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Termin: 1 Chance und 120 Risiken


Die Feuerbacher Initiative für K21 lädt zu einem Vortrag mit Dipl.-Ing. Hans Heydemann und Dipl.-Physiker Wolfgang Kuebart, beide von den Ingenieure 22 ein. Dieser Vortrag findet am Mittwoch, 29. Januar 2014 um 19 Uhr im Bürgerhaus Feuerbach, Stuttgarter Str 15, 1. OG, statt. Der Eintritt ist frei.

Aus der Einladung:

Die bahninterne und bisher – auch vor den Projektpartnern Stadt und Land – geheimgehaltene Liste Großprojekt Stuttgart 21 Wendlingen- Ulm, Chancen und Risiken vom März 2011 liegt jetzt vor. Diese Liste des ehemaligen S-21-Projektleiters Azer offenbart: Bereits damals – vor der Volksabstimmung – war eine Kostenüberschreitung um mehr als 2,3 Mrd. € erkennbar. In ihrem Bildervortrag erläutern die Referenten die Risikoliste und den Kostenbetrug der DB AG sowie die stümperhafte Planung des Vorhabens.
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Vegetative Überbemöbelung wird entfernt


„Vegetative Überbemöbelung“

So hat die Bezirksvorsteherin Mitte Veronika Kienzle den Architekten des Umbaus des Wilhelmspalais zitiert, der damit die – aus Sicht der Planer – hinderlichen Bäume um das Palais (und vielleicht auch in der Stadt) meinte.

Das Wilhelmspalais soll zum Stadtmuseum umgebaut werden. Dazu soll die Treppe vergrößert werden, außerdem ist das Fundament sanierungsbedürftig und eine Ladebühne, an die die Kunsttransporter heranfahren sollen um die empfindlichen Kunstwerke ausladen zu können, muss gebaut werden. Aber diesen Arbeiten stehen eben 17 zum Teil stattliche Bäume im Weg.

Bürgermeister Thürnau hat als Technikbürgermeister in der letzten Sitzung des Technikausschusses diesen Plan verteidigt. Die StZ zitiert ihn mit

„Man muss auch Bäume fällen, wenn man Stadtentwicklung betreiben will“

„Wir holzen nicht quer durch die Stadt, sondern betrachten jeden Baumstandort einzeln“

Es würden ja auch Bäume nachgepflanzt.

Thürnau vergisst bei dieser Argumentation aber ein paar Dinge:

  • Wer ist ‚man‘? Meint er damit die Politik, die über diesen Entwurf der Architekten abgestimmt hat und jetzt feststellt, dass er vielleicht doch etwas daneben ist oder meint Thürnau damit die Bürger? Welche Bürger? Wurden die Bürger gefragt über den Entwurf oder meint er die Bürger, die ihn bzw. seine Partei bei der letzten Kommunalwahl gewählt und ihm und seiner Partei damit die Legitimation gegeben haben, alles zu tun, was ihnen gerade in den Sinn kommt?
  • Wo ist der kausale Zusammenhang zwischen Stadtplanung und Baumfällungen? Kann man nicht auch so planen, dass man um vorhandene Bäume drumherum baut? Zumindest die Ladebühne und die Freitreppe dürften so planbar sein, dass möglichst wenige Bäume zu schaden kommen. Die Fundamentsanierung ist dagegen wahrscheinlich nicht ohne größere Schäden an Bäumen zu bewerkstelligen.
  • Ein Baum ist ein Baum ist ein Baum? Eben nicht. Laut Wikipedia ist eine etwa 80 Jahre alte Rotbuche etwa 25 m hoch, die Baumkrone umfasst einen Durchmesser von 15 m und bedeckt damit eine Standfläche von 160 m². In 2.700 m³ großen Rauminhalt finden sich 800.000 Blätter mit einer gesamten Blattoberfläche von 1600 m², deren Zellwände zusammen 160.000 m² Fläche betragen. Allein die 350 gefällten Bäume im mittleren Schloßpark hätten pro Jahr 5200 Tonnen frischen Sauerstoff produziert und dabei 7000 Tonnen Kohlendioxid und 350 Tonnen Staub umgesetzt, was die Atemluft in der Stadt erheblich zu Gute gekommen wäre. Jetzt im Rosensteinpark kommen noch einmal knapp 160 Bäume hinzu.
    Die neu gepflanzten Jungbäume können da nicht mithalten.

Diese Argumentation kommt bekannt vor? Richtig! Auch die S21-Planer sahen ihr Projekt als „Geschenk an die Stadt“ und die Baumfällungen seien nur ein akzeptabler Kollateralschaden, der durch die Pflanzung von neuen Bäumen ersetzt werden würde. Es war sogar von 5000 neuen Bäumen die Rede.

Auch im Rosensteinpark wird zur Zeit vegetative Überbemöbelung entfernt. Die steht dem neuen Rosenstein-Auto- und Eisenbahntunnel im Weg. Der Rosensteinautotunnel soll jetzt gebaut werden, der Rosensteineisenbahntunnel dann an fast der gleichen Stelle in ein paar Jahren. Matthias von Herrmann und Hannes Rockenbauch kritisieren diese Bauarbeiten. Im Internet ist die Rede von Massaker, aufgrund der Zahl der zum Tode verurteilten Bäume ein durchaus zutreffender Begriff, wie manche Nutzer im Parkschützer-Forum meinen. OB Kuhn fühlt sich dagegen nicht verantwortlich. Er habe sich an den Beschluß des Gemeinderats zu halten.

Diese Argumentation kommt bekannt vor? Richtig! Auch die S21-Planer sahen ihr Projekt als ein „Geschenk an die Stadt“ und da die Stadt selbst daran beteiligt ist, sollte sie durch entsprechendes Verhalten zeigen, dass sie den Erhalt dieses Geschenks auch durchaus zu würdigen weiß. Dieses Verhalten wird immer wieder unter dem Begriff „Projektförderpflicht“ zusammengefasst. Was genau damit gemeint ist, ist situationsabhängig und fällt je nach Person unterschiedlich aus.

 

LKW-Stau, SSB und S21


In der ehemaligen Busspur am Landespavillion/ Planetarium stauen sich zur Zeit die LKW’s zur Baustelle am Wagenburgtunnel. Es wurden an einem Abend mehr als 10 Fahrzeuge gezählt. Siehe Bilder BePXTSxIMAAz_C4.jpg BePZeJtIEAEUrUQoder die Mediathek von Bahnhof201268 auf Twitter.

Dabei ist dies nur die LKW-Schlange, die den Aushub aus dem Rettungsstollen abtransportieren soll, der zur Zeit gebaut wird.

Da das Baukonzept ja bekanntermaßen geändert wurde und zuerst zwei parallele Röhren vom Fasanenhof bis etwa Degerloch gebaut werden sollen und die eine dann in Richtung Wagenburgtunnel verlängert wird, wird das letzte Stück der zweiten Röhre dann erst vom Wagenburgtunnel bergaufwärts gebaut. Das große Abraum-Chaos erwartet uns also erst noch, wenn die Tunnelbohrmaschine umgedreht wird und wieder Richtung Degerloch fährt.

In der Antwort auf eine Anfrage der Grünen (PDF) (gestellt von Nikolaus Tschenk) aus dem Jahr 2012 heißt dazu nur lapidar:

Am sogenannten Angriffspunkt Rettungszufahrt Hauptbahnhof Süd (am Wagenburgtunnel) ändert sich der Massenanfall gegenüber der Planfeststellung nicht.

Das bedeutet, dass es auch weiterhin im Bereich Innenstadt und da besonders am Wagenburgtunnel zu Behinderungen kommen wird, egal aus welcher Richtung gebohrt wird.

Aber was ist mit dem Umbau der Haltestelle Staatgalerie? Dass es zu erheblichen Einschränkungen kommen wird, ist bereits seit einigen Monaten bekannt. Der Westen wird durch die Kappung der Durchfahrt am Hauptbahnhof und der damit verbundenen Umleitungen abgehängt betonte damals schon Hannes Rockenbauch und Hans Heydemann ergänzte, dass der Rückfall auf den 15 Minuten-Takt drohe – auch tagsüber in der Hauptverkehrszeit, in der zur Zeit alle 10 Minuten eine Bahn einer Linie fährt.

Aber ein Aspekt ist bei diesen Betrachtungen bisher außer Acht gelassen worden: der Zulieferverkehr zur und der Abtransport von der Baustelle Staatsgalerie. Auch hier bei diesem Einzelprojekt fallen große Mengen an Aushub und Schutt an, gerade weil nicht nur die Station neu gebaut wird sondern weil die Station neben der alten (ungefähr an Stelle des ehemaligen und jetzt abgerissenen Landespavillion) neu gebaut wird und die zuführenden Tunnel ebenfalls neu gebaut werden müssen. Gr_nDadurch ergibt sich ein erheblicher Aufwand an Erdbewegungen. Hier auf der Karte kann man den Verlauf der neuen Tunnel als gepunktete Linie von rechts oben nach unten sehen. Und das Verkehrschaos wird noch dadurch verstärkt, dass die Bundesstraße 14 an dieser Stelle mit einem Deckel unter der Erde verschwinden soll, der ähnlich wie am Charlottenplatz zu einer kleinen Grünfläche werden soll.

Das alles wird zu einem Baustellen-Ausweich-Verkehr durch das Kernerviertel und Stuttgart Ost führen. Wer heute aus Richtung Nord kommt und beispielsweise nach Sillenbuch möchte, der kann die B27 benutzen. Die führt aber an mehreren Stellen über S21-Baustellen (unter anderem Um- und Neubau Haltestelle Staatsgalerie und Baugrube Tiefbahnhof). B10/ B14 ist durch den Rosensteintunnel und die S21-Baustellen am Neckar ebenfalls blockiert. Was bleibt da noch übrig? Die Schleichwege durch die Wohnviertel in Nord und Ost, beispielsweise Robert-Mayer-Straße, Türlenstraße, Wolframstraße (die gerade ausgebaut wird) und dann Urbanstraße, Kernerstraße, Haussmannstraße. Frank Schweizer hat dies heute in seiner Rede auf der 206. Montagsdemo klar dargestellt.

Und ein weiterer Aspekt findet bisher ebenfalls wenig Beachtung: die Kosten. Es fahren zwar immer mehr Bewohner mit der Straßenbahn und den Bussen, aber werden die Fahrgastzahlen weiter steigen, wenn die Baustellen auf Hochtouren laufen und es zu Streckensperrungen und Verspätungen kommen wird, wie Hannes Rockenbauch und Hans Heydemann sie vorhersagen? KarteWird die SSB dann weiterhin Mehreinnahmen verzeichnen können? Wie bei jedem Bauprojekt ist auch hier mit großer Wahrscheinlichkeit mit Mehrkosten zu rechnen. Geologie21 schreibt dazu im Artikel zum Nesenbachdüker:

Denn auch die SSB-Stadtbahnhaltestelle ‚Staatsgalerie‘ muss komplett neu gebaut werden, weil auch sie dem Tiefschiefbahnhof im Weg liegt. Aber auch der SSB-Neubau mit den Tunnelumlegungen ist ausgesprochen kompliziert. Jedoch ist die SSB dabei vom unzuverlässigen Zeitplan der Bahn AG abhängig, die den Nesenbach-Abwasserkanal verlegen will und den Nesenbachdüker bauen wolle, jedoch bis heute nicht wisse, wie dies konkret umgesetzt werden soll und auch noch keine Genehmigung dafür hat.

Die enge Situation aus der existierenden und zukünftigen Bebauung im Bereich Arnulf-Klett-Platz und Gebhard-Müller-Platz und der dicht befahrenen Straße, die man nicht sperren kann, machen es nicht gerade einfach, dort mal eben so eine neue Haltestelle zu bauen. Hinzu kommen weitere Bauprojekte, wie der Neubau der Haltestelle Wilhelma im Rahmen des Neubaus des Rosenstein-Auto-tunnels, die U12 und der abgeschlossene Bau am Fasanenhof, die ein großes Loch in die Kasse reißen wie die StN schreiben. Außerdem sinken die Unterstützungen aus Land und Bund.

Weitere Informationen zum Stadtbahnchaos auch hier in der Rede von J. Schwab auf der 204. Montagsdemo

Pressekonferenz des AB gegen S21 zum Stadtbahn-Chaos


Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 und die Fraktionsgemeinschaft SÖS/LINKE luden am Mittwoch, den 11. Dezember zu einer Pressekonferenz ein.

Themen:

Jetzt auch die SSB?
Nach der Ankündigung von Sperrungen auf zentralen Stadtbahnverbindungen droht auch die SSB in den Strudel der S21-Probleme zu geraten. Informationen von Dipl.-Ing. Hans Heydemann, Ingenieure 22: Stadtbahn-Chaos-111213

Ein Jahr Offenbarungseid der Deutschen Bahn AG
Am 12. 12. 2012 räumte Bahnchef Grube die Sprengung des Kostendeckels ein. Die Betrugs- und Untreuevorwürfe sind weiter nicht aufgeklärt. Das laufende 3. Bürgerbegehren soll Klarheit schaffen. Hierzu:

  • Dr. Eisenhart von Loeper, Rechtsanwalt, Sprecher des Aktionsbündnisses
  • Dieter Reicherter, ehem. Vorsitzender Richter am Landgericht Stuttgart
  • Die Eröffnung des Pressegesprächs hält Hannes Rockenbauch, Stadtrat SÖS

Video der Pressekonferenz.

Die Karte mit den beiden Bauabschnitten und den jeweiligen Sperrungen (eigene Bildmontage aus der Präsentation von Hr. Heydemann).

KarteDie wichtigsten Punkte aus der Pressekonferenz:

  • Dauer der Linien-Unterbrechungen sind nicht vorhersehbar, es
    könnte also auch Monate oder gar Jahre dauern!
  • Erhebliche Behinderungen und
    Einschränkungen des Stadtbahn-Betriebes!
  • Längere Fahrzeiten wegen der Umleitung.
  • Ausdünnung des Fahrplanes aller Linien.
  • Wichtige innerstädtische Haltestellen gar nicht
    mehr oder nur durch Umsteigen erreichbar!
  • Große Teile von Stuttgart-West werden von der
    Stadtbahn abgehängt.
  • Hölderlinplatz kann nicht angefahren werden.
  • Wasenlinie U11 kann nicht mehr verkehren.
  • Stadtbahn verliert Attraktivität und Fahrgäste.
  • Erhebliche Einnahme-Verluste für SSB!
  • Verlust-Ausgleich über Fahrpreis-Erhöhungen

Stadtbahn-Chaos durch Stuttgart21


Von Hans Heydemann, mit freundlicher Genehmigung veröffentlicht.

Seit Beginn der Umbau- und Abriß-Arbeiten zu Stuttgart21 haben wir ein S-Bahn-Chaos nach dem anderen hinnehmen müssen mit erheblichen Verspätungen, Zugausfällen, Betriebs-Einschränkungen bis hin zum völligen Zusammenbruch des S-Bahn-Verkehrs über viele Stunden.

Gleiches steht ab kommenden Sommer nun auch dem bisher verläßlichen Stadtbahn-Betrieb der SSB bevor, wenn die Bauarbeiten für S-21 wie geplant weitergehen und mit der Verlegung der Haltestelle „Staatsgalerie“ als Voraussetzung für den Tiefbahnhofstrog S-21 begonnen werden soll.

Die vorgesehenen Umbaumaßnahmen der SSB-Tunnel betreffen sowohl die wichtigen Tal-Längslinien der Stadtbahn zwischen Charlottenplatz und Staatsgalerie einschließlich Umbau der Haltestelle Staatsgalerie sowie auch die der Querlinie zwischen HBF/Arnulf-Klett-Platz und Staatsgalerie. Diese sind im Antrag der DB zur 14. Planänderung im Erläuterungsbericht in Abschn. 3.13 beschrieben. Wegen dem Bau des Nesenbachdükers sind diese in getrennten Abschnitten nacheinander vorgesehen und werden zu einer längerdauernden Unterbrechung des Stadtbahn-Verkehrs in Stuttgart führen. Die Dauer der Unterbrechung ist nicht angegeben.

In der Sitzung des Umwelt- und Technikausschusses am 22.10.2013 hat der Technikvorstand der SSB, Herr Arnold, über die geplanten Bauarbeiten zur Verlegung der Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie als Folgemaßnahme von Stuttgart 21 berichtet. Ursprünglich hatte die SSB beabsichtigt, den Umbau unter laufendem Betrieb zu bewerkstelligen. Dies sei nun nicht mehr möglich. Jetzt wird es im ersten Bauschritt eine Stadtbahnlinien-Unterbrechung zwischen den Haltestellen Staatsgalerie und Charlottenplatz und im zweiten Bauschritteine Unterbrechung zwischen Staatsgalerie und Hauptbahnhof geben.

Im ersten Bauschritt ab Juli 2014 bis Dezember 2016 sollen der Stadtbahntunnel in der Willy-Brandt-Straße, die neue Haltestelle Staatsgalerie und der Stadtbahntunnel im Bereich des Gebhardt-Müller-Platzes gebaut werden. Das bedeutet eine Linienunterbrechung der wichtigen Tal-Längslinien U1, U2 und U4 von 2 ½ Jahren!

Im zweiten Bauschritt von April 2017 bis Dezember 2019 müssen zwei getrennte Tunnelröhren Richtung Arnulf-Klett-Platz und eine zweigleisige Röhre Richtung Charlottenplatz angebunden werden. Das bedeutet eine Linienunterbrechung der wichtigen Querlinien U9 und U14 über den Hauptbahnhof von 2 ¾ Jahren! Die Tunnelröhren Richtung Arnulf-Klett-Platz durchschneiden das Baufeld des Nesenbachdükers. Deshalb muss dieser vor den Tunnelröhren gebaut werden. Die Bahn hat aber für die 14. PÄ noch gar keine Genehmigung!

In der Sitzung des Fahrgastbeirats des VVS am 21.11.2013 wurde von der SSB mitgeteilt, daß die Dauer der Linien-Unterbrechungen nicht vorhersehbar seien, es also auch Monate oder gar Jahre [Ergänzung BI Neckartor: mehr] dauern könnte. Ursache dieser massiven Eingriffe in den öffentlichen Verkehr in Stuttgart seien die vielen Planänderungen der Bahn, die den ursprünglich geplanten Bauablauf verhindern.

Daß der Bau von Stuttgart 21 solche Behinderungen mit sich bringt, wurde der Bevölkerung bisher verschwiegen!

Lt. Bauplanung sind also insgesamt 5 ½ Jahre Bauzeit für die SSB-Tunnel vorgesehen, in denen erhebliche Behinderungen und Einschränkungen des Stadtbahn-Betriebes hinzunehmen sein werden – nach den bisherigen Erfahrungen ist wohl eher von 10 Jahren auszugehen.

Weil bekanntlich auch der SSB-Tunnel im Bereich der Heilbronner Straße umgelegt wird, bedeutet dies nichts anderes, als daß sämtliche Stadtbahnlinien der Innenstadt durch den Bau des Tunnelbahnhofes S-21 zerschnitten werden! Es sprengt jegliche Vorstellungskraft, wie die zerstümmelten Restnetze dann während der mehrjährigen Bauzeit überhaupt noch betriebsfähig gehalten werden können! Die U1 etwa kann am Charlottenplatz gar nicht umkehren und nach S-Vaihingen wieder zurückfahren; dafür fehlen alle Voraussetzungen. Gleiches gilt für die andere Seite ab Neckartor Richtung Fellbach sowie für alle anderen Linien.

Offensichtlich haben die SSB vor, im ersten Bauschritt „Umbau SSB-Tunnel zwischen Charlottenplatz und Staatsgalerie“ alle hier verkehrenden Linien U1, U2, U4 wie die U14 über Rotebühlplatz-Berliner Platz-HBF zur Staatsgalerie umzuleiten, im zweiten Bauschritt „neue Tunnel HBF – Staatsgalerie“ dann die über den Berliner Platz verkehrenden Linien U9 und U14 über Rathaus-Charlottenplatz- Staatsgalerie zu führen.

Damit kann die SSB zwar eine Betriebseinstellung der betreffenden Linien oder Zerstückelung in „Restnetze“ vermeiden, nicht aber erhebliche Einschränkungen des Stadtbahn-Verkehrs insgesamt. Die Bündelung aller Linien jeweils auf den einen oder den anderen Ast wird nicht ohne wesentliche Ausdünnung des Fahrplanes aller Linien möglich sein, weil die Zugfolge in den betreffenden Tunnelstrecken anders nicht zu verkraften sein wird.

Weiterhin werden wichtige innerstädtische Haltestellen wie Rathaus, Charlottenplatz, Rotbühlplatz, Berliner Platz, Friedrichsbau während mehrerer Jahre gar nicht mehr oder nur noch eingeschränkt über andere Linien verbunden mit zusätzlichem Umsteigen erreichbar sein – ein unzumutbarer Zustand! Die Fahrzeiten werden sich durch diese Umlenkung erheblich verlängern. Die „Wasenlinie“ U11 wird die ganze Zeit über nicht mehr fahren können.

Hier einen Busersatzverkehr in der Innenstadt zur Überbrückung während der mehrjährigen Bauzeit einrichten zu wollen, wird – zusätzlich zu den Baustellen-bedingten Verengungen der Fahrspuren und dem Baustellen-Verkehr – zu einer weiteren Überlastung der Straßen in der Innerstadt führen mit all´ seinen Auswirkungen wie Abgase, Feinstaub, Lärm, Stau. [Anmerkung BI Neckartor: Nach Zeitungsberichten der StZ ist kein Busersatzverkehr geplant, da die Straßen des Innenstadtrings zu stauanfällig sind, das gilt erst Recht für die Zeit der Baustellen]

Ein solcher Busersatzverkehr ist für die meisten Fahrgäste zu umständlich; es muß mit einem beträchtlichen Rückgang der Fahrgastzahlen für den VVS gerechnet werden. Auch hier zeigt sich ein weiteres Mal, welch´ einen Rückschritt das S-21-Vorhaben für den öffentlichen Nahverkehr in der Landeshauptstadt Stuttgart mit sich bringt.

Vor allem aber wird dies der SSB auch sehr viel Geld kosten: zum einen hohe Ausgaben für Anschaffung und Fahrbetrieb zusätzlicher Busse, zum andern aber einen erheblichen Einnahme-Ausfall bringen, weil das für die meisten SSB-Fahrgäste viel zu unbequem wird. Bleibt die Frage nach der Kostentragung der absehbaren Verluste für die SSB in Millionenhöhe. Die Bahn wird diese nicht übernehmen wollen; im Finanzierungsvertrag ist davon jedenfalls keine Rede. Also werden das die Fahrgäste – wir Bürger also – durch erhöhte Fahrpreise auch noch finanzieren müssen!

Was hat Vorstand und Aufsichtsrat der SSB nur bewogen, diesem Vorhaben S-21 zuzustimmen? Warum haben diese das alles nicht vorher bedacht? Jetzt alles auf die ständigen Planänderungen der Bahn schieben zu wollen, beweist doch nur, daß alle nur abgenickt haben, ohne über die Umsetzung und deren Folgen nachzudenken.

Und was haben sich eigentlich die Spitzen von CDU, SPD, FDP und FWW dabei gedacht, als diese das S-21-Abenteuer beschlossen und besiegelt haben? Jetzt wird hier das ganze Ausmaß der S-21-Tragödie auch für die hunderttausende tagtäglich betroffenen Fahrgäste der SSB so richtig spürbar! Welch` ein Fortschritt, dieser Tunnelbahnhof! Wir werden wohl wieder zu Fuß durch die Stadt gehen müssen!

Siehe zum Thema auch hier unseren Artikel über die Baustellen an der B14 und den Artikel über die Aussichten im Rahmen des Projektes S21.