Sieht so eine nachhaltige Förderung des Fussverkehrs aus?


Aufgrund der hohen Luftschadstoffbelastung der Stuttgarter Innenstadt und des anhängenden Vertragsverletzungsverfahrens („blauer Brief aus Brüssel„) hat sich die Landeshauptstadt neben der Förderung des Radverkehrs auch die Förderung des Fussverkehrs auf die Fahnen geschrieben.

Dazu heißt es im „Konzept Luftreinhaltung/ Konkretisierende Stellungnahme für die Europäische Kommission“ (PDF-Datei am Ende der Seite unter „weiterführende Links“) auf Seite 5:

Gute Bedingungen für Fußgänger („walkability“), eine gute Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum und kompakte Siedlungsstrukturen tragen zur Reduzierung des motorisierten Verkehrs bei.

Und weiter auf Seite 6:

Damit wird ein Anreiz geschaffen, vom motorisierten Individualverkehr auf den Umweltverbund (ÖPNV, Rad- und Fußverkehr) umzusteigen.

Dazu möchte man mit Hilfe eines (siehe Seite 5)

„Fußverkehrs-Checks“ die Situation für Fußgänger in Teilen der Stadtbezirke West und Süd untersuchen.

Wir haben anläßlich dieser Ankündigung unseren eigenen Fußverkehr-Check gemacht und sind dabei auf folgende Hindernisse gestoßen.

Der Fuss e.V., der Fachverband für den Fußverkehr, schreibt dazu in einem Brief an Verkehrsminister Hermann, Oberbürgermeister Kuhn, den VCD Baden-Württemberg, den BUND Baden-Württemberg und an die BI Neckartor:

Die geplant insgesamt 500 Ladesäulen für Elektro-kraftfahrzeuge werden und sind in der Regel auf den schmalen, sehr oft nicht den Straßenbau-Richtlinien entsprechenden Stuttgarter Gehwegen errichtet worden und engen so die Gehwege für den Fußverkehr unzumutbar ein.

Zur Zeit beobachten wir, dass nicht nur die bereits bestehenden sondern auch die zusätzlichen Ticketsäulen zur Erweiterung des Parkraummanagements auf den schmalen Stuttgarter Gehwegen errichtet werden. Diese insgesamt 700 (?) Ticketsäulen stellen – insbesondere zusammen mit den Ladesäulen – ein dichtes Netz von Hindernissen für den Fußverkehr dar und widersprechen auch den Vorschriften zur Barrierefreiheit. Hinzu kommt, dass im Rahmen des bisherigen Parkraum-managements wie auch zuvor auf etlichen schmalen Gehwegen mit Markierungen und Zeichen 315 StVO das Gehwegparken legalisiert wurde und wird.

FUSS e.V. freut sich natürlich, dass die Förderung des Fußverkehrs als Maßnahme im Konzept aufgeführt wird. Jedoch geben wir zu bedenken, dass Konkretisierungen – wie bei anderen Maßnahmenbündeln des Konzeptes – die Glaub-würdigkeit dieser Maßnahmen stark erhöhen würde. Anderenfalls könnte sich der Eindruck aufdrängen,
dass Punkt 2.2 [Anm: Pkt. 2.2 im Luftreinhaltekonzept beinhaltet die „Bessere Nahmobilität – Förderung des Fußverkehrs“] lediglich zur Komplettierung des Konzeptes aufgenommen wurde.

Eine Antwort einer der angeschriebenen Behörden ist uns bisher nicht bekannt.

Aktualisierung 20.12.2015: Das Verkehrsministerium des Landes hat nur mit Allgemeinplätzen geantwortet und nicht Bezug genommen auf das Schreiben. OB Kuhn bzw. sein Referat haben bisher überhaupt nicht geantwortet.

In den letzten Tagen sind uns auf den Gehwegen in unmittelbarer Nachbarschaft Markierungen aufgefallen, die wahrscheinlich für neue Parkscheinautomaten vorgesehen sind. Man hat also bei den städtischen Behörden nichts dazu gelernt.

Siehe auch das Dossier zur Beschaffenheit von Gehwegen.

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Eine Antwort zu “Sieht so eine nachhaltige Förderung des Fussverkehrs aus?

  1. Pingback: Wie breit darf/ muss ein Gehweg sein? | Neckartor Bürgerinitiative

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