Flop mit Ansage


In wenigen Tagen soll es los gehen. Ab dem 11. Januar kann der Feinstaubalarm ausgelöst werden.

Mit dem Feinstaubalarm sollen die Pendler und Bürger wachgerüttelt werden und ihr Auto stehen lassen und stattdessen den ÖPNV oder andere alternative Verkehrsmittel wählen. Gerhard Pfeifer vom BUND hält den Feinstaubalarm allerdings für einen Flop mit Ansage. Er bezweifelt die Wirksamkeit der Aufforderung, das Auto stehen zu lassen. Stattdessen sollten Sperrungen oder Fahrverbote erlassen werden um wirksam die Luftschadstoffwerte in der Innenstadt zu senken. Außerdem wird immer nur von Feinstaub geredet, das Stickoxidproblem wird komplett ausgeblendet. Dabei sind Stickoxide nach Auskunft von Umweltschutzorganisationen und Ärzten das weitaus größere Problem.

Auch der Rechtsanwalt Roland Kugler hält den Feinstaubalarm für unwirksam. Er vertritt einen Anwohner vom Neckartor, der die angekündigte Maßnahme ebenfalls für wirkungslos hält.

Erschwerend hinzukommt noch, dass die Auslösung des Alarmes nicht klar definiert scheint. Auf Nachfrage von KUS hat das Amt für Umweltschutz, Abteilung Stadtklimatologie geantwortet, dass die Auslösung des Feinstaubalarmes allein auf den Daten der Wetterprognosen basieren soll.

Aus der Antwort des Amtes für Umweltschutz an KUS, die uns vorliegt:

der deutsche Wetterdienst prognostiziert die Wetterlage. Ist sie nach bestimmten Kriterien austauscharm, wird Feinstaubalarm ausgelöst. Die aktuellen Schadstoffwerte werden dabei nicht berücksichtigt. Man nutzt den
Zusammenhang, dass bei austauscharmen Wetterlagen die Schadstoffwerte steigen, und das soll verhindert werden.

Warum die Feinstaubwerte nicht endlich tagesgenau gemessen werden, ist nicht klar. Technisch wäre es möglich. Zur Zeit wird die Luft am Neckartor durch Filterscheiben gezogen, diese werden einmal im Monat ausgewechselt und in einer Partikelzählung ausgewertet. Ob man nur die Investition in das neue Verfahren scheut oder man die Verunsicherung der Bürger durch die tagesaktuellen Werte verhindern will? Keine Ahnung. Durch die ungenaue Schätzung wird allerdings auch Kritikern Tür und Tor geöffnet, den  Feinstaubalarm anzugreifen.

Paris macht es besser, dort sind alle Nutzer des ÖPNV an den Tagen mit KFZ-Fahrverboten von der Fahrscheinpflicht entbunden und das Fahrverbot geht über mehrere Tage. Zugelassen sind abwechselnd nur Fahrzeuge, deren letzte Ziffer auf dem Kennzeichen gerade oder ungerade ist, entsprechend dem Datum des Tages.

Unterdessen haben die Mobilitätsanbieter Car2Go und Moovel (die beide zumindest teilweise zu Daimler gehören) angekündigt, ihr Angebot an Tagen mit Feinstaubalarm zum halben Preis anzubieten, zunächst für die ersten beiden Alarme. Die S-Bahnen sollen auch tagsüber in den Nebenzeiten als Langzug fahren und die SSB setzt zusätzlich die U11 ein und bietet Abo-Neukunden einen zusätzlichen Freimonat an.

Was ist davon zu halten?

Die Maßnahmen sind prinzipiell richtig und wichtig. Aber diejenigen, die seit Jahren die Stuttgarter Luft vor weiteren Schadstoffen bewahren, die Radfahrer und die Abokunden des VVS, die werden nicht belohnt. Nur wer umsteigt, nur wer ein modernes Smart-Phone besitzt und wer bereit ist, Moovel die eigenen Daten zur Verfügung zu stellen, der bekommt einen Bonus. Daher sind diese Maßnahmen vor allem als Werbung zu verstehen.

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Eine Antwort zu “Flop mit Ansage

  1. Pingback: Luftreinhaltung Light | Neckartor Bürgerinitiative

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