Kommentar zum mittleren Ring


Dieser Kommentar bezieht sich unter anderem auf den vorherigen Beitrag, der von S21-Irrtum kopiert wurde und auf zwei weitere Beiträge vom 07. Jan. 2011 und 07. Dez. 2010 auf dem gleichen Blog S21-Irrtum. In all diesen Beiträgen geht es um den sogenannten Mittleren Ring, ein Straßenbauprojekt, das den Stuttgarter Talkessel vom Durchgangsverkehr entlasten soll. In der derzeitigen Feinstaubdiskussion sind die Pläne für den Mittleren Ring wieder aus den Schubladen gezogen worden, in denen sie seit Jahren verstauben.

Das Regierungspräsidium war wohl angeblich seit je her für den Bau dieses Rings, auch der CDU-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat Alexander Kotz hat sich jetzt wage für ein neues Großprojekt ausgesprochen und meinte damit vielleicht den Mittleren Ring. Auch der Verband Region Stuttgart scheint für den mittleren Ring zu sein. (Quelle dieser Absatz S21-Irrtum)

Was ist der Mittlere Ring? Nach den Angaben auf S21-Irrtum habe ich eine Karte erstellt, auf der der Verlauf des Mittleren Rings eingezeichnet ist (Bild ist hochauflösend, 3,5 MP, etwa 1,6 Mb):

DSC01179Der erste Abschnitt des Mittleren Rings ab der Pragkreuzung ist der Rosensteintunnel, der zur Zeit gebaut wird. Daran schließt der Leuzetunnel an (ebenfalls im Bau) und danach der Abschnitt B10/ Uferstraße bis Brändle. Dort beginnt der Frauenkopftunnel (rot dargestellt). Dieser Tunnel ist der längste und teuerste Tunnel in diesem Projekt, er würde die seit Jahren diskutierte Filderauffahrt obsolet machen. Der Tunnel Degerloch (rot) führt entlang der Jahnstraße bis zur Albstraße unter einigen Häusern und dem Zahnradbahnhof hindurch. Der Riedtunnel (rot) verbindet den Tunnel Degerloch mit der Ostumfahrung Vaihingen (schwarz). Danach verläuft der Ring über den Schattenring zum Birkenkopf (beides schwarz). Ab hier sind die Angaben auf S21-Irrtum wage, der Verlauf unter dem Kräherwald ist nicht genau angegeben. An der Pragkreuzung ist der Ring dann geschlossen.

Dadurch entfallen alle innerstädtischen Transitstrecken (auf der Karte mit dem roten Verbotsschild dargestellt): Heslacher Tunnel (die ebenfalls seit Jahren diskutierte zweite Röhre ist dann hinfällig), Gablenberg (Gablenberger Hauptstraße, Neue Straße, Wagenburgstraße, Albert-Schäffle-Straße, Schwarenbergstraße sind derzeit noch viel befahrene Durchgangsstraßen), Bopser, Planie, Neckartor, Heilbronner Straße und Hauptstätter Straße könnten weitgehend rückgebaut werden. Die Pläne der Kulturmeile ließen sich verwirklichen.

Was ist davon zu halten?

Grundsätzlich ist der Mittlere Ring eine neue Straße, der auch hier in diesem Fall ein höherer Zweck (Entlastung Talkessel, damit weniger Feinstaub, Lärm und Stau im Talkessel) zugesprochen wird. Dies können neue Straßen aber oft nicht erfüllen, da sie sich nicht verkehrsmengenneutral planen lassen. Stattdessen ziehen neue Straßen neuen Verkehr an, gerade hier in diesem Fall sind viele Streckenabschnitte als Tunnel, also ohne Kreuzungen und ohne Ampeln geplant (übrigens, die teuerste Art eine neue Straße zu planen ist der Tunnel!) und damit wären diese Strecken nur ein neues Mittel um den derzeit vorhandenen Stau an eine andere Stelle zu verlagern. Weiterhin ist zu befürchten, dass auch der mittlere Ring, genauso wie die derzeitigen Transitstrecken durch den Talkessel, als Ausweichstrecke für die A8/ A81 verwendet werden, wenn wieder einmal das Leonberger Dreieck verstopft ist – denn die Tunnel sind ja kreuzungsfrei und der nördliche Abschnitt hat einen direkten Zugang vom Stuttgarter Kreuz und führt von Vaihingen/ Degerloch nach Feuerbach und umschifft damit das Leonberger Dreieck. Der südliche Abschnitt mit dem Frauenkopftunnel könnte den ganzen Bereich Plieningen, Hohenheim, Birkach, Riedenberg, Sillenbuch, Heumaden, Hedelfingen entlasten. Aber sind diese Pläne beispielsweise mit Fellbach abgestimmt? Der südliche Abschnitt würde den Verkehr schneller auf die B14 nach Fellbach schaufeln, die Anwoher im Bereich Kappelberg und Rommelshausen würden dann mehr Lärm, Dreck und Feinstaub abbekommen. Auch Stuttgart Berg würde mehr Lärm, Dreck und Feinstaub abbekommen, ähnliches gilt für den Bereich obere Pragstraße, den Kräherwald (an den Stellen ohne Tunnel), Vaihingen, Degerloch und so weiter.

Man sieht also, die Pläne für den Mittleren Ring sind noch lange nicht in trockenen Tüchern. Da gibt es noch zahlreiche offene Fragen. Effektiver wäre zuerst einmal den Verkehr als ganzes in der Region mengenmässig zurückzufahren indem

  • ein fähiger und vor allem fahrgastfreundlich getakteter Fahrplan in einem günstigen Nahverkehr umgesetzt wird
  • der Verkehr entschleunigt wird
  • Rad- und Fußverkehr gefördert wird.

Dann kann man immer noch über neue Straßen diskutieren.

Und weil in der Diskussion oft das Beispiel München herangezogen wird: Der Müncher Mittlere Ring ist oft genug ebenso verstopft wie die derzeitigen Stuttgarter Transitstrecken. Der Stuttgarter Mittlere Ring müsste also so groß geplant werden, dass er nicht stauanfällig ist. Damit wäre er dann wieder attraktiv für andere Fahrer (siehe oben, Umfahrung Leonberger Dreieck).

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2 Antworten zu “Kommentar zum mittleren Ring

  1. Pingback: Der Stuttgart 21 – Irrtum: Stuttgart 21 ist mitverantwortlich für das Straßenverkehrs- und Feinstaubchaos in Stuttgart | Neckartor Bürgerinitiative

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