Schlagwort-Archive: Rosenstein

Urbanität geht nicht, wenn zuwenig Rücksicht genommen wird


Urbanität geht nicht, wenn auf die Leute, die da sitzen oder stehen, zu wenig Rücksicht genommen wird.

Dies soll, laut StZ, OB Fritz Kuhn auf der Bürgerversammlung Mitte gesagt haben. Außerdem sagte er

Stadtpolitik zeichnet sich dadurch aus, dass man die Pole ins richtige Verhältnis setzt

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Olgäle: Neue Wege gehen


Das Olgäle steht immer noch. Eigentlich hätten im September die Bagger anrollen und das ehemalige Krankenhaus abreißen sollen. Die Patienten des Kinderkrankenhauses liegen jetzt im Neubau am Herdweg/ Kriegsbergstraße. Dafür sind übergangsweise Flüchtlinge aus Kriegsgebieten in das Personalwohnheim des Olgäle eingezogen. Der Grund für den verzögerten Abriss wird von der Stadt mit einer optimierten Planung angegeben, die Baugrube wäre bis zum Baubeginn des neuen Wohnviertels längere Zeit offen gestanden.

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Solidarität und Boykott


Auszüge aus Volker Lösch’s Rede von  auf der letzten, der 250., Montagsdemo:

Erfolgreicher Widerstand hat also auch etwas mit Glaubensfragen zu tun. Und woran kann man in Stuttgart noch glauben, wem sollte man keinen Glauben mehr schenken?
Das Recht des Stärkeren wird hier derzeit im Rathaus beansprucht, und wer jemals an die Kritikfähigkeit des nicht mehr ganz so neuen OB Kuhn geglaubt hat, wird nun eines besseren belehrt. Kuhn, der noch im Wahlkampf den Stuttgarter Einkaufszentren-Bauwahn gegeißelt hat, ist inzwischen zum kritiklosen Investoren- paten mutiert. Anstatt Schaden von der Stadt abzu- wenden, lässt er sich von Konzernen ins Stammbuch diktieren:
– Statt für Alternativen gegen die Stadtzerstörung zu streiten, schwätzt er bei der „Gerber“-Eröffnung von „Wohnen und Arbeiten“, wohlwissend, das sich nur wenige Kaltmieten zwischen 13 und 17 Euro pro Quadradmeter leisten können.
– Statt zu schweigen, schwadroniert er lieber, dass die Stadt ein „elementares Interesse daran hätte, dass es dem Milaneo gut gehe“, und setzt somit die Interessen der Shopping-Mall-Vertreter mit denen der Bevölkerung gleich. Da hätte man auch Wolfgang Schuster im Amt belassen können, der hätte es nicht schöner formulieren können!
– Statt den BahnhofskritikerInnen angemessene Orte für ihren Protest zur Verfügung zu stellen, versucht er als Wortführer für Autofahrer und Konsumenten, den Bürgerinnen und Bürgern, die sich gegen die Stadtzerstörung wehren wollen, ihren angestammten
Demonstrationsort zu verbieten.
– Statt den Bahnhof als den Schwachsinn zu benennen, der er ist (was Kuhn im Wahlkampf noch getan hat), versucht er geschickt, das Vokabular der Protest-bewegung zu nutzen, um einen Pseudofrieden zu arrangieren – Zitat Kuhn: „Ich hoffe darauf, dass sich auch Menschen, die den Tiefbahnhof kritisch sehen, an der Diskussion um die bestmögliche Nutzung der frei werdenden Flächen beteiligen“.
– Statt also den Durchmarsch der Investoren in Stutt- gart wenigstens zu erschweren oder zu behindern, lädt er zum „Bürgerdialog“ zur Bebauung des Rosenstein-quartiers auf dem Gleisvorfeld ein!

[…] Desweiteren ist ihre Behauptung, die Entwicklung des Rosensteinviertels könne ein Muster für die künftige Stadtentwicklung sein, an Ahnungslosigkeit oder Dreistigkeit, je nach Betrachtungsweise, kaum zu überbieten: es ist mit lediglich 37,7 Hektar bebaubarer
Fläche (zum Vergleich: die Stadt Stuttgart hat insgesamt 20.7000 Hektar!) ein isoliertes „Grüne-Wiese-Projekt“ – es ist ein Projekt ohne jede repräsentative Relevanz!
Denn solange das Bauen nur den Marktgesetzen unter- liegt, solange Boden lediglich Ware ist, solange Konzerne sich zusammenkaufen können was sie wollen, solange Autokonzerne hofiert werden, solange die Kuhn-Politik des Schweigens, des sich Raushaltens und des „unkritischen Begleitens“ politische Praxis in Stuttgart ist, solange kann dort, wo neu gebaut wird, eben nichts Urbanes wachsen, nichts Soziales entstehen,
nichts Neues entwickelt werden, sondern nur das, was die besten Renditen abwirft! Solange Kuhn den Kretschmann macht, bleibt alles beim ganz Alten!

[…] Lieber „OB Wendehals“, sie können den Ausverkauf der Stadt gerne alleine betreiben: wer so schnell vom kritischen Begleiter (im Geiste des Widerstands gegen den Bahnhof) – zum unkritischen Gleitmittel (in den Windungen des Verdauungstrakts) der Wirtschaft
mutiert, dem sei hiermit frei nach Adorno gesagt:
Ein richtiges Leben gibt es – auch in Stuttgart – im falschen nicht!

[…] – Es sollen noch noch mehr verkaufsoffene Sonntage stattfinden?
Kaufen wir an diesen Tagen nichts mehr ein! Boy- kottieren wir diese Konsumveranstaltungen!
– Die nächste Lohnsenkungsspirale für die MitarbeiterInnen bei Karstadt wird schon
angeschoben?
Unterstützen wir die Gewerkschaften, die gegen Lohn- abbau streiten, in ihrem Protest! Gehen wir auch auf deren Demos!
– Der Geschäftsführer der Buchhandlung Wittwer will, dass ihm die Bettler und politischen Kundgebungen vom Hals geschafft werden?
Kaufen wir also unsere Bücher in Stadtteilläden ein, deren Inhaber nicht so einen Blödsinn erzählen!
– Die Mieten steigen weiter?
Unterstützen wir aktiv die Mieter-Initiativen, die für bezahlbaren Wohnraum kämpfen!
[…]
– Es sollen in Stuttgart noch mehr „Malls“ betrieben werden?
Boykottieren wir die großen Einkaufszentren, stärken wir den Einzelhandel, verbünden wir uns mit den- jenigen, die für eine urbane, nachhaltige und soziale Stadt kämpfen! Unterstützen wir alle Bürgerinitiativen, die dagegen kämpfen, dass unsere Städte von Shopping -Mall-Konzernen und Großinvestoren zerstört werden, denn der Kampf gegen Monsterbauten, gegen ‚Mallifizierung‘, der Kampf gegen „S21“ und Stadtzerstörung ist der Kampf gegen dieselben Gegner! Auch die Macher von „S21“ sehen die Stadt lediglich als
Verkaufs-und Konsummaschine!

Ist das der Super-GAU für S21?


Die StZ berichtete gestern über die Pläne von OB Fritz Kuhn im Jahr 2015 mit einer breit angelegten Bürgerbeteiligung zur Gestaltung des neuen Rosensteinviertels zu beginnen. Offenbar ist das ganze sogar so hoch aufgehängt, dass man die erarbeiteten Pläne dann auf einer Bauaustellung der internationalen Öffentlichkeit präsentieren will. Weiterlesen

S21-Brunnen übergelaufen


Es ist ein S21-Schluckbrunnen übergelaufen. Wolfgang Rüter hat Bilder gemacht. Nachdem es bereits im September in der Urbanstraße in der Nähe eines Brunnens zu einem Wasserschaden in einem angrenzenden Keller gekommen ist, der offiziell durch eine beschädigte Dichtung verursacht wurde, ist diesmal das Wasser im Rosensteinpark in der Nähe des alten Bolzplatzes ausgetreten. Es kam niemand zu Schaden. Auf Seiten den S21-Widerstands vermutet man hier eine falsche Schaltung der Steuerungselektronik, die trotz gefülltem Brunnen immer wieder ein Ventil öffnete oder eine Pumpe einschaltete und weiter Wasser in den bereits gefüllten Brunnen floss.

Weitere Bäume werden gefällt


Am vergangenen Dienstag hat der UTA weitere Baumfällungen im Rosensteinpark für das Bauprojekt Rosensteintunnel beantragt. Siehe Bericht hier auf BAA mit Präsentation.

Dabei ist jetzt schon klar, dass der Tunnel teurer werden wird und neuen Verkehr erzeugen wird. Aber niemand der verantwortlichen Ratsmitglieder ist bereit, dies zuzugeben. Der Tunnel wird sogar als Maßnahme gegen die hohe Feinstaubbelastung angeführt, siehe hier Maßnahme M16.

Siehe unter auch unsere Artikel „Das nächste Fass ohne Boden?“, „neue Straßen = weniger Stau?“ und „Rosensteintunnel? Was ist das?“

Rosensteintunnel wird teurer als geplant


Der Stadt Stuttgart entgleiten derzeit sämtliche großen Bauprojekte, S21 steht vor einer immensen Kostensteigerung von fast 2 Milliarden Euro, die John-Cranko-Ballettschule in der Werastraße wird ebenfalls etwa 60 % teurer (50 Millionen anstatt geplanten 32 Millionen), das Schauspielhaus kann nach der missglückten Sanierung immer noch nicht zurück und beim Rosensteintunnel sind ähnliche Kostensteigerungen ebenfalls schon jetzt absehbar. Beschlossen wurde am Dienstag das erste Paket, das Mehrkosten von gut 25% enthält (55 Millionen anstatt 41 Millionen). Angeblich sind diese Mehrkosten nicht vorhersehbar gewesen, sie sind mit dem schwierigen „Bau unter Verkehr“ begründet, gut 5 Millionen würden außerdem auf „zusätzlichen Leistungen und Unvorhersehbarem“ beruhen. Unter diesen Gesichtspunkten sind die veranschlagten Gesamtkosten von 200 Millionen längst Makulatur.

In der Begründung der Ratspolitiker für ihre Entscheidung wird der uralte Zusammenhang zwischen Verkehr und Wirtschaft deutlich. Nur wenn Straßen gebaut werden und der Verkehr fließen kann, kann wirtschaftliche Entwicklung stattfinden. Das ist aber aus mehreren Gründen falsch:

  • neue Straßen führen kurzfristig zu einer Entlastung weil der Verkehr sich auf eine größere Fläche verteilen kann. Langfristig aber füllen sich die neuen Straßen mit neuem Verkehr bis zu einem gewissen Verkehrs-Niveau. Dieses Niveau liegt je nach Fahrer unterschiedlich hoch, der eine ist resistent gegen Stau und plant diesen sogar in seine Fahrt ein, der andere sucht sich Ausweichstrecken oder gar ein anderes Verkehrsmittel. Dieser Stau wird dann wieder als Argument für neue Straßen hergenommen und so dreht sich der Teufelskreis aus Stau, neuen Straßen und Stau ständig schneller.
  • Die Wirtschaft braucht zur Entwicklung nicht ausschließlich nur  Straßen, vor allem keine neuen Straßen. Die Wirtschaft braucht ein Verkehrssystem, dass Transport von Waren und Rohstoffen zulässt und dass die Arbeiter morgens zur Fabrik bringt und abends wieder zurück. Dieses System muss aber nicht zwangsläufig nur aus Autos bestehen die auf Straßen fahren. Dazu gehört auch die Bahn, der regionale ÖPNV und das Fahrrad. Das haben unsere Politiker aber nicht begriffen.

Siehe dazu die Schlagwörter Rosensteintunnel und Neue Straßen.

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