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Besteigen Sie mit uns den Auto-Gipfel


Am 20. Juli trifft sich der Ministerpräsident Kretschmann mit den deutschen Autobossen in der Villa Reitzenstein *. Wir treffen uns auch und wollen auf der Richard-Wagner-Straße ab 10 Uhr eine Demonstration veranstalten. Kommen Sie dazu und machen Sie Ihrem Ärger über die Kungeleien der Politik mit der Automobilindustrie Luft.

Wir fordern, die echte Verkehrswende jetzt zu beginnen! Die Lösungen liegen auf dem Tisch, sogar durch Studien der landeseigenen BW-Stiftung bestätigt.

* Es gibt Gerüchte, dass der Gipfel auf die Messe am Flughafen verlegt werden soll, damit die Autobosse und die Politik auch wirklich unter sich sind. Wir bleiben aber an der Villa Reitzenstein und folgen nicht auf die Messe.

Kurioserweise wird dieser Gipfel nicht öffentlich beworben. Eventuell hat die Politik doch so langsam kalte Füße bekommen, da ja inzwischen auch einige Industrievertreter in Haft sind und die Betrügereien mit Abschalt-Einrichtungen wohl doch wesentlich größer zu sein scheinen als bisher angenommen. So ist inzwischen öffentlich geworden, dass auch Daimler solche Einrichtungen benutzt hat, obwohl dies immer vehement dementiert wurde.

Unterstützt vom Personenbündnis Verkehrswende

Mobiles Baden-Württemberg


Die Studie Mobiles Baden-Württemberg der Baden-Württemberg-Stiftung untersuchte die Möglichkeiten und Auswirkungen der Mobilität in Baden-Württemberg.

Wie kann diese so gestaltet werden, dass nicht nur Klimaziele erreicht, sondern auch eine hohe Beschäftigung gesichert bleibt? (Zitat aus der Pressemitteilung)

„Die Erfüllung des Pariser Abkommens ist grundsätzlich technisch und ökonomisch machbar. Mit der richtigen Strategie können Industrieunternehmen von ehrgeizigem Klimaschutz sogar profitieren. Nachhaltiger Klimaschutz eröffnet auch unserer Automobilwirtschaft langfristig Chancen auf dem wachsenden Weltmarkt für klimaschonende Mobilitätslösungen. Der Staat muss hierbei aber realistische, verlässliche und vor allem technologieoffene Ziele vorgeben und die technische Lösung den Unternehmen überlassen. Einseitige Verbote sind zu kurz gedacht und der falsche Weg“ (Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut aus der Pressemitteilung)

Aus der Pressemitteilung: Die Studie beschreibt drei Szenarien, die Entwicklungsmöglichkeiten bis zu den Jahren 2030 und 2050 aufzeigen.

Szenario 1: Neue Individualmobilität – privat und komfortabel unterwegs (Dieses Szenario ist geprägt von: Individualität, Flexibilität, MIV, privater PKW weiterhin dominant, aber auch automatisiertes Fahren und Car-Sharing-Anteile, Lebensqualität in den Städten steigt durch weniger Emmissionen [Anmerkung BI Neckartor: das ist die praktisch der Nullfall und vermutlich die Präferenz der Automobilindustrie])

Szenario 2: Neue Dienstleistungen – kreative Geschäftsmodelle, geteilte Fahrzeuge (Dieses Szenario ist geprägt von hohem Car-Sharing-Anteil, der private PKW hat keine Bedeutung mehr, neue Mobilitätsangebote, individuelles Fahren und ÖPNV und auch das Fahrrad sind vernetzt, öffentlicher Raum wird umgenutzt [Anmerkung BI Neckartor: Das sind die sanften Ansätze in der Politik und einiger beratender Nicht-Regierungsorganisationen])

Szenario 3: Neue Mobilitätskultur – kürzere Wege, flexible öffentliche Systeme (diese Szenario ist geprägt von einem wenentlichen Anteil an Nahversorgung und Nahmobilität, nicht Car-Sharing dominiert hier sondern Ride-Sharing. Car- und Bike-Sharing sind nur Ergänzungen. Die Verkehrsleistung geht bis 2050 deutlich zurück, es findet eine breite Flächenumnutzung der Straßenräume statt [Anmerkung BI Neckartor: Das sind sehr radikale Ideen, die aber Verkehrsexperten wie Knoflacher bereits um 1980 propagiert haben. Es geht dabei nicht um Einschränkung der Mobilität an sich, sondern um Reduzierung der Reise-Entfernungen durch Beschränkung auf das lokale Umfeld])

Szenarienübergreifendes Ziel ist die Abbremsung des Klimawandels und Verminderung des Anstiegs der Erderwärmung auf die in Paris international vereinbarten und völkerrechtlich bindenden Klimaschutzziele von 1,5 bis deutlich unter 2 Grad und die Orientierung an den von der UN verabschiedeten Nachhaltigkeitszielen für 2030 (Sustainable Development Goals). Die direkten Treibhausgasemissionen sollen den internationalen und nationalen Vereinbarungen entsprechend über alle Sektoren bis 2030 um 40 Prozent und bis 2050 (Pariser Abkommen) um 90 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden. Dies bedeutet für den Verkehrssektor eine nahezu vollständige Dekarbonisierung, die in allen drei Szenarien durch eine Kombination aus direkter Stromnutzung aus erneuerbaren Energien und strombasierten Kraftstoffen aus erneuerbaren Energien erreicht wird. Eine Minderung der Treibhausgasemissionen um 40 Prozent bis zum Jahr 2030 gestaltet sich allerdings in allen drei Szenarien schwierig. Dieses Ziel wird lediglich in Szenario 3 knapp erreicht. Dieses Szenario kommt den Zielen hinsichtlich weiterer Indikatoren einer ökologisch und sozial gerechten Nachhaltigkeit am nächsten.

Am 13. Juli wird diese Studie im DGB-Haus, Willi-Bleicher-Straße 20, ab 18 Uhr von Klaus Amler vorgestellt. Diese Vorstellung wird außerdem unterstützt von:

Personenbündnis Verkehrswende
Aktionsbündnis Kopfbahnhof 21
KUS
Die Anstifter
Radentscheid Stuttgart
Fuss e.V Stuttgart zu Fuß
ATTAC Stuttgart
freifahren stuttgart

Aktuelle Presseschau Dieselgate


Umweltministerin Hendricks denkt laut über Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge nach und erntet dafür – wie zu erwarten – scharfe Kritik aus der Industrie. Nachdem die blaue Plakette für schadstoffarme Autos gescheitert ist, sollen jetzt weiße und graue Plaketten eingeführt werden um so schmutzige und saubere Fahrzeuge zu kennzeichnen und unter bestimmten Bedingungen aus den Städten herauszuhalten. Auch das Prinzip der geraden/ ungeraden Kennzeichen, dass in Paris angewendet wird, steht wieder zur Diskussion.

Die Industrie kritisiert dagegen diese Pläne und hält weiterhin am Diesel fest, betont den Klimaschutzeffekt, da der Dieselmotor zwar mehr Stickoxide aber weniger Kohlendioxid ausstößt. Und für Letzteres wurden ja auf dem Klimagipfel in Paris Reduktionsziele vereinbart.

Dabei wird aber vergessen, dass Stickoxide auch klimawirksam sind und die Erwärmung der Atmosphäre beschleunigen (Lachgas N2O ist in einem Zeitraum von 100 Jahren 298-mal so wirksam wie CO2). Außerdem tragen Stickoxide zum sauren Regen bei und zur Bildung von SMOG. (Quelle für den letzten Absatz: Wikipedia)

 

Daimler lässt den Prozess um Werbeaussagen platzen. Die deutsche Umwelthilfe hatte Daimler wegen falscher Werbeversprechen verklagt, Jürgen Resch und seine Mitstreiter der DUH sind der Meinung, dass eine Werbung von Daimler in die Irre führt, wenn behauptet wird, dass die Emissionen auf ein „Minimum“ reduziert würden (Quelle: StZ, siehe oben).

Genau dieses Modell hatte die DUH dann im realen Betrieb auf der Straße getestet und festgestellt, dass die Schadstoffemissionen ungleich höher als im Labor sind.

Daimler hat diesen Prozess jetzt allerdings mit Hinweisen zur Richterbank platzen lassen, sie wollen die Klage nicht nur von einer Richterin sondern von der gesamten Kammer für Handelssachen verhandelt haben. Einen neuen Termin gibt es noch nicht.

 

Die Fraktion Die Linke in der Regionalversammlung Stuttgart lehnt den Nord-Ost-Ring ab.

Hier die Pressemitteilung dazu: pm-nord-ost-umfahrung-20-12-2016

Wir berichteten bereits über die Pläne zum Nord-Ost-Ring, der die B27 mit der B14 verbinden soll. Nach den bisherigen Plänen (Karte) würde der Nord-Ost-Ring zwischen den Städten Fellbach und Waiblingen abzweigen um Öffingen und Schmiden einen Bogen machen, bei Aldingen den Neckar überqueren und bei Kornwestheim auf die B27 stoßen.

Der Nord-Ost-Ring hat es jetzt nach jahrelangem Streit sogar in den Bundesverkehrswegeplan geschafft, aber nur unter dem Punkt „weiterer Bedarf“. Die StZ vermutet dahinter die Intervention von CDU-Abgeordneten aus der Region, die dem Projekt so mehr Bedeutung zukommen lassen wollen. Das Land hatte die Pläne bisher nicht weiter verfolgt, unter anderem wegen der massiven Eingriffe in das Neckartal und fehlender Finanzierung.

Luftverschmutzung


OB Fritz Kuhn hat die Kampagne Stuttgart steigt um vorgestellt. Mit dieser Kampagne soll für eine „nachhaltige“ Mobilität geworben werden. Prominente wie Michael Gaedt (Kleine Tiershow) oder die Frauen vom Volleyball-Team des MTV machen jetzt Werbung für den ÖPNV oder das Radfahren. Die Seite bietet Zugang zu einem Radroutenplaner, dem Angebot des VVS oder zu Car-Sharing Angeboten. Weiterlesen

DUH: Diesel-Abgase töten


Auf der diesjährigen IAA hat die Deutsche Umwelthilfe mit einem riesigen aufblasbaren Auto und einem ebenso großen „Diesel-Abgase töten“ gegen die Nichteinhaltung der Abgasgrenzwerte durch die großen deutschen Autohersteller protestiert. Weiterlesen

BI Neckartor und die Demo in der Presse


Kleine Presseschau:

SWR: Bedrohung aus der Luft

StZ Zuviel Feinstaub oft mehrere Tage in Folge

StZ Der schwierige Kampf gegen den Feinstaub

SMOG über Paris


SMOG.
Dieses Wort kennen wir noch.

In den frühen 1960er Jahren kam es im Ruhrgebiet zu einer erheblichen Luftverschmutzung (Winter-SMOG oder SMOG Typ London) durch Schwefeldioxid (SO2), ausgelöst durch die Industrialisierung nach dem zweiten Weltkrieg. Damals musste aufgrund von extrem hohen SO2-Werten von bis zu 5000 mg pro Kubikmeter Luft und einer Inversionswetterlage, die kaum Luftaustausch zuließ, für 4 Tage SMOG-Alarm ausgelöst werden. In dem Zeitraum starben 159 Menschen mehr als im Vorjahreszeitraum. Quelle Wikipedia. Weiterlesen

Pariser Verkehr hat Vorbildfunktion


Hier der Bericht von Susanne aus Paris, wo sie den dortigen Autoverkehr praktisch erleben konnte:

Das Zusammenspiel des Verkehrs in Paris folgt einigen einfachen Regeln, die von allen Verkehrsteilnehmern befolgt werden.

  • ungefähr alle 20 bis 50 Meter gibt es Zebrastreifen – über noch so kleine Sträßchen. An allen Seiten von Kreuzungen sind Zebrastreifen, zu 80 % mit Fußgängerampeln versehen
  • an einer grünen Fußgängerampel halten die Autos bei Rot an, die Fußgänger gehen über die Straße
  • an einer roten Fußgängerampel bleiben die Fußgänger stehen und warten bis die Autos durchgefahren sind
  • und wenn keine Autos mehr kommen, gehen die Fußgänger bei Rot über die Fußgängerampel, dann greift die Regelung des Zebrastreifens auf der Fahrbahn
  • wenn an einer roten Fußgängerampel eine kritische Masse an Fußgängern erreicht ist (das kann schon bei 2- 4 Personen sein), wird einfach im Pulk losgelaufen, auch wenn der Autoverkehr dicht fließt und grün hat. Die Autos halten dann trotzdem an – es ist also IMMER Vorfahrt für Fußgänger
Paris_praktiziertes_Shared_Space

Bild: privat

Bild: privat

Bild: privat

Das beste dabei ist: kein Autofahrer regt sich auf, er hält einfach und fährt entsprechend vorsichtig.

Für Fahrradfahrer gilt: sie fahren überall, auch im fünfspurigen Kreisverkehr habe ich an der Ampel vorne Radfahrer stehen sehn, die kommen da lebend durch – einfach, weil die Autofahrer entsprechend fahren. Die Stadt Paris bietet einen vorbildlichen Fahrradverleih-Service an, den vélib (vélos-en-libre-service), der rege in Anspruch genommen wir.

Paris_Radfahrer_im_Kreisel

Bild: privat

Alles in allem ist eines klar: bei uns wird sich nur dann was änderen, wenn (Anm: alle Verkehrsteilnehmer, aber insbesondere) die Autofahrer begreifen, dass sie nur ein Teil des Gesamtverkehrs in einer Stadt sind und nicht die Herren des Ganzen, denen sich alle unterzuordenen haben. Und da – fürchte ich – liegt noch ein weiter Weg vor uns. In Paris wird quasi Shared-Space ohne Shared Space praktiziert. Außerdem fällt auf, dass niemand auf den Gehwegen parkt!

Wenn ich daran denke, wie unmöglich es ist, in Stuttgart einen Zebrastreifen vor einen Kindergarten (*) zu bekommen, überkommt mich, milde gesagt, ein gewisser Überdruss an dieser unserer Stadt…. vor einem Gymnasium in Paris waren ungelogen alle 10 Meter Zebrasteifen und Langsamfahrelemente – in einer ganz ruhigen, schmalen Gasse…

Paris_Straße_hinterm_Gymnasium

Bild: Privat
Im Vordergrund erhöhter Fahrbahnbelag, im Hintergrund 2 Zebrastreifen nach einander, rechts am Rand das Symbol für einen Radweg.

Anmerkung/ Hinweis eines Pariser Bürgers auf diese Beobachtungen:

Haben Sie den Place de la République gesehen? In diesem Frühjahr müsste die Umgestaltung abgeschlossen sein: Innerhalb kürzester Zeit (zwischen Vorstellung der Planungen und deren Umsetzung) wurde die vom Autoverkehr dominierte Kreuzung zum großen Teil in eine Platzfläche für Fußgänger umgewandelt. Parallel läuft auch die Sperrung der Schnellstraßen, die weite Teile des Seine-Ufers entwerten, und die Umwandlung in Flanierzonen.

Offensichtlich macht die Stadt Paris genau das Gegenteil von dem, was Stuttgart treibt: wir bauen Autobahnen in die Stadt rein, Paris baut seine Straßen zurück. Siehe zum Beispiel hier die Umgestaltung des Seine-Ufers. Da kann Herr Kuhn sich ein Beispiel nehmen für die Umgestaltung der B10/ Neckarufer.

Urlauber aus anderen Städten, zum Beispiel Barcelona, haben mir inzwischen berichtet, dass es dort ähnlich ist. Man müsste unsere Gemeinderäte regelmäßig dazu anhalten, sich in Stuttgart zu Fuß und per Rad zu bewegen und im Anschluss in den Metropolen Europas (auf eigene Kosten, bitte schön) – dann wären sie vielleicht nicht mehr so hoffnungslos rückständig in Sachen Verkehr. Reisen bildet ja bekanntlich.

Anm. der BI Neckartor: Die laissez-fair Politik der letzten Jahre (Jahrzehnte) gegenüber dem motorisierten Verkehr hat dazu geführt, dass sich einige Missstände und Marotten ausgebreitet haben. Dazu gehört unter anderem,

  • dass Autofahrer ohne Schulterblick und ohne auf Fussgänger zu warten von einer Hauptstraße nach rechts abbiegen,
  • dass Autos dort abgestellt werden, wo gerade Platz ist („Ich bin nur mal kurz…“),
  • dass keine Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer genommen wird,
  • dass Radfahrer sofort überholt werden müssen, egal ob es passt oder nicht (hinter einem „langsamen“ Radfahrer zu fahren ist wohl eine Schmach),
  • dass die Toleranz der Geschwindigkeitsangaben konsequent ausgenutzt werden („wenn da 50 km/h steht kann ich 60 fahren“) und erst an den bekannten Stellen der Messgeräte der Stadt gebremst wird („in 30 km/h-Zonen wird ja sowieso nur selten gemessen“),

Das soll natürlich nicht heißen, dass die anderen Verkehrsteilnehmer alle Unschuldslämmer wären. Für Radfahrer gilt zum Beispiel, dass vorhandene Radwege benutzt werden müssen. Wenn diese allerdings als Parkplatz dienen oder bereits nach einigen Metern wieder aufhören, muss man sich nicht wundern, dass Radfahrer auf der Straße fahren.

(*)Kindergarten in der Friedenskirche. Begründung der Stadt: Die Straßen dort sind Wohnstraßen und liegen in einer 30-km/h-Zone. Deshalb würden die Autos dort bereits langsam fahren. Dass das nicht stimmt (siehe oben) will niemand hören. Das wären nur Einzelfälle.