Die falsche Politik der Stuttgarter Straßenbahn


Die SSB feiert Rekorde, so sind 2015 die Fahrgastzahlen gestiegen, und die Attraktivität der SSB soll weiter gesteigert werden, sicher sind diese Verlängerungen:

  • Die U12 soll mit Doppelwagen fahren, das ist allerdings mit dem Wegfall der Haltestelle Friedhofstraße verbunden (siehe unten)
  • Die U12 fährt vom Hallschlag weiter nach Hofen und Aldingen

Diese Ausbauten sind nur eine mehr oder weniger konkrete Idee:

Diese Ausbaupläne würden die Attraktivität der SSB weiter steigern und mehr Menschen ermöglichen, die SSB zu nutzen.

Aber bereits jetzt sieht es in der S-Bahn und der SSB oftmals so aus:

In der Tat ist das Stuttgarter Liniennetz zentralisiert aufgebaut, der Hauptbahnhof ist DIE zentrale Umsteigemöglichkeit.

Charlottenplatz und Berliner Platz sind weitere Umsteigemöglichkeiten, allerdings mit weniger Linien und die meisten Linien, die dort halten, sind vorher über den HBF gefahren.

In einer Leseraktion der StZ haben sich deshalb die Leser folgende Ringverbindungen (unklar ob per Bus oder Straßenbahn) gewünscht:

  • Eckardshaldenweg – Böblinger Str.
  • Bopser – Marienplatz
  • Hackstraße – Heidehof
  • Leonberg – Vaihingen
  • Degerloch – Scharnhausen
  • Mühlhausen – Untertürkheim
  • Giebel – Hausen – Weilimdorf

Die Leser der StZ denken also schon weiter, die SSB und die Stadtoberen dagegen pumpen Geld in die Verlängerung der Linien und in fragwürdige Großprojekte wie S21, die zu langjährigen Unterbrechungen an einer Hauptverbindung führen (siehe dazu hier und über die aktuellen Änderungen hier). Bevor aber nicht das Zentrum durch Ringlinien entlastet wird, ist ein Ausbau in der Peripherie sinnlos, es wird zwangsläufig zu einem Kollaps führen.

Fragwürdig ist auch, wieso die SSB weiterhin auf die Hochflurwagen setzt. Hier Auszüge aus dem verknüpften Artikel von 2015: Die Entscheidung, ob die Fahrzeuge der Straßenbahn einen hohen Boden oder einen niedrigen Boden haben, ist nicht nur wichtig für Senioren, Personen mit schwerem Gepäck, Personen, die Kinderwagen schieben oder Einkaufstrolleys ziehen. Sie entscheidet auch über die Erreichbarkeit der anderen Straßenseite oder anliegenden Grundstücken. Bis auf die Schienen lassen sich Niederflurstrecken fast unsichtbar in das Stadtbild integrieren. Die Bahnsteige haben zu den Bürgersteigen eine nur geringfügig höhere Bordsteinkante. Die Hochbahnsteige, so wie sie auch in Stuttgart gebaut wurden, sind dagegen mit einer Kantenhöhe von ca. 1 Meter wie eine Trennwand auf der Straße, unüberwindbar für jeden Fußgänger.

Stuttgart wird sich aber in den nächsten Jahren überlegen müssen, was es will. Die bestehenden Stadtbahnstrecken sind massiv überlastet. Vor allem an den neuralgischen Stationen in der Innenstadt passen keine weiteren Züge in die Tunnel, ein Ausbau des bestehenden Streckennetzes kann nur oberirdisch erfolgen. Und dann sollte die Entscheidung klar sein: Niederflurtechnik. Auch wenn das an vielen Haltestellen bedeutet, diese wieder abzureißen und umzubauen. Das Stadtbild in vielen Straßen und die Barrierefreiheit werden dadurch erheblich verbessert werden. (Ende Auszug aus dem Artikel von 2015)

Wo die bevorzugten Kunden sind, ist am derzeitigen Abriss der Haltestelle Friedhofstraße zu sehen.

Todesanzeige für die Haltestelle Friedhofstr mit Demoaufruf für gestern Nacht.

Zwar fährt dann die U12 mit Doppelwagen und das Milaneo wird dann mit zwei Haltestellen erreichbar sein. Aber die Anwohner im Bereich Friedhofstraße sind dann abgeschnitten vom Nahverkehr und die Genehmigung für das zentrumsnahe Mega-Einkaufszentrum Milaneo mit seinen 200 Geschäften und über 1500 Parkplätzen war sowieso nicht zum Wohle der Stadt.

Die Anwohner im Bereich Friedhofstraße, Mönchstraße, Beyerstraße konnten bisher relativ ebenerdig (bis auf einige Bordsteinkanten und die Treppen am Hochbahnsteig [zu den Vorteilen der ebenerdigen Niederflurbahnsteige siehe oben]) die Haltestelle Friedhofstraße erreichen. Jetzt sieht es so aus, dass man die Treppe in Verlängerung der Beyerstraße hinunter gehen muss, dann die Treppe am Milaneo wieder hoch um zur Haltestelle Mailänder Platz zu gelangen. Oder man nimmt den wesentlich längeren, aber ebenerdigen Weg über die Friedhofstraße zum Milchhof.

Das Milaneo zieht mit seinen 1500 Parkplätzen einen immensen Verkehr an, der auch aus der Region kommt. Als die Baupläne genehmigt wurden, war das Thema Stickoxide und Feinstaubalarm noch nicht so präsent, wie heute. Fahrverbote waren praktisch nicht in den Gedankenspielen der Planer vorhanden. Aufgrund der exorbitant hohen Baupreise am alten Güterbahnhof wurde das Milaneo aber eher größer als kleiner geplant und so hat man sich letztendlich noch um die Zahl der Parkplätze gestritten. Die Straßenbahnhaltestellen Stadtbibliothek und Mailänder Platz mit direktem Zugang zum Milaneo sollen deshalb als Entlastung dienen und Verkehr aufnehmen. Die Anwohner in der Friedhofstraße sollen dann halt einen längeren Weg gehen, die Haltestelle Friedhofstraße war ja nach Aussagen der SSB sowieso nur eine Übergangslösung bis zur Fertigstellung der Haltestelle Mailänder Platz. Ob diese gewünschte Verlagerung des Verkehrs angesichts der immens hohen Anzahl an Geschäften auch klappt ist eine andere Frage, wenn man sich anguckt, mit wie vielen Tüten die Kunden dort teilweise herumlaufen, ist klar, dass dem eigenen Auto eher der Vorzug gegeben wird gegenüber der SSB. Da wäre die Nicht-Genehmigung der Baupläne Milaneo die bessere LÖsung gewesen, nicht nur für die Anwohner Friedhofstraße, sondern auch für Stuttgart insgesamt (wegen der Zunahme des Verkehrs auf dem City-Ring, wegen der Schädigung des bestehenden Einzelhandels in Stuttgart und der Region und der jetzt bestehenden Wohnungsnot).

Zum Thema Einkaufszentren siehe hier,

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