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Stuttgart, Stadt der Baustellen


Stuttgart ist auf dem besten Weg einen neuen Titel zu erhalten. Neben der 10jährigen Führung der Feinstaubmeisterschale und dem Titel der Stauhauptstadt ist jetzt scheinbar auch das Erreichen des Titels der Baustellenhauptstadt das Ziel der Stadt.

Diese weiteren Baustellen sind zwar verhältnismäßig klein im Gegensatz zu den S21-Tunnelbaustellen, aber in Summe größer.

Aber ganz besonders betroffen ist Stuttgart Mitte, vor allem durch S21-Baustellen, wie am Wagenburgtunnel, Königin-Katharina-Stift, Heilbronner Straße, Staatsgalerie etc. pp.

  • Das Stadtmuseum ist vollständig entkernt, der Ausbau hat begonnen
  • Der Hang für den Neubau der Ballettschule ist gerodet, Erdarbeiten haben noch nicht begonnen
  • Die Tiefgarage der Landesbibliothek ist abgerissen worden
  • Das City-Gate ist so gut wie fertig
  • Das Milaneo ist bereits seit längerer Zeit geöffnet, aber trotzdem ist drumherum noch eine große Baustelle, die Wolke ist im Rohbau fertig. Die Brücke der U12 über die Wolframstraße steht, da der Damm zum Milchhof aber noch nicht befestigt ist, machen die Gleisbauarbeiten auf der Brücke noch keinen Sinn. Und auch die Sparkassenakademie und weitere Gebäude im Europaviertel sind nicht fertig oder noch gar nicht angefangen

Die Liste wird fortgesetzt.

Aktuelle Karte der Stadt mit den derzeitigen Bauprojekten (allerdings sind dort nicht alle Bauprojekte aufgeführt, das Wasserwerk am Kanonenweg beispielsweise fehlt).

Der Weg ist frei


Der Gemeinderat hat am 29. Januar den Bebauungsplan des alten Wasserwerks zwischen der Urban- und der Werastraße geändert. Damit ist der Weg frei für die Rodung des Geländes und den Bau der neuen John-Cranko-Schule. Allerdings wurde die Baustelle so umgeplant, dass nicht mehr alle Bäume, die vom Gebäude eigentlich gar nicht betroffen sind, der Logistikfläche zum Opfer fallen. Nur noch 67 Bäume müssen gefällt werden, 29 davon sind geschützt.

Damit kommt jetzt die nächste Baustelle auf das Kernerviertel zu, das bereits durch S21 und die Baustelle Stadtmuseum mit Dreck und Lärm zu kämpfen hat.

Zum Thema Stadtbäume siehe auch hier den Artikel Bäume als Stadtmöbel und speziell zu den Bäumen am Wilhelmspalais siehe hier den Artikel Bäume sind vegetative Überbemöbelung.

65 Bäume sollen für Ballettschule fallen


Immer noch 65 Bäume (14 davon nur für Aufstellplätze von Baumaschinen, Lagerflächen und Bürocontainer der Bauarbeiter) sollen nach den überarbeiteten Plänen der John-Cranko-Schule gefällt werden, 25 davon sind geschützt (2 davon für oben genannte Lagerflächen). Ursprünglich wären 76 Bäume geopfert worden, 29 davon geschützt.

Man könnte die Lagerflächen aber auch auf die Schützenstraße verlegen, das würde dann allerdings Mehrkosten in Höhe von etwa 400.000 Euro verursachen. Dann müssten nur noch 55 Bäume (4 für Aufstellplätze von Baumaschinen), 25 davon geschützte Bäume, gefällt werden.

Da aber fast alle Bäume ersetzt werden – durch kleinere junge Bäume – und um noch mehr Mehrkosten zu vermeiden, wird dieser Vorschlag wahrscheinlich nicht angenommen.

Quelle: StN

Das System21 ist überall!


Das System21 ist auch in kleinen Projekten zu finden, zum Beispiel im Neubau der John-Cranko-Schule. Auf dem Gelände des denkmalgeschützten Wasserwerks in der Werastraße (unterhalb der Jugendherberge) soll der Neubau entstehen. Dafür müsste das Wasserwerk zumindest teilweise weichen. Aber bereits jetzt – noch vor Baubeginn – steigen die Baukosten ins Unermessliche. Und da sind die Parallelen zu S21 durchaus sichtbar.

Mit Verweis auf irgendeine europäische Magistrale pocht OB-Kuhn auf das Weitermachen, ist sogar verärgert darüber, dass der Rechnungshof das Projekt kritisiert.

„Es geht nicht, dass man eine Ballettschule von internationalem Rang mit dem Bau eines normalen Gymnasiums verglichen wird.“

„Wir zählen weltweit zu den Top-5-Ballettstädten. Die John-Cranko-Schule bildet mit dem Internat das Rückgrat.“

Beide Zitate OB-Kuhn aus dem schwäbischen Tagblatt.

Der Autor des Artikels im Tagblatt kommt zu dem Schluß, dass die Schule wahrscheinlich doch wie geplant gebaut wird. Man läuft also wieder – wie bei S21 – sehenden Auges in das Chaos hinein und winkt eine Kostensteigerung nach der anderen durch, opfert dabei wieder einmal nur zu Prestigezwecken ein denkmalgeschütztes Gebäude und bezeichnet dies als notwendigen Kollateralschaden. Und die äußerst wichtige Luftschneise zum Gebhard-Müller-Platz und zum HBF würde mit diesem Gebäude auch wegfallen. Nachdem bereits auf der anderen Seite mit dem Neubau der IHK-Gebäudes eine wichtige Luftschneise wegfällt, rücken die Ziele der Luftverbesserung im Talkessel damit erneut in weite Ferne.

Aber es gibt doch einen Unterschied zu S21. Eine neue Ballettakademie zu bauen wäre sicher sinnvoller als einen neuen Bahnhof zu bauen. Aber auch hier gilt: Kostentransparenz und Beteiligung der Anwohner VOR Projektstart und nicht irgendwann danach. Aber den Fehler zuzugeben und alles auf Null zurückzusetzen um neu zu planen geht der Politik und der Stadtverwaltung gegen die Ehre. Da macht man lieber weiter wie geplant.

Ergänzung am 1.8.2013: gerade in den letzten Tagen spürt man die Folgen dieser Baupolitik (Nachverdichtung, Bebauung von ehemaligen Grünflächen und Fällen von Innenstadtbäumen) wieder einmal deutlich am eigenen Leib. Um das Klima im Talkessel zu verbessern sollten Bäume gepflanzt werden und nicht gefällt. Bäume spenden Schatten, sorgen mit der Verdunstung von Wasser für ein angenehm kühles Klima und sie filtern Staub und Luftschadstoffe aus der Umgebungsluft. Unser Ziel sollte also sein, die Innenstadt zu vergrünen und nicht den Wohnraum zu verdichten! Leider stehen Bäume aber den Interessen der Gewinnmaximierung und der schnellen Rendite im Weg.