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Der Krieg der Einkaufszentren Teil 10


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Im Stadtgebiet gibt es seit einigen Jahren tausende Quadratmeter, die zur Bebauung freigegeben sind oder teilweise schon bebaut sind: Das alte Güterbahnhofareal hinter dem Hauptbahnhof, das alte Güterbahnhofareal in Bad Cannstatt, die alte Messe auf dem Killesberg und ein Teilbereich des inneren Nordbahnhofs um nur einige Beispiele zu nennen. Dies hat natürlich Begehrlichkeiten geweckt, jeder Investor, jeder Bauunternehmer will der Erste sein und ein Stück von diesem Milliarden-schweren Kuchen abgreifen – und wenn es nur ein Krümel ist.

Gerüchteweise war ein großes Möbelhaus einige Zeit als Mieter am Hauptbahnhof im Zentrum im Gespräch. Dies wurde aber schnell wegen der hohen Mieten und wegen der stauanfälligen Straßen verworfen. Aber bereits im Jahr 2010 zeigte sich dieser Möbelvermarkter am Neckarpark interessiert. Aufgrund des „Beigeschäfts“ aus Haushaltswaren, Bettwäsche, Gardinen und Dekoartikeln und anderen sogenannten innenstadtrelevanten Artikeln wurde dies bisher aber vom Gemeinderat abgelehnt. Im März dieses Jahres war dieses Möbelgeschäft in der Stadt „nicht willkommen„. Jetzt will man wieder miteinander reden, das innenstadtrelevante Sortiment bleibt aber ein Knackpunkt. Gesucht wird ein Standort im südöstlichen Bereich an der Bundesstraße B10. Eine Karte hier im Artikel zeigt die  großen Häuser der Region.

In einem ähnlichen Fall im Westen dreht es sich auch um zentrenrelevante Artikel, nämlich Lampen, Bilder und -rahmen, und ebenfalls Gardinen und Wäsche für den Haushalt. Der Baumarkt im Gewerbegebiet Hinterer Vogelsang/ Unter dem Birkenkopf wollte im Jahr 2011 eine weitere 800 qm große Halle bauen und das Sortiment vergrößern (Fläche dann insgesamt 1800 qm), allerdings vor allem mit Artikeln für Großverbraucher und Handwerker wie Farben, Putze und Baustoffen. Endverbraucher waren hier weniger die Zielgruppe. Die Bauvoranfrage ging dann im Jahr 2012 aber nicht vom Grundstückspächter, dem Baumarkt, ein, sondern vom Grundstückseigentümer. Diese Voranfrage wurde positiv beschieden.

Bei der Bearbeitung des nachfolgenden Bauantrags fiel dann allerdings auf, dass das Sortiment Artikel enthielt, die für einen großen Endverbrauchermarkt typisch sind. Weiterhin sollte dieser Markt jetzt 5000 qm groß sein. (Anm.: Aus den beiden Artikeln geht nicht hervor ob der Bauantrag genehmigt ist oder nicht. Am 23.10. schreibt die Autorin, dass die Prüfung ausgesetzt ist. Am 18.10. hat ein anderer Autor noch von einer Genehmigung geschrieben.) Auch hier ist das zentrumsrelevante Sortiment wieder der Knackpunkt.

Beide Fälle zeigen aber deutlich, dass die großen Fachmärkte in die (Innen-) Städte drängen. Große Warenhäuser, Modehäuser und Elektrofachmärkte sind ja bereits seit vielen Jahren in den Innenstädten beheimatet. Die großen Möbelhäuser und Baumärkte waren aber bisher meistens auf der grünen Wiese zu finden. Dort sind die Grundstückspreise günstig – so günstig, dass man mehrere 10.000 qm Verkaufsfläche inklusive Parkplätzen für weit mehr als 1000 Kunden belegen kann (siehe die Karte hier im Artikel). Und diese Märkte sind zumeist komplett auf das Auto ausgerichtet, Verbindungen mit dem ÖPNV sind eher schlecht.

Der Umsatz im Einzelhandel in der Region Stuttgart beträgt nach Auskunft der IHK in Böblingen 14 Milliarden Euro pro Jahr. Deswegen suchen die großen Möbel- und Heimwerkemärkte, aber auch große Fachgeschäfte für Sportartikel, verstärkt nach Standorten in der Stadt, in der Nähe von großen Wohngebieten, zum Beispiel der große Baumarkt zwischen Unter- und Obertürkheim oder im Feuerbacher Roserareal. Das große Sportfachgeschäft in Esslingen und der große Möbelmarkt in Esslingen, jeweils am Rande eines Wohngebiets, sind weitere Beispiele. Diese Geschäfte sind nach Auskunft einer Unternehmensberatung in der Landeshauptstadt unterrepräsentiert. Sie bilden dabei nicht nur eine Konkurrenz zur Wohnbebauung, da auch viele neue Bewohner in die Städte drängen und Wohnraum suchen, so der Experte der Unternehmensberatung. Auch die kleinen Geschäfte und traditionellen Fachmäkrte in den Vierteln haben darunter zu leiden.

Auch hier will also jeder der Erste sein um einen möglichst großen Krümel zu ergattern. Der Boden der Städte ist heiß umkämpft.

Krieg der Einkaufszentren Teil 9


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Milaneo und Gerber sind bereits vor Eröffnung im Herbst 2014 zu 80% vermietet. Damit liegen diese beiden neuen Einkaufszentren gut im Vergleich zu anderen Projekten, so der Sprecher von ECE.

Wer die Mieter sind wird allerdings nicht verraten, denn die zukünftigen Kunden sollen ja am Tag der Eröffnung kommen und sich alles angucken.

Die Frage, wie die umliegenden Geschäfte vor allem Bereich der Tübinger Straße und den angrenzenden Querstraßen darauf reagieren werden. Werden diese Geschäfte von dem neuen Einkaufszentrum profitieren, so wie die Projektentwickler behaupten? Einkaufszentren werden so gebaut, dass man als Kunde leicht hineinfindet und dann möglichst lange dort verweilt (mit großem Parkhaus, mit Geschäften aller Art, mit Vergnügungsangeboten für die ganze Familie, Fressläden – oder neudeutsch Food Lounge). Eine Beziehung zu der Umgebung ist garnicht gewünscht, denn daran verdient der Eigentümer des Einkaufszentrums ja nichts.

Ein durchaus kritischer Bericht der StZ dazu:

Reinboth nennt es einen „Skandal, wie die Schuster-Clique seinerzeit beide Projekte im Gemeinderat durchgeboxt hat“. Und das, obwohl man bereits 2008 verlässliche Fakten über ein gesundes Wachstum des Einzelhandels gehabt habe. Im sogenannten Acocella-Gutachten wurde der mittelfristige Bedarf in der Stadt mit 230 000 m² Verkaufsfläche im Stadtbezirk Mitte angegeben. „Es wurde daher dringend davon abgeraten, neue Verkaufsflächen zu schaffen. Auch ein zweites Gutachten der Firma Prognos kam zu dieser Einschätzung“, sagt Reinboth, „erst ein drittes Gutachten im Auftrag der Wirtschaftsförderung kam zu anderen Ergebnissen.“

Der Krieg der Einkaufszentren Teil 8


Die Einkaufspassagen im Königsbau leiden seit einigen Jahren unter schwindenden Kundenzahlen, vor allem die Geschäfte in den oberen Stockwerken lockten zuletzt immer weniger Kunden an und wurden deswegen nach und nach geschlossen. Zeitweise beheimatete der Königsbau sogar ein Spielzeugmuseum als Übergangsmieter damit die Räume nicht ungenutzt leerstehen.

Jetzt soll eine sogenannte „Food-Lounge“ wieder frischen Wind in den Königsbau bringen und diesen von anderen Einkaufszentren abheben. 13 Gastronomen verteilt auf 1200 Quadratmeter im zweiten Stock.

Interview der StZ mit dem Manager Langsdorff

Von einer ganz anderen Front berichtet die Blockadegruppe: die Manteltarifverträge der Beschäftigten im Einzelhandel wurden von den Arbeitgebern gekündigt, sie verlangen die Einführung von Billiglohngruppen zur Senkung der Lohnkosten. ver.di fordert dagegen eine Lohnerhöhung für die Beschäftigten. In dieser Auseinandersetzung sind die Verkäufer/innen auf breite Unterstützung angewiesen und diese erhielten sie unter anderem auch von der Blockadegruppe.

Die Blockadegruppe weist auch auf den noch stärkeren Kostendruck für den Einzelhandel hin, der entsteht wenn das Dorotheenquartier, das Milaneo und das Gerber fertig gebaut sind. Dann stehen weitere fast 80.000 qm für die Kunden bereit und die die Betreiber der Geschäfte müssen noch mehr um Kunden buhlen. Das ginge in vielen Fällen auch zu Lasten der Beschäftigten, die in prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeiten müssen.

Bericht der Blockadegruppe die zur Unterstützung der streikenden Verkäufer/innen einiger Geschäfte auf der Königstraße am 2.8.2013 eine Aktion gemacht haben.

Der Krieg der Einkaufszentren Teil 7


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Welche Auswirkungen ein neues EInkaufszentrum auf die Umgebung haben kann, kann man derzeit zum Beispiel am Killesberg beobachten.

Gegen Ende des letzten Jahres feierten die Betreiber der Killesberghöhe große Eröffnung. Die Ladenbesitzer rund um die Brenzkirche (Landenberger- und Birkenwaldstraße und Am Kochenhof) hatten dagegen nicht so viel zu lachen. Einige Geschäfte haben bereits geschlossen, andere haben damit zu kämpfen, dass sie nicht so deutlich wahrgenommen werden wie der Platzhirsch Killesberghöhe mit seinen 320 Parkplätzen in der Tiefgarage. Während die Bankfiliale an der Ecke Birkenwaldstraße und Am Kochenhof sich den Umzug und die neuen Mieten in der Killesberghöhe noch leisten konnte, haben andere Ladenbesitzer wie das Hörgerätestudio aufgegeben.

Mit den Auswirkungen eines neuen Einkaufszentrums auf die Umgebung beschäftigt sich auch die Stuttgarter Nachrichten. Allerdings kommt dieser doch recht scharfe Bericht zu spät. Ex-OB Schuster hat diese beiden Projekte seinerzeit noch durchgewunken und dafür gesorgt, dass beispielsweise das Milaneo eine Reihe an zusätzlichen Parkplätzen bekommt. Heinz Reinboth, Vorsitzender der IG Königstraße, nennt es einen „Skandal, wie die Schuster-Clique seinerzeit beide Projekte im Gemeinderat durchgeboxt hat“.

Derzeit gibt es zwei Gutachten, die feststellen, dass die zukünftig zur Verfügung stehende Einkaufsfläche zu groß ist und keine neuen Flächen geschaffen werden sollten, die eingesessenen Einzelhändler müssen von 12% Umsatzeinbußen ausgehen. Ein Gegengutachten, das von einem Beratungsunternehmen erstellt wurde, geht dagegen nur von 5% Einbußen aus (siehe Artikel der StN oben). Die einzelnen Lobby-Verbände des Einzelshandels werden dabei nicht müde zu betonen, dass sie nicht nur ein Einkaufszentrum entwickeln wollen sondern ein ganzes Viertel und dass sie erwarten, dass die Stadt die Fußgängerwege saniert und ein neues Leitsystem für Fußgänger aufbaut. Wie man allerdings bei einem großen überdachten Einkaufszentrum mit angebautem Parkhaus erwarten kann, dass die Kunden auch die Umgebung des Zentrums besuchen wird nicht erklärt. Schließlich sind die Zentren so gebaut, dass man als Kunde zwar den Weg hinein aber nicht wieder hinaus findet. Innen drin ist für jedes leibliche Wohl gesorgt, von Asiatisch bis Gut bürgerlich und es gibt alles zu kaufen, was man so braucht.

Auf der anderen Seite ist man jetzt bemüht mit Mobilitätskonzepten die Kunden dazu zu bewegen eben doch nicht mit dem Auto zum Milaneo zu fahren. Dazu werden unter anderem 880 Fahrradstellplätze gebaut, ein Teil der Parkplätze wird für „Car-Sharing-“ Anbieter reserviert und eine Ladestation für Elektrofahrzeuge wird eingerichtet. Umliegende Büros sollen auch die Möglichkeit bekommen, Parkplätze für ihre Angestellten zu mieten. Stuttgarter Zeitung 1 und Stuttgarter Zeitung 2.

Übrigens, gleich gegenüber vom Milaneo tut sich schon die nächste Großbaustelle auf. Das Bürgerhospital soll in ein neues Gebäude ziehen, die ehemalige Mercedesfiliale an der Heilbronner Straße und das AWS-Gelände (Mönchhalden-, Türlen-,Tunzhofer- und Wolframstraße) soll entwickelt werden wie es so schön im Gentrifizierungs-Sprech heißt. 600 Wohnungen und Büros sind in diesem Bereich geplant. Eine breite Straße und ein neues Einkaufszentrum direkt vor der Tür wären dann schon da. Die Politik verkauft das als städtebauliche Chance, ebenfalls neudeutsches Gentrifizierungs-Sprech.

Darüber hinaus kommen gute Nachrichten von der Calwer Passage. Sie steht jetzt unter Denkmalschutz und wurde an einen Investor verkauft, der sie wieder entwickeln will. Siehe Stuttgarter Nachrichten

Der Krieg der Einkaufszentren Teil 6


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Der Krieg der Einkaufszentren geht in eine neue Runde, diesmal scheinen sich die Fronten – zumindest teilweise – gegen ECE zu stellen.

Das Regierungspräsidium hat die Erweiterungspläne des Breuningerland in Sindelfingen gekippt, die Allianz aus Böblingen und einigen Nachbarstädten erwägt zu klagen, falls das Breuningerland die Erweiterung von fast 10.000 qm genehmigt bekommt.

Die Sanierung des schmuddeligen, in die Jahre gekommenen Marstall-Centers in Ludwigsburg – ebenfalls durch ECE – rückt derzeit auch etwas nach hinten. Zuerst haben selbst die Einzelhändler in Ludwigsburg zugestimmt, aber jetzt gibt es – ebenso wie in Sindelfingen – eine breite Front an Nachbarstädten, die eine Klage erwägen, darunter Bietigheim-Bissingen. Geködert wurde Ludwigsburg mir der Sanierung der Wohnungen, die zu dem Marstall-Center gehören und für Ludwigsburg und das Viertel eine wichtige Zahl an Anwohnern bieten. Als Gegenleistung für die Sanierung darf ECE das Breuningerland in Ludwigsburg um 4000 bis 5000 qm erweitern. So würden beide Seiten profitieren.

Unterdessen ist das 43.000 qm große Milaneo für den Mipin-Award nominiert worden und könnte bald den Titel Best Future Mega Projekt tragen, eine internationale Auszeichnung für technisch und architektonisch herausragende Bauprojekte. OB-Schuster zumindest war begeistert, so begeistert, dass er der ECE weitere 1000 Auto-Parkplätze genehmigte.

Zahlen der IHK zufolge hat Stuttgart Entwicklungspotential. Die aktuelle Zentralitätskennziffer liegt „nur“  bei 123, die von Sindelfingen bei 145. Die Zentralitätskennziffer sagt aus, auf welchem Niveau die Einzelhandelsumsätze im Vergleich zu den Einkommensverhältnissen der Einwohner liegen. 100 ist das ausschließlich mit den Einwohnern zu erreichende Niveau; 125 bedeutet, dass dieses Niveau um 25% übertroffen wird und zwar mit Kunden aus dem Umland. In die gleiche Kerbe schlägt „Standort“, „Das Immobilienmagazin für Stuttgart und die Metropolregion“, das vor einigen Tagen den Stuttgarter Zeitungen beigelegt war. Allein der Titel des Magazins sagt schon aus, in welchen Dimensionen hier gedacht wird. Auszug aus einem Interview mit Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands BW, veröffentlicht in Standort 1/13:

Frage: Frau Hagmann, BW und die Region Stuttgart sind im bundesweiten Vergleich mit Shoppimg-Centern noch unterversorgt. Wie viele zusätzliche Center vertragen Land und Region?

Antwort Frau Hagmann: Nicht mehr viele! […] Aufbruchstimmung auf der einen bedeutet immer Katerstimmung auf der anderen Seite. Fakt ist, die Umsätze stagnieren seit Jahren. Durch Neuansiedlungen kommt es also in der Regel nur zu Umverteilungen. […]

Das bedeutet, dass einerseits die Einsicht eingetreten ist, dass der Neubau von Geschäften immer nur zu Umverteilungen führt, denn der Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Andererseits dürfen wir uns aber weiterhin auf Neubauten von Einkaufszentren freuen. Je größer, umso besser, umso mehr Kunden werden angezogen. Den familiengeführten Geschäften in der Umgebung werden die Kunden entzogen – aber das stört die Betreiber der Einkaufszentren ja nicht. Schöne neue Shopping-Welt.

Quelle

Der Krieg der Einkaufszentren Teil 5


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Das Wirtschaftsmagazin PlusMinus des SWR hat sich in seiner Sendung vom 23.01.2013 mit dem Thema Einkaufszentren und der Frage, ob diese die Innenstädte beleben, beschäftigt. Die Bauer und Betreiber dieser Einrichtungen beteuern, dass ihre Zentren die Innenstädte beleben. Vor allem kleinere Städte haben heute zumeist verwahrloste Innenstädte. Da kommt ein Investor wie die ECE aus Hamburg, die zum Otto-Imperium gehört, oftmals gerade recht. Und es ist ja auch der letzte Strohhalm, an den sich die Bürgermeister klammern können. Sie befinden sich in einem Teufelskreis, sinkende Umsätze in den Geschäften, die Inhaber geben auf und schließen und die Bürger fahren – wenn sie nicht sogar ganz wegziehen – mit dem Auto in die benachbarte Großstadt um dort einzukaufen. Zurück bleiben nur noch Billigläden, die Plastikramsch für 1 Euro verkaufen, Wettbüros, Spielcasinos und Kneipen, in die man sich als Anwohner oder Passant noch nicht einmal tagsüber hinein traut. Dann verkommt das ganze Viertel und am Ende steht der Projektmanager der ECE vor der Tür und verspricht das Blaue vom Himmel. Die Stadt empfängt ihn wie einen Heilsbringer. Den Weg für den Investor bereitet oftmals die Stiftung „Lebendige Stadt„, die zweifelnde Bürgermeister von den wohlwollenden Absichten des Investors überzeugen soll. Wenn man die Stiftungsräte von Lebendige Stadt unter die Lupe nimmt, wird man feststellen, dass dort viele Politiker sitzen, diese sollen über ihre Kontakte die amtierenden Bürgermeister und Stadträte bearbeiten. Es sitzen dagegen keine Stadtplaner und auch keine Architekten im Stiftungsrat, die wirklich Auskunft geben könnten über Projekte.

Bis vor ein paar Jahren noch wurden Einkaufszentren auf der grünen Wiese geplant. Dieses Feld scheint aber abgegrast zu sein, denn jetzt zieht es die Betreiber in die Städte, oftmals sogar auf besonders lukrativen Einkaufsstraßen. Aber die Einkaufszentren sind so geplant, dass man als Kunde zwar rein aber nur sehr schwer wieder herausfindet. Es gibt verlockende Leuchtreklame und bunte Hinweisschilder außen, die den Weg hinein weisen aber wenige Ausgänge, dafür aber einen geräumigem und extra großen, hell erleuchteten Parkplatz, besser noch ein an das Zentrum baulich angeschlossenes Parkhaus, damit der Kunde trocken und direkt zu seinem Einkaufsvergnügen kommt. Und innen drin gibt es dann alles, was das Herz begehrt. Und nach dem Einkauf noch einen Happen essen und ein Kaffee dazu? Kein Problem, Fressbuden gibt es genug, von asiatisch bis gut bürgerlich. Dann wieder in das Auto und ab nach Hause. Die um das Zentrum herum liegenden Geschäfte sehen von den Kunden zumeist wenig. Da der Zentrumsbetreiber an den Umsätzen der Geschäfte im Zentrum beteiligt ist hat er auch wenig Interesse die Kunden in die umliegenden Geschäfte gehen zu lassen.

Quelle: PlusMinus, LobbyControl, und LobbyPedia

Ob der Niedergang der Geschäfte und der Stadtviertel den Bau der Einkaufszentren gegünstigt oder ob die Einkaufszentren Schuld haben am Niedergang lässt sich letztendlich nicht genau sagen. Wir als Kunde sind aber definitiv an dieser Entwicklung beteiligt und mitschuldig. Wenn wir unser Geld in diese Einkaufszentren tragen dürfen wir uns letztendlich über nichts wundern. In vielen Städten ist die Entwicklung inzwischen schon soweit fortgeschritten, dass die Kunden gar keine andere Wahl mehr haben. Aber wer steht am Ende dieser „Nahrungskette“? Das Einkaufszentrum scheint der weiße Hai zu sein, der keine Feinde mehr hat. Wie wird sich das Einkaufen im Internet entwickeln? Könnte es das Gift sein, dass die Haifischsuppe versalzt? Wie werden sich die kleinen Geschäftsinhaber verhalten? Letztendlich haben wir die Suppe auszulöffeln. Wir entscheiden mit unserem Geld, wie diese Suppe schmeckt.

Der Krieg der Einkaufszentren Teil 4


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Gerhard Sauter hat 40 Jahre lang bei Hertie und Harstadt gearbeitet und hat sein Berufsleben jetzt aufgeschrieben. Er stellt schlechte Prognosen für den Stuttgarter Einzelhandel aus und da ist das Wort „Krieg“ durchaus angebracht. Seiner Einschätzung nach wird es zu einem ruinösen Kampf um den Kunden kommen, auf Dauer werden darunter einige der Einkaufszentren schließen müssen. Er sieht keine Zukunft für Karstadt auf der Hohen Straße und den zweiten Kaufhof in der Eberhardstraße. Auch das derzeit in Bau befindliche Milaneo wird es schwer haben, denn abgeschnitten von dem Rest der Innenstadt werden nur wenige Kunden ihren Weg dorthin finden.

Der immense Flächenzuwachs durch Breuninger, Gerber und Milaneo wird seiner Ansicht nach dazu führen, dass anderswo Geschäfte schließen müssen. Neue Bewohner und damit potenzielle Kunden ziehen nicht in die Stadt, das verhindert der Mangel an Wohnungen.

Der vollständige Artikel ist hier.

Vielen Dank an Jan und Rudolf für die Hinweise!

Der Krieg der Einkaufszentren Teil III


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Die großen Mitspieler in diesem Krieg sind natürlich die Betreiber der Einkaufszentren. Es gibt aber auch noch andere Parteien, dazu gehört unter anderem auch die CIS, City-Initiative Stuttgart mit ihrem Geschäftsführer Hans H. Pfeifer. Die City-Initiative ist ein Lobby-Verein der Stuttgarter Einzelhändler, wenn man sich die Mitgliederliste der CIS anschaut, dann wird man aber feststellen, dass „nur etwa ein Drittel alteingesessene Einzelhändler“ (Kontext) sind. Der Rest besteht aus „großes Kapital und renditeorientierter Kommerz („starke Wirtschaftspartner“, laut Pfeifer), darunter auch potente Investoren, deren millionenschwere Projekte im Stuttgarter Talkessel den Segen des Gemeinderats benötigen.

So ist die Phoenix Real Estate Development GmbH ein in Immobilienkreisen sehr bekanntes CIS-Mitglied. Nach verschiedenen Projekten im näheren Umfeld der Einkaufsmeile Königstraße realisieren die Frankfurter derzeit im Auftrag eines weiteren CIS-Mitglieds, nämlich der Württembergischen Lebensversicherung AG, das neue Stadtquartier Gerber. 250 Millionen Euro kostet das Shopping-, Büro- und Wohncenter, das am südwestlichen Rand der Innenstadt einen ganzen Quartiersblock umkrempelt. Dass die wichtigsten Weichen für das Gerber schon vor Pfeifers Ratswahl gestellt wurden, mag als Entlastung von einem Befangenheitsvorwurf gelten (Kontext).

Weiter in Kontext: Doch mit dem Dorotheen-Quartier steht aktuell ein weiteres innerstädtisches Megaprojekt auf der Agenda des derzeitigen Gemeinderats. Rund 200 Millionen Euro will das traditionsreiche Handelsunternehmen Breuninger hinter seinem Stammhaus am Karlsplatz in das neue Quartier verbauen. In der Vorplanungsphase gelang es den Räten nur mit Mühe, den Flächenhunger des Unternehmens von 49.000 auf stadtbildverträglichere 38.000 Quadratmeter zu zügeln. Dabei kann Pfeifer beim Dorotheen-Quartier eigentlich nur schwer eine unbefangene Figur machen, wird hinter vorgehaltener Hand im Rathaus getuschelt. Denn Breuninger gilt als eines der einflussreichsten CIS-Mitglieder. Auf der Homepage der Initiative wird das Handelshaus als Sponsor geführt, Breuningers „Sonderbeauftragter“ Helmuth H. Bohnenstengel ist stellvertretender CIS-Vorstand. Pfeifer sagt: „Ich weiß nicht, wo Sie da einen Zusammenhang herstellen.“ Er halte sich ja immer da raus, wo man eine „offensichtliche Liaison herstellen könnte“. Aus der grünen Ratsfraktion heißt es schon fast entschuldigend: „Es erschwert eben die Zusammenarbeit, würde man dem Pfeifer etwas sagen.“ 

Kuschen und wegducken, das scheint die neue grüne Strategie zu sein.

Weiter in Kontext:

Dabei gebe es Gelegenheit genug, mit deutlichen Worten den Genossen Pfeifer an einen Grundsatz korruptionsfreier Politik zu erinnern, nämlich als Amtsträger schon von vornherein jeglichen Anschein von Befangenheit zu vermeiden. Denn zur City-Initiative gehören auch Stadtmöblierer wie Klett-Decaux und Stöer Deutsche Städte Medien, die sich vor kurzem vor dem Gemeinderat einen heftigen Bieterwettkampf um die Aufstellung von Werbetafeln auf städtischem Grund lieferten. Mit Banken, Immobiliengesellschaften und Parkhausbetreibern stehen weitere Unternehmen im CIS-Register, deren Geschäfte auch immer wieder im Stadtrat zur Sprache kommen. 

Weiter in Kontext: Interessenskonflikte sind für Pfeifer auch programmiert bei der künftigen Energie- und Wasserversorgung der Landeshauptstadt, die durch Gründung eigener Stadtwerke zumindest teilweise wieder in kommunale Hände gelangen soll: Beim Poker um die lukrativen Versorgungsnetze sitzt das CIS-Mitglied EnBW mit am Tisch, Pfeifer selbst vertritt die SPD im Stadtwerke-Aufsichtsrat. Pfeifer: „Ach du lieber Himmel.“ Das sei übrigens ironisch gemeint. Nein, da sehe er kein Problem. 

Die CIS steht nicht nur für eine fragwürde Verquickung von Managerposten und Mandatsträger, sondern auch für eigenartige Verflechtungen zwischen Stadt und Privatwirtschaft. So ist nicht nur die Landeshauptstadt ein CIS-Mitglied, auch städtische Eigenbetriebe wie die Abfallwirtschaft (AWS) und Märkte Stuttgart sowie das städtische Tochterunternehmen Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) sind als Mitglieder gelistet. Deren Mitgliedsbeiträge tragen dazu bei, dass die städtische Finanzierung des Vereins tatsächlich höher als der offizielle städtische Förderbetrag von 90.500 Euro ist. 

Auch juristisch bewegt sich Hans H. Pfeifer auf schlüpfrigem Terrain. Da er als Ratsmitglied die Interessen der Stadt zu vertreten hat und als CIS-Geschäftsführer die Interessen seiner Mitglieder, stellte der Reporter von Kontext die Frage nach einem Interessenskonflikt. Herr Pfeifer sieht da kein Problem.

Weiterhin sind die DB Regio und das Turmforum mit der S21-Ausstellung zahlende Mitglieder in der CIS. Als Citymanager mahnt er regelmäßig, dass die ständigen Demos (der Parkschützer) gegen das unterirdische Milliardenprojekt nicht nur den Verkehr, sondern auch die Handelsumsätze zum Erliegen bringen. Pfeifer ging gar soweit, den Protest als Gefahr für den Wirtschaftsstandort zu geißeln. Was wiederum die beiden Stuttgarter Tageszeitungen gern abdruckten, die – wen wundert?s – ebenfalls in der CIS engagiert sind. Doch als zuletzt im Zuge der S-21-Bauarbeiten Intercitys entgleisten, Fernzüge tagelang um Stuttgart herumfuhren, das gesamte S-Bahn-System aus dem Takt geriet und Pendler wie Besucher oft nur auf zeitraubenden Umwegen in die Einkaufs- und Erlebnisstadt Stuttgart kamen – dazu schweigt der doppelte Pfeifer eisern.

Damit kann vermutet werden, dass Herr Pfeifer auch ein vehementer Unterstützer des Rosensteintunnels ist. Nur aus welcher Sicht, als CIS-Geschäftsführer oder als Stadtrat?

Quelle: Kontext Wochenzeitung vom 2.1.2013

Der Krieg der Einkaufszentren Teil II


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Inzwischen hat Sindelfingen dem Breuningerland den fast 10.000 qm großen Anbau genehmigt, mit dem das Einkaufszentrum dann 42.000 qm groß sein wird. Böblingen will sich das aber nicht bieten lassen und befürchtet, dass weitere Kunden aus Böblingen und Umland vom Breuningerland abgezogen werden. Dabei hatte man doch so schön geplant, das neue Einkaufszentrum am Böblinger Busbahnhof sollte die Innenstadt wieder beleben und neue Käufer anziehen. Gegen die Sindelfinger Pläne will der Böblinger Gemeinderat deswegen vorgehen. Es soll ein Gutachten erstellt werden, 20.000 Euro wurden dafür zur Verfügung gestellt. Weitere gerichtliche Schritte sind in Planung.

Die angestrebte Städtefusion ist damit wohl in weite Ferne gerückt.

Quelle

Der Krieg der Einkaufszentren


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Was sich wie der Titel eines bekannten Buches anhört ist in Wahrheit ein Krieg, der auf deutschen Einkaufsstraßen ausgetragen wird. Einer der größten Akteure dabei: die ECE des hamburger Millionärs, Unternehmers und Versandhauseigentümers Otto. ECE macht 19 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Sie baut derzeit das Milaneo hier in Stuttgart auf dem Gelände des Güterbahnhofs in bester Innenstadtlage. Das Milaneo hat 43.000 qm Verkaufsfläche für ca. 200 Geschäfte.

Das neue Gerber an der Paulinenbrücke, das von Phönix auf der anderen Seite der Innenstadt gebaut wird, wird im Vergleich zum Milaneo deutlich kleiner ausfallen, nämlich nur 25.000 qm für ca. 75 Geschäfte. Beide Baustellen wurden bereits begonnen.

Noch nicht begonnen wurde der Abriss des alten Innenministeriums am Karlsplatz um Platz zu machen für das Dorotheenquartier. Das Doro wird etwa 38.000 qm Verkaufsfläche bieten und liegt genau mittig zwischen Milaneo und Gerber. Der Investor Breuninger und der Vorstand Willem G. van Agtmael sehen das Dorotheenquartier als Magnet, um weiterhin Kunden in die Innenstadt zu ziehen. Mit anderen Worten: Um nicht im Strudel der Einkaufszentren unterzugehen musste als Ausgleich oder Gegengewicht ein weiteres Einkaufszentrum in der Innenstadt errichtet werden. Allerdings musste nach massiver Kritik der Politik und nach Protesten von Bürgerinitiativen hier  abgespeckt werden, der Hotel Silber genannte Gebäudeteil des Innenministeriums darf jetzt nicht mehr abgerissen werden und wird unter anderem in einer Gedenkstätte umgewandelt.

Damit erhöht sich die Gesamtverkaufsflächenzahl der Innenstadt auf insgesamt 1 Millionen Quadratmeter.

„Alle klassischen Einkaufslagen werden gestärkt durch den Zuzug von außen, vom Nachfrageüberhang auf die Königstraße profitieren auch die Nebenlagen“,

sagt Jürgen Track vom Grundstücksvermittler Colliers Bräutigam & Krämer. Wie ernst man diese Aussage nehmen kann ergibt sich aus der Tatsache, dass Colliers B & K selbst Grundstücke in Einkaufsstraßen anbietet, entwickelt und verkauft, auch in Stuttgart. Sie analysieren sich ihren eigenen Markt, bestärken so den Zuzug von neuen Geschäften und profitieren somit davon.

Welche Konsequenzen so ein Krieg der Einkaufszentren auf andere Geschäfte hat kann man derzeit in Böblingen beobachten. Jahrelang schloßen dort in der Innenstadt die Geschäfte. Elsässer, Biene, Karstadt, alle sind weg. Weg sind auch die großen Veranstalter. In den Jahren 1981, 85, 97, 99, 2001 und 2003 wurde in Böblingen die Sendung Wetten, dass…? aufgezeichnet. Auch die Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ hat hier gastiert. Böblingen war jahrelang Einkaufsstadt für die ganze Region. Jetzt fährt man eher in die benachbarte Mode-City Sindelfingen, die mit IKEA ein großes Möbelhaus und mit Breunigerland und Stern Center zwei Einkaufszentren anbietet.

Jetzt baut die HKM aus Bergisch Gladbach in Böblingen am Busbahnhof ein großes Einkaufszentrum, das Mercaden genannt wird. Es soll 24.400 qm haben und damit in etwa so groß sein wie unser Gerber. Der Investor glaubt, dass Böblingen

„eine attraktive Stadt mit hoher Kaufkraft und großem Einzugsgebiet“(Quelle: Ausgabe 11/2012 Lift Seite 25)

sei und sich sein Einkaufszentrum somit positiv auswirken wird. Es schafft 600 Arbeitsplätze, 60% seien bereits vermietet.

Das Sindelfinger Breunigerland will sich natürlich die einmal eroberte Butter nicht wieder vom Brot kratzen lassen, sprich: die Kunden sollen in Sindelfingen bleiben. Deshalb plant das Breuningerland einen Erweiterungsbau von knapp 10.000 qm, bei derzeit schon 32.600 qm auf dann insgesamt ca. 43.000 qm. Damit wäre das Breuningerland dann genauso groß wie unser Milaneo. Bislang hat der Sindelfinger Gemeinderat den Erweiterungsbau allerdings nicht genehmigt, aus Angst um die eigene Innenstadt.