Aktueller Pressespiegel zum Thema Feinstaub und Stickoxide


Der SWR meldet, dass die Deutsche Umwelthilfe (DUH) mehrere deutsche Städte verklagt hat, da diese die vorgeschriebenen Grenzwerte für Luftschadstoffe nicht einhalten. Die DUH kritisiert die steigende Zahl schmutziger Diesel-PKW, die nicht funktionierende Abgastechnik (siehe dazu die Meldungen im Zusammenhang mit dem sogenannten „Diesel-Gate“-Skandal) und auch die schlechte Bilanz vieler Nahverkehrsbusse. Berlin zum Beispiel hat sich diesem Problem angenommen und rüstet die Nahverkehrsbusse der Berliner Verkehrsgesellschaft mit Katalysatoren, die nach dem Prinzip der selektiven katalytischen Reduktion arbeiten, nach. Kommentar von Thomas Braun auf StZ zu der Klage der DUH: „So langsam wird es brenzlig“:

Die Verhängung von Fahrverboten aber scheuen sowohl Ministerpräsident Winfried Kretschmann wie auch sein Parteifreund, der OB der Automobilstadt Stuttgart Fritz Kuhn, wenige Monate vor der Landtagswahl wie der Teufel das Weihwasser.

Der Aufschrei der Automobilindustrie und der Wirtschaft scheint programmiert – vor dem Hintergrund des VW-Abgasskandals allerdings täten die Konzerne gut daran, erst einmal vor der eigenen Haustür zu kehren. Wenn es an der Wiege des Automobils nicht endlich gelingt, die Luftbelastung nachhaltig zu mindern, wird aus dem Exportschlager Auto irgendwann ein Ladenhüter.

Quelle: StZ, Thomas Braun

Wie die StZ meldet, reagieren die Verantwortlichen in Stadt und Land mit Unverständnis auf die Klage. Verkehrsminister Hermann und OB Kuhn bekräftigten die Absicht, die Luftbelastung deutlich zu senken und verwiesen auf das zweistufige Konzept, zuerst bis 2017 auf Aufklärung der Bevölkerung zu setzen und danach weitere Maßnahmen zu ergreifen. Insgesamt sei es ein

ambitioniertes Gesamtkonzept.

Das kritisieren dagegen die Umweltgruppen wie KUS und auch die BI Neckartor. Denn freiwillige Maßnahmen hängen immer vom Willen der Beteiligten ab, wenn diese nicht mitmachen, ist das gesamte Konzept zum Scheitern verurteilt. Außerdem werden der langsame Ausbau des ÖPNV, Straßenbauprojekte wie der Rosensteintunnel und Großprojekte wie S21 kritisiert. Neue Straßen, wie der Rosensteintunnel, ziehen neuen Verkehr an.

Nach Aussagen des VDA sind tatsächlich nur 90 Personen in im Ballungsraum Stuttgart vom Schadstoffausstoß betroffen (siehe hier). Wie diese Zahl zustande kommt, ob es sich hierbei nur um die Zahl der Toten aufgrund von Feinstaub, Stickoxiden und Lärm belasteten Anwohner handelt ist unklar. Definitiv klar ist aber, dass an den betroffenen Straßen nicht nur 90 Anwohner leben.

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Aus einem Vortrag aus dem Jahr 2012, der im Bezirksbeirat Mitte gehalten wurde. Quelle städtisches Amt für Umweltschutz

Aktualisiert 24.11.2015: Wie heute von den StN gemeldet wurde, hat das Stuttgarter Verkehrsministerium die Zahl von 90 für den Ballungsraum Stuttgart zurückgezogen und durch 2320 Personen ersetzt. Die Zahl 90 beziehe sich ausschließlich auf die Stadt Freiberg am Neckar, für Stuttgart seien 1800 Personen betroffen, 330 in Leonberg, 100 in Ludwigsburg und 90 in Freiberg a. N., zusammen also 2320 Personen. Der VDA habe diese Zahl ungeprüft übernommen und daraufhin die Dieseltechnologie nach Euro-6-Standard gelobt „Grüne Welle und mehr Euro-6-Autos sorgen für bessere Luftqualität.“ so die StN in ihrem heutigen Artikel.

Aber auch hier wird wieder nicht erklärt, wie diese Zahl zustande kommt. Hamburg nennt 200.000 von hohen Stickoxidwerten betroffene Bürger (vom Juli diesen Jahres, der ganze Artikel ist nur lesbar, wenn man sich beim Hamburger Abendblatt registriert). Aber egal, wie hoch die Zahl der betroffenen Bürger tatsächlich ist, dieser Fehler zeigt zwei Dinge:

  1. die Stimmung im Dieselgate-Skandal ist extrem gereizt und jede Meldung, die nützt wird sofort weiterverbreitet. Egal ob sie geprüft ist oder nicht.
  2. Die Meldung des VDA, dass der Euro-6 für bessere Luftqualität sorgen wird, kann vor dem Hintergrund der Steigerung von 90 auf 2320 so nicht gehalten werden. Das bemerkt auch der Redakteur der StN in seinem Artikel und nennt weitere Straßen neben dem Neckartor die belastet sind und Grünen-Abgeordnete Matthias Gastel aus Filderstadt fragt sich, welche Qualität die Zahlen überhaupt haben. Auch das Regierungspräsidium veröffentlichte für Stuttgart eine andere Zahl, nämlich 1680 und nicht 1800 Personen wie jetzt vom Verkehrsministerium veröffentlicht (siehe oben).

Ende der Aktualisierung

Wie die StN meldet, werden von der Deutschen Umwelthilfe nicht nur die Marken im VW-Konzern beschuldigt, die Grenzwerte für Schadstoffe nur unter idealen Bedingungen im Labor einzuhalten, sondern auch andere Hersteller.

Weitere Infos von der DUH hier und hier.

Der SWR stellt eine Studie aus Freiburg vor, nach der Feinstaub das Risiko von Herzinfarkten erhöht. Das Interview zur Studie auch hier auf IchtrageNatur.

Aktualisiert 1.12.2015:
Artikel in BeobachterNews über unsere Demo.

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3 Antworten zu “Aktueller Pressespiegel zum Thema Feinstaub und Stickoxide

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