Ausbau oder Abbau


Wie ist es um den Regional- und Nahverkehr ÖPNV in der Region Stuttgart bestellt?

Der Ausbau des ÖPNV-Netzes ist auch und gerade im Zusammenhang mit S21 immer wieder Thema in den Diskussionsforen und auch hier. So tut sich einiges im ÖPNV, beispielsweise der Start der Hermann-Hesse-Bahn, über die wir bereits im Jahr 2014 berichteten, ist jetzt für 2018 geplant. Sie verbindet den Nordschwarzwald und die Region Calw über Renningen und Weilderstadt mit Stuttgart.

Weitere aktuelle Projekte im ÖPNV der Region Stuttgart sind zum Beispiel Die Verlängerung der S-Bahnlinie S2 vom jetzigen Endbahnhof Filderstadt nach Neuhausen auf den Fildern und die Verlängerung der Stadtbahn vom Fasanenhof zum Flughafen. Das sind zwar wichtige Ausbauprojekte im Stuttgarter ÖPNV, allerdings nicht der große Wurf den man erwarten würde angesichts eines Ziels von 20% weniger KFZ. Im Gegenteil, wenn man betrachtet, wie das Netz früher einmal ausgesehen hat, dann sind die jetzigen Projekte eher als Rückschritt zu betrachten.

Plan der Stadtbahn von Mai 1982

Plan der Stuttgarter Stadtbahn SSB von Mai 1982

Im Mai 1982 fuhr die Stadtbahnlinie 6 noch nach Echterdingen und endete in der Hirschstraße, heute endet sie etwa 5 km früher in Leinfelden. Und die Stadtbahnlinie 4 fuhr zum Bahnhof Obertürkheim, heute endet sie ebenfalls früher, nämlich in Untertürkheim. Dafür stehen die Fahrgäste heute zwischen Ober- und Untertürkheim mit dem Bus im Stau oder müssen am Bahnhof in Obertürkheim aussteigen, auf die S-Bahn warten und dann entsprechend wieder umsteigen. Das ist natürlich ein Hemmnis den ÖPNV überhaupt zu benutzen. Das eigene Auto steht ja vor der Tür und man muss nicht umsteigen.

Aber auch aktuell ist die SSB von Abbau und Streckensperrung betroffen. Ab Mai 2016 gilt ein neuer Fahrplan und dann ist die Strecke Staatsgalerie Charlottenplatz für 15 Monate gesperrt, anschließend die Strecke Staatsgalerie Hauptbahnhof für 26 Monate. Die ursprüngliche Planung zur Verlegung der Haltestelle Staatsgalerie für S21 sah vor, dass es überhaupt keine Sperrungen geben sollte, allenfalls nur geringfügige Beeinträchtigungen zu verkehrsarmen Zeiten wie am Wochenende oder Nachts.

Aber auch im Umland haben andere Städte ihre Stadtbahn abgebaut. So hatte auch Esslingen eine eigene Stadtbahn, die von der Esslingen-Nellingen-Denkendorfer-Eisenbahn (END) betrieben wurde. Die Linie fuhr vom Schelztor über die Pliensaubrücke nach Denkendorf bzw. über Nellingen nach Neuhausen. Am Schelztor gab es eine Verbindung zur kreuzenden Linie von Oberesslingen nach Obertürkheim und in Obertürkheim bestand wiederum Verbindung nach Hedelfingen bzw. Untertürkheim (siehe oben). Die Esslinger waren also bestens in das Stuttgarter Straßenbahnnetz eingebunden. Der Betrieb der Stadtbahn wurde 1978 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Heute sieht man von den alten Anlagen nicht mehr viel, nur noch auf der Brücke am Pliensauturm liegen verrostete Schienenreste. Und inzwischen hat auch die übriggebliebene END ihren Betrieb vollständig abgewickelt und die letzten Busverbindungen aufgegeben. Diese werden jetzt von anderen Unternehmen betrieben.

Die SSB war auch Anteilseigner bei der END

Wie Stuttgarts OB Kuhn unter diesen Bedingungen sein Ziel 20% weniger KFZ umsetzen will ist ein Rätsel. Zugegeben, er kann nicht für Probleme in  Nachbarstädten verantwortlich gemacht werden. Und auch in Stuttgart hat er viele Probleme im ÖPNV von seinen Vorgängern Rommel und Schuster geerbt. Aber er könnte klare Kante beziehen in Bezug auf S21, Straßenbau und bei der SSB und den nachhaltigen Ausbau des ÖPNV fördern. Die jetzigen Projekte sind dagegen eher ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Verlegung der Haltestelle Staatsgalerie ist sogar unnötig wie ein Kropf.

Aber zum Glück gibt es auch die gegenläufige Bewegung. Ludwigsburg ist aktuell dabei seine Stadtbahnlinie von Schwieberdingen nach Aldingen wieder zu reaktivieren.

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Eine Antwort zu “Ausbau oder Abbau

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