Schlagwort-Archive: Ökonomisierung der Stadt

Parkraummanagement: Eine Bilanz


Seit dem 1. Juni gilt das sogenannte Parkraummanagement auch in weiten Teilen von Stuttgart Ost und Mitte.

Normalerweise sind 3 Wochen kein Zeitraum um ein Fazit zu ziehen. Das wird gewöhnlich nach 100 Tagen oder 1 Jahr gezogen. Da das Parkraummanagement aber bereits seit Jahren in Stuttgart West ausprobiert wurde und etabliert ist, kann davon ausgegangen werden, dass die Autofahrer in Ost und Mitte genauso reagieren wie die in West. Weiterlesen

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Peinlicher Auftritt


Von Critical Mass Stuttgart

Der lange erwartete Besuch (der November Termin wurde abgesagt) von Fritz Kuhn Stuttgart beim Radforum fand gestern bei der Plenarsitzung des Stuttgarter Radforums im Rathaus statt. Und um es gleich vorweg zu nehmen – der Besuch war mehr als enttäuschend und fast peinlich für einen Grünen Politiker.

Inhaltlich gab es nichts Neues, deshalb in Kürze der rein formale Umgang des OB mit dem Radforum.

Die einleitende Rede des OB brachte wie gesagt keinen neuen Erkenntnisse (Feinstaub, wichtiger Wirtschaftsstandort der Autoindustrie, warum kein Tempo 30, usw.). Er endete seine Rede mit dem Hinweis, dass er für den weiteren Verlauf nur noch eine Stunde Zeit habe. Nach der Rede hatten Bürger/innen kurz die Möglichkeit Fragen zu stellen. Von preussischen Radlerurgestein Pipiorke fühlte sich Kuhn gar persönlich angegriffen. Und reagierte wenig souverän.

Einen wirklichen Schlag ins Gesicht verpasste Kuhn dann aber den vielen ehrenamtlich engagierten Radgruppen des Radforums, die sehr ausführliche Präsentationen ihrer Arbeit vorbereitet hatten. Er hatte ja schlicht keine Zeit, sich diese ausführlich anzuschauen. Und so mussten die Sprecher der einzelnen Gruppen durch ihre Präsentationen hetzen.

Das führt zu der Frage, meint es Kuhn wirklich Ernst mit den 20% mehr Fahrradanteil am Gesamtverkehr in Stuttgart? Geht man den so mit den engagierten Fahrradenthusiasten um, die ihre Freizeit dafür opfern und die Fahrradmobilität mit all den wichtigen Facetten voran bringen wollen?

Der Eindruck der bleibt war ein sehr ernüchternder. Von Seiten der Verwaltung wird es für Radmobilität keine Unterstützung geben (außer des Status Quo – hoffentlich!). Es bleibt alles beim alten. Keine Aufbruchstimmung, kein Neuanfang. Nein im Gegenteil, es wir mehr Baustellen, mehr Umleitungen geben. So müssen wir weiter täglich unsere Knochen hinhalten für 50 Jahre verfehlte Verkehrspolitik.

Ob ein dünnhäutig und wenig engagiert wirkender OB die richtige Wahl ist bleibt zu hoffen.

Empfohlen sei hierzu auch der aktuelle Artikel der Kontextwochenzeitung „Boomtown Stuttgart: Eine Stadt baut ab“. Dort ist z.B. zu lesen, dass die Staus in Stuttgart jeden Haushalt (also uns) 1.000 Euro im Jahr kosten!

http://www.kontextwochenzeitung.de/pulsschlag/151/boomtown-stuttgart-eine-stadt-baut-ab-2034.html

S21 fressen Stadt auf Teil 2


Teil 1 finden Sie hier

Ein neuer Artikel der Kontext:Wochenzeitung beleuchtet den Bauboom in Stuttgart und die Auswirkungen auf die Stadt und die darin lebenden Menschen.

Allein drei große neue Einkaufszentren (Milaneo, Das Gerber und Dorotheenquartier) werden im Talkessel gebaut. Hinzu kommen Straßenbauprojekte wie der Ausbau der Wolframstraße, der Rosensteintunnel und der Leuzetunnel (Der Leuzetunnel ist zwar Bestandteil des Bauprojektes Rosensteintunnel, ist aber mit diesen nicht direkt baulich verbunden). Ebenso der Bau der Stadtbahn U12 im Bereich Heilbronner Straße und am Hallschlag und der Umbau der Haltestelle Staatsgalerie (die beide notwendig sind um S21 überhaupt bauen zu können), die Überdeckelung des Gebhard-Müller-Platzes, die neugeplanten Stadtviertel Neckarpark oder Bürgerhospital sind nur einige weitere Großbaustellen. Hinzu kommen unzählige kleinere Baustellen, Wohnbauprojekte und andere Baustellen. Insgesamt kommt die Stadtverwaltung auf 18.000 Baustellen im Stadtgebiet in 2014. Und dieses Chaos kostet uns alle rechnerisch 1.000 Euro im Jahr durch verschwendete Zeit. Der Schaden für die Ressourcen Boden, Luft und Wasser ist da noch garnicht eingerechnet und in dem Stuttgarter Ausmaß wahrscheinlich auch nicht zu beziffern.

Dieser Bauboom hat mit S21 eingesetzt und wird durch die Milliardeninvestition noch so richtig befeuert.

Zukunft (ver)baut – Die Ökonomisierung von Stadt


Die Naturfreunde Stuttgart e.V., vertreten durch Peter Pipiorke weisen auf folgende Veranstaltung hin (PDF):

Während auf der einen Seite das Leben in Städten immer mehr an Bedeutung gewinnt, Iässt sich auf der anderen Seite beobachten, dass Stadtentwicklung – ob hierzulande oder international betrachtet – allein unter ökonomischen Prämissen und Vorzeichen betrieben wird. Eine solche Ökonomisierung Iässt sich auch auf der Ebene der Regierung, Organisation und Verwaltung von Städten und ihren Bewohner_innen feststellen. Eine solche Stadtpolitik hat weit reichende Folgen, die nicht nur die Zerstörung von Bestand und die zukünftige bauliche Gestalt von Städten betreffen, sondern gleichermaßen Fragen des städtischen Zusammenlebens und des Gemeinwohls. Inzwischen regt sich jedoch auch verstärkt Widerstand gegen eine solche neoliberale Stadtpolitik, die nur den Ansprüchen von Investoren und Kapitaleignern folgt. Dieser Widerstand lässt sich unter dem Stichwort „Recht auf Stadt“ zusammenfassen. In diesem Vortrag werden einige Aspekte dieser Entwicklungen und Widersprüche zur Diskussion gestellt.

Referentin: Dr_in. Yvonne P. Doderer
Freie Architektin und Stadtforscherin, betreibt das „Büro für transdisziplinäre Forschung und Kulturproduktion“ in Stuttgart.
Wann: Donnerstag, den 13. Februar 2014, um 19.00 Uhr
Wo: Bürgerzentrum – West, Bebelstrasse 22