Parkraummanagement: Eine Bilanz


Seit dem 1. Juni gilt das sogenannte Parkraummanagement auch in weiten Teilen von Stuttgart Ost und Mitte.

Normalerweise sind 3 Wochen kein Zeitraum um ein Fazit zu ziehen. Das wird gewöhnlich nach 100 Tagen oder 1 Jahr gezogen. Da das Parkraummanagement aber bereits seit Jahren in Stuttgart West ausprobiert wurde und etabliert ist, kann davon ausgegangen werden, dass die Autofahrer in Ost und Mitte genauso reagieren wie die in West.

Wir hatten vor genau 3 Jahren eine Anwohnerin aus dem Westen zu diesem Thema bei einer unserer Sitzungen befragt und die damals von der Person geäußerten Erfahrungen aus dem Stuttgarter Westen treffen so 1:1 jetzt auch bei uns zu:

  1. Tagsüber sind Parkplätze in vielen Straßen (vor allem in solchen Straßen in der Nähe von Geschäften) problemlos zu bekommen. Teilweise ist es sogar so, dass mehrere Meter lang am Straßenrand kein Fahrzeug steht. Das deutet darauf hin, dass diese Parkplätze vor der Einführung des Parkraummanagements von Auswärtigen benutzt wurden, die dort ihr Fahrzeug kostenlos abgestellt und dann beispielsweise in der Umgebung irgendwas erledigt haben. Oder sie sind mit der Straßenbahn in die Innenstadt gefahren. Diese Parkplätze stehen jetzt – mit der Einführung des Parkraummanagements – allein oder überwiegend den Anwohnern zur Verfügung, die tagsüber aber meist nicht zu Hause sind.
  2. Nachts und am Wochenende, wenn die Anwohner dagegen zu Hause sind, ist die Situation – wie bereits von unserem Gast beschrieben –  weiterhin katastrophal. Viele Fahrzeuge sind weiterhin illegal abgestellt. Und das deutet wiederum darauf hin, dass das Verhältnis zwischen der  Menge an verfügbaren Parkplätzen und der Menge an vorhandenen Fahrzeugen nicht gleich ist sondern zu viele Fahrzeuge vorhanden sind.
    Mit der Einführung des Parkraummanagements wurde versprochen, dass auch mehr Parkraumkontrolleure beim Ordnungsamt eingestellt werden. Diese gehen aber wohl weiterhin nur tagsüber auf Streife und nicht nachts. Wahrscheinlich gehen sie auch nur in den Vierteln vermehrt auf Streife, in denen mit einer hohen Anzahl an (auswärtigen / fremden) Falschparkern zu rechnen ist. Zumindest wurde in den Medien verlautbart, dass die Stadt im ersten Jahr des neuen Parkraummanagements ca. 130.000 Strafzettel verteilen will.

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  3. Man muss feststellen, dass der Parkdruck in den angrenzenden Vierteln ohne Parkraummanagement, in denen also noch kostenlos geparkt werden darf, durch ausweichenden Verkehr extrem hoch ist und weiter ansteigt. Wer am Rande eines Viertels wohnt, dass jetzt bewirtschaftet wird kann einfach in die nächste Straße fahren und dort kostenlos parken.
  4. Weiterhin ist festzustellen, dass es jetzt – durch Einführung des Parkraummanagements – für Grundstücksbesitzer lukrativer geworden ist, ihre Grundstücke als Parkplatz zu verpachten / zu vermieten. Der Anwohnerparkausweis, der für 30 Euro bei der Stadt beantragt werden kann, verspricht kein Recht auf einen (fest zugeordneten) Parkplatz im Viertel. Unter Umständen bekommt man nur einen weit abgelegenen Parkplatz drei Straßen weiter, wenn man abends spät nach Hause kommt. Wer dagegen sein Auto gern vor der Tür stehen haben will, der muss tiefer in die Tasche greifen und einen Garagenplatz im Haus mieten. Altbauten haben dies aber leider nicht, deswegen kann man jetzt mit Hinterhöfen und Spekulations-Grundstücken noch ein bisschen Geld rausschlagen bis diese anderweitig genutzt werden.

Es ist festzuhalten, dass viel versprochen wurde, sich durch die Einführung der Parkraumbewirtschaftung aber wenig geändert hat. Vor allem der Fußgänger und der Radfahrer haben darunter zu leiden. Und dies nicht nur wegen der vielen illegal abgestellten Fahrzeuge, auch durch die Parkscheinautomaten, die auf den Gehwegen stehen und damit vor allem für Mobilitätseingeschränkte Personen ein Hindernis bilden, das gilt im Übrigen auch für Stromtankstellen. Siehe angehängte Bilder.

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Unsere Forderungen deshalb:

  1. Mehr Kurzzeitparkplätze in den Wohnvierteln für die Post, Lieferanten und andere Fahrzeuge, die nur kurz etwas aus- oder einladen wollen
  2. Kontrollen des ruhenden Verkehrs ausweiten (auch und gerade in den Wohnvierteln) und Falschparker auf Sperrflächen oder im Halteverbot, auf Gehwegen konsequent und sofort abschleppen
  3. Mehr Fahrrad- und Motorradabstellplätze auf der Fahrbahn, Fahrräder und Motorräder dürfen und sollen nicht auf dem Gehweg stehen
  4. Stromtankstellen und Parkscheinautomaten auf die Fahrbahn zwischen die parkenden Autos, zum Beispiel auf Gehwegnasen
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3 Antworten zu “Parkraummanagement: Eine Bilanz

  1. Es hat sich deutlich verbessert und kontrolliert wird abends auch. Das ist meine Erfahrung.Danke an die Stadt Stuttgart.

  2. Pingback: Das Parkraummanagement in meiner Umgebung – Zu Fuß gehen in Stuttgart

  3. Pingback: Gleiches Recht für Alle! | Neckartor Bürgerinitiative

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