S21 hat Narrenfreiheit


Mit jedem Tag, der auf den S21-Baustellen ins Land zieht, wird die dramatische Beeinträchtigung für uns als Anwohner, Verkehrsteilnehmer, Bahnfahrende und unbeteiligte Passanten immer deutlicher.

Thema Staubbelästigung:

Nach Aussage der Bürgerbeauftragten Frau Kaiser tut die Bahn alles, die Belästigungen so klein wie möglich zu halten. Staubmessungen an der Baustelle hätten ergeben, dass die Tagesgrenzwerte weit unterschritten werden. Die Feinstaubmessstelle am Neckartor mit ihren hohen Grenzwertüberschreitungen wird als Negativbeispiel  genannt. Nur, wir Anwohner sind da ganz anderer Meinung, für uns zählen keine Mittelwerte über den Tag oder Grenzwerte, die über- oder unterschritten werden. Für uns zählt die Belastung an sich, beim Feinstaub kann ein Partikel schon Krebs auslösen. Und die Belastung ist hier so groß, dass man den Staub auf der Zunge schmecken, auf den Fensterbrettern und den abgestellten Autos sehen kann.

Weitere Informationen zum Thema: Netzwerke-21, Kommentar von Thomas Durchdenwald.

Thema Lärmbelastung:

Am Wartberg klagen die Anwohner seit Jahren über die Lärmbelastung, der Transport von Abraum erzeugt Spitzenpegel von über 80 dB, in der Nacht ist dabei überhaupt nicht an Schlaf zu denken.

Geräusche von 65 bis 75 dB(A) bewirken im Körper Stress. Quelle Wikipedia

Ab 85 dBA Dauerpegel können Gehörschäden auftreten. Zum Vergleich, eine Hauptverkehrsstraße mit viel Verkehr, an der ein Spaziergänger in 10 Meter Entfernung entlang geht hat in etwa ebenso den Schalldruck 80dB.

Um die Lärmbelastung zu senken, wird jetzt ein weiterer Stollen gegraben, in dem dann der Abraum bis zum Tagesanbruch gelagert werden soll.

Thema Verkehr 1

Der Neckartalradweg ist seit einigen Monaten vollends gesperrt. Er war bereits seit etwa 2 Jahren immer mal wieder gesperrt aber immer nur für kurze Abschnitte über mehrere Wochen oder einige Monate. Die jetzige Sperrung aber dauert Jahre. Genaue Angaben werden nicht gemacht, aber es waren mal Angaben von 3 bis 4 Jahren im Raum. Die Umleitung führt vom Karl-Benz-Platz in Untertürkheim über die Mettinger – und Augsburger Straße zum Imweg und über die Otto-Hirsch-Brücken zur Hafenbahnstraße und zum S-Bahnhof Obertürkheim (bzw. umgekehrt). Diese Straßen liegen zu einem Großteil im Untertürkheimer Hafengebiet, hier herrscht tagsüber ein immenser LKW-Verkehr, auch ohne die S21-Baustelle!

Einige Fotoeindrücke von dieser Umleitung

Ci4a_P1UUAAQxOF_001Ciu7Dp-XAAAQhjy_001Beide Bilder von Jan, aufgenommen auf der Hafenbahnstraße. Man beachte, dass es sich hier nicht um einen Radweg handelt sondern um einen freigegeben Gehweg, das bedeutet, dass der Radfahrer hier eigentlich schieben oder Schrittgeschwindigkeit fahren müsste. Die Breite des Weges ist auch beeindruckend. Ganz zu schweigen von der bereits weggefahrenen gelben Markierung und dem LKW-Fahrer, der nicht an der Haltelinie hält sondern erst an der Sichtlinie.

CrL7S9mWAAA7YJl CrQ60ZdUAAA1m-pBeide Bilder von Critical Mass Stuttgart, aufgenommen auf der Augsburger Straße. Auch hier wieder nur freigegebene Gehwege, die auch noch schadhaft sind (siehe das kleine Schild links).

Dabei gäbe es durchaus Alternativen, auf der Augsburger Straße sind beidseitig Parkstreifen, die nicht so sehr ausgelastet sind, diese könnten für das Parken gesperrt und den Radfahrern zur Verfügung gestellt werden, so Critical Mass. Von den Verantwortlichen dagegen kommt der Hinweis, man könne doch die S-Bahn nehmen um dieses Stück zu umfahren.

Thema Verkehr 2:

Baustellen-LKW sind seit Beginn der S21-Bauarbeiten ein immer währendes Problem für den übrigen Verkehr. LKW sind sowieso nicht gern gesehen bei anderen Verkehrsteilnehmern (Thema Elefantenrennen auf der Autobahn), aber dieses Problem hier zeigt sich jeden Morgen im Berufsverkehr – und zwar direkt vor unserer Nase und nicht auf der Autobahn. Und hier werden in der Tat Menschenleben gefährdet:

  1. LKW-Fahrer sind meist allein unterwegs. Und Baustellen sind eng, das gilt ganz besonders in einer Großstadt, bei S21 gerade auch und ganz besonders in Feuerbach. Wenn LKW-Fahrer dann allein (ohne Einweiser) und rückwärts in die Baustelle einfahren und sich dabei nur auf die seitlichen Rückspiegel und die Rückfahr-Hupe verlassen, dann kann es arg brenzlig werden.
  2. Obwohl es heute mit der digitalen Technik möglich ist, Ware zum Bedarfszeitpunkt an das Produktionsband zu liefern, scheint es auf einer Baustelle nicht möglich zu sein, die LKW zum Zeitpunkt der Beladung an die Baustelle zu ordern. Am Fasanenhof stehen jeden Morgen immens viele LKW links und rechts am Straßenrand. 20160829_074152_1600_htkms 20160829_074153_1600_gjk8s 20160829_074208_1600_71ki0Alle Bilder von Bahnlehrling auf Drehscheibe-Foren, es sind auf den Bildern schätzungsweise 10 bis 15 LKW zu zählen, die hier trotz des LKW-Durchfahrtsverbotes am rechten Fahrbahn (siehe letztes Bild) links und rechts der Fahrbahn auf die Beladung am Ende der Straße warten. Mal ganz davon abgesehen, dass am rechten Fahrbahnrand auch noch ein absolutes Parkverbot herrscht, ist hier ein ziemliches Verkehrschaos entstanden. Die Radfahrerin ist hier extrem gefährdet, da die LKW-Spiegel einen großen toten Winkel haben und dieser liegt nah am Fahrzeug. Gerade Radfahrer sind hier sehr stark gefährdet wenn das Fahrzeug aus der Lücke ausschert.

Thema Sicherheit 1:

Die StZ berichtete Ende Juli von einem Unfall in Feuerbach, ein Baukran hatte mit seinem Haken oder der daran hängenden Last die Oberleitung berührt, diese heruntergerissen und somit einen gefährlichen Unfall ausgelöst. Die Oberleitung fiel auf eine S-Bahn. Da die S-Bahn an sich ein Metallkäfig ist wurde der Strom über das Metall in den Boden abgeleitet und es kam zu keinem Personenschaden (da es keine Körperdurchströmung gab). Die Fahrgäste hatten immenses Glück, die Leitung hätte auch am nahen Bahnhof wartende Passagiere treffen können. Dieser Fall ging noch glimpflich aus, die Ermittlungen wegen gefährlichem Eingriff in den Eisenbahnverkehr werden natürlich trotzdem ausgeweitet.

Thema Sicherheit 2:

Am 15. Juni war der bekannte Fotograf Alexander Schäfer von Schaeferweltweit in der Jägerstraße unterwegs und konnte dort beobachten, wie Stahlträger von einem LKW auf die Baustelle an der alten Hauptverwaltung (auch bekannt als H7) gehoben wurden. Auch diese Baustelle ist recht eng und somit stand der LKW nicht auf oder an der Baustelle sondern in der Wendeschleife unter der Heilbronner Straße, der Kran dagegen oben in der Jägerstraße und dabei konnte Alexander Schäfer folgendes Bild festhalten:

Der Träger, der bestimmt gute 2 bis 3 Tonnen Gewicht hat, schwebt über der Straße. Die Passantin wird gleich die Straßenseite wechseln und dann unter der Last hindurch Richtung Hauptbahnhof gehen (besagte Wendeschleife ist hier im Bild rechts, eine Karte der Situation ist hier). Veröffentlicht wurde dieses Bild und weitere von Alexander Schäfer noch am gleichen Tag auf seinem Blog. Die Bahn reagierte einige Zeit später auf diesen Artikel und sprach von perspektivischen Verzerrungen und dass die Sicherheit von Passanten natürlich gewahrt bleibt.

Erinnert sei noch einmal an den Fall von 2012, bei dem eine Person fast von einem Betonbrocken getroffen worden wäre.

Thema Brandschutz

Das Thema Brandschutz ist bis heute nicht geklärt und es scheint so, als würden eher die Richtlinien passend zum S21-Bau „gedeutet“ werden anstatt den Bau an die Richtlinien anzupassen. Der neueste Witz ist, dass der S21-Bahnhof kein Gebäude ist sondern ein ungeregelter Sonderbau. Für diesen gelten andere Brandschutzregeln (ab Minute 17:40).

S21 ist ein Streitthema, keine Frage. Über die Schönheit der Architektur kann man trefflich streiten. Auch die Frage der Kapazität ist bis heute nicht geklärt, beide Seiten bewerfen sich hier mit Gutachten und Gegengutachten. Aber ein Thema über das man nicht streiten kann ist die Sicherheit. Die Sicherheit aller Beteiligten und auch Unbeteiligten sollte oberstes Gebot sein. Nicht nur die betroffenen Anwohner fordern das, sondern das gilt auch für die Arbeiter und unbeteiligte Passanten und andere Verkehrsteilnehmer, egal wie diese zu diesem Thema S21 stehen.

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