elektroantrieb auf die Betrachtungsweise an.

  1. Wo kommt der Strom her?
  2. Wie wird das Fahrzeug hergestellt?
  3. Wie wird das Fahrzeug zerlegt und zu welchem Anteil können die verwendeten Rohstoffe wieder in neue Produkte fließen?
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