Wie breit darf/ muss ein Gehweg sein?


Vorausgegangen ist diesem Artikel ein Schreiben von FUSS e.V. zur Förderung des Fußverkehrs.

Aufgrund der illegalen Gehwegparkerei und des weiterhin hohen Drucks in den Wohnvierteln entsteht immer wieder Streit um den Verkehrsraum Straße. Die Autos müssen irgendwo parken, man muss ja schließlich zur Arbeit (O-Ton eines Anwohners) während die Fußgänger – zu Recht – mehr Sicherheit und Schutz für sich reklamieren. Und auch die Radfahrer sprechen hier mehr wie ein Wort mit.

Deshalb die berechtigte Frage: Wie breit darf oder muss ein Gehweg sein?

Der Gehweg ist im rechtlichen Sinne der Fußgängerweg, also ein Fußweg als nur für den Fußverkehr zugelassenes oder geeignetes Bauwerk.

Auf dem Fußweg müssen sich zwei Fußgänger, auch mit Regenschirmen, begegnen können. Das Überholen langsamer Fußgänger muss möglich sein. Auf dem Fußweg fahrende Kinder dürfen nicht zur Gefährdung werden. Die Nutzbarkeit des Fußweges besonders barrierefrei sein. Bei dem Punkt Begegnung sind also auch Rollstuhlfahrer, Rollatoren, Kinderwagen und Gepäckstücke zu berücksichtigen. Der Gehweg hat auch soziale Funktionen im Sinne des Wortes Begegnung, dafür ist ebenfalls Platz vorzuhalten.

Grundsätzlich gibt es keine Normen oder Bauvorschriften, wie breit ein Gehweg sein muss. Es gibt lediglich Empfehlungen für die Seitenraumbreite – wie es offiziell heißt – der Fahrbahn, diese Empfehlungen stehen in den „Empfehlungen für Fußgängerverkehrsanlagen EFA„, das Standardwerk, dass von der FGSV herausgegeben wurde.

Die sogenannte Grundausstattung empfiehlt eine Breite von wenigstens 2,50 Meter, wobei 20 cm Seitenabstand zur Wohnhausmauer (bei fehlender Wohnbebauung kann dieser Abstand auch entfallen) und 50 cm Abstand zum Verkehr (bei geringem Verkehr auch 30 cm) enthalten sind, die eigentlich nicht dem Fußgänger zur Verfügung stehen. Nur die restlichen 1,8 Meter Gehwegbreite sind für den Fußverkehr vorgesehen.

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Quelle: Empfehlungen für Fußgängerverkehrsanlagen Dipl.Ing. Andreas Schmitz, Planungsgruppe Nord Kassel, München 29./ 30. Nov. 2007.

Je nach Bebauung, Nutzung der Bebauung und dem Verkehr auf der Straße variiert diese „nutzbare Gehwegbreite“. Eine Geschäftsstraße mit Auslagen und Werbetafeln sollte demnach zwischen 5 und 6 Metern breit sein, bei gemischter Wohn- und Geschäftsnutzung 4 Meter und bei dichter Wohnbebauung mit 3 bis 5 Geschoßen 3 Meter.

In Stuttgart gibt es sehr viele Gehwege, die das Verkehrszeichen 239  mit dem Zusatzschild 1022  tragen. Hier ist das Radfahren auf dem Gehweg, allerdings nur in Schrittgeschwindigkeit, freigegeben. Da sich die Radfahrer aber nicht immer an diese grundsätzlich weltfremde Regelung halten, führt das bisweilen zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern. Als gehwegfahrender Radfahrer ist man immer in der Defensive.

Wie breit ein für Fahrradfahrer freigegebener Radweg sein muss, sagt die EFA ebenfalls nicht. Aber man kann getrost 1 bis 1,5 Meter zur Mindestanforderung 2,50 Meter dazuzählen, je nach Verkehrslage auch mehr. Dann ist der Gehweg aber auch wieder so breit, dass es keine Umstände mehr machen würde, einen getrennten Radweg dort einzurichten. Besondere Konflikte ergeben sich an Haltestellen des ÖPNV, da sich hier mehrere Verkehrsströme kreuzen (siehe Bild).

Aber auch der ruhende Verkehr nimmt dem Fußgänger den Raum weg. An vielen Stellen ist halbes oder sogar ganzes Gehwegparken erlaubt in Stuttgart und auch quer oder schräg zur Fahrbahn abgestellte Fahrzeuge nehmen dem Fußgänger Raum weg, wie man hier sehen kann. Da oftmals der Anschlagpunkt Bordstein fehlt, fahren die Fahrzeuge über die eigentliche Parkplatzbegrenzung hinaus.

Auf dem Gehweg abgestellte Fahrräder, Mülltonnen, Sperrmüll und anderes reduzieren zusätzlich die Gehwegbreite.

Ein positives Beispiel, wie ein barrierefreier Fahrradständer aussehen kann, ist in der Werastraße zu bewundern.

DSC01175Welche Kuriositäten auf dem Gehweg zuweilen zu finden sind, zeigt das Beispiel vom Olgaeck (Bildquelle: Das Fahrradblog).

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2 Antworten zu “Wie breit darf/ muss ein Gehweg sein?

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