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Rosensteinpark


Ende September endet die Vegetationsphase, so ist es behördlich festgelegt. Ab dem 1. Oktober darf also die Kettensäge wieder ausgepackt werden.

Der Rosensteinpark ist dabei sogar von zwei Seiten bedroht. Die Bauarbeiten für Baustraße zwischen der Haltestelle Mineralbäder und Wilhelma schreiten voran, dort werden gleich zwei Tunnel gebaut, der Rosensteinautotunnel für die neue B10 und der Rosensteineisenbahntunnel für den neuen Halbtiefschräglage-Hauptbahnhof.

Bis zum 4. Oktober herrscht offiziell Baustopp, da die Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit so viele Polizisten binden, dass die Bauarbeiten im Park nicht abgesichert werden können. Nach dem Tag der Einheit ist aber wieder mit Bauarbeiten zu rechnen, auch im Rosensteinpark?

Todeszone Wilhelmsplatz Bad Cannstatt


Der Titel stammt nicht von uns sondern ist ein Originalzitat von OB Kuhn aus seinem Wahlprogramm:

Wir brauchen den Wandel hin zu einer Stadt, in der neue Formen nachhaltiger Mobilität entwickelt und auch angewendet werden. In 15 Jahren muss Stuttgart nicht nur Autos exportieren, sondern auch praxiserprobte Modelle für die Verkehrssysteme der Zukunft. Ziel ist es, intelligent Radverkehr, Fußverkehr, den öffentlichen Nahverkehr und das Auto, bestenfalls mit einem anderen Antrieb als dem üblichen Verbrennungsmotor miteinander zu vernetzen. Wer mit dem Rad die Stadt durchquert, darf nicht in „Todeszonen“ wie dem Bad Cannstatter Wilhelmsplatz landen, wer zu Fuß geht, muss sich in einem attraktiven Stadtraum bewegen dürfen und darf nicht in den Untergrund verbannt werden oder an der Ampel die Beine in den Bauch stehen. Stadtbahn-Linien müssen gut miteinander vertaktet sein, um unnötige Wartezeiten zu vermeiden und an wichtigen Verkehrsknoten des Nahverkehrs Mobilitäts-Inseln entstehen. Dort kann der Nutzer oder die Nutzerin gleich ein Fahrrad oder ein Carsharing-Auto für die Weiterfahrt ausleihen. Das müssen Stadt, Land und Automobilindustrie gemeinsam schaffen.

Die Knackpunkte aus unserer Sicht im Einzelnen:

  1. Wilhelmsplatz – Fahrtrichtung Waiblingerstraße: Laut Beschilderung an der Kreuzung zur Bahnhofstraße ist das Fahren für Radfahrer auf der Busspur erlaubt. Da sich hier aber mehrere Linien an dieser Haltestelle treffen und tagsüber mit hoher Frequenz fahren, herrscht hier ein dichter Verkehr von ein- und ausfahrenden Bussen. Leider ist es so, dass die Fahrer beim Ausfahren nicht immer korrekterweise den Schulterblick machen und somit den Radfahrern die Vorfahrt nehmen. Siehe Bilder 3 und 4 weiter unten.
  2. Wilhelmsplatz – Ecke Seelbergstraße, Fahrtrichtung Waiblingerstraße: Hier gibt es eine Fahrspur für Radfahrer, die aber bis jetzt aufgrund des Stuttgarter Phänomens bereits nach wenigen Metern wieder endet. Derzeit wird hier der Radweg Waiblinger/ Nürnberger Straße gebaut der Teil der Hauptroute 1 Rohr – Fellbach ist. Siehe Bilder 5 und 6 weiter unten.
  3. Wilhelmsplatz – Ecke Seelbergstraße, Fahrtrichtung Wilhelmstraße: Hier gibt es eine Abbiegespur mit eigener Ampelphase für Radfahrer, der Radweg endet aber ebenso nach wenigen Metern an der nächsten Ampel. Siehe Bilder 7 und 8 weiter unten.
  4. Wilhelmsplatz – Ecke König-Karl-Straße, Fahrtrichtung Wilhelmstraße: Hier ist wieder ein Stückchen Radweg als Fortsetzung von 3., allerdings wird der Radweg ein Stück in die König-Karl-Straße hineingeführt um dann am Fussgängerweg wieder in Richtung der Wilhelmstraße nach links über die König-Karl-Straße abzuknicken. Dann endet der Weg wieder. Welche Funktion dieser Weg haben soll, ist unklar, denn am Ende dieses Weges steht man mit dem Fahrrad auf dem Bürgersteig und muss umständlich den Weg zwischen den parkenden Autos suchen um wieder auf die Wilhelmstraße zu kommen. Siehe Bilder 9 und 10 weiter unten. Es wäre besser, wenn der Weg von der Ecke Seelbergstraße in Fahrtrichtung Wilhelmstraße auf der Fahrbahn als rot-markierter Weg neben zwischen der Rechtsabbiegerspur zur König-Karl-Straße und der Geradeaus-Spur Wilhelmstraße geführt würde.
  5. Rosensteinbrücke/ Wilhelmsbrücke Fahrtrichtung Bad Cannstatt: Mal ganz abgesehen davon, dass die Kreuzung Pragstraße und die Neckartalstraße nur schwer zu überqueren sind aufgrund der bevorzugten Ampelschaltung für Straßenbahn und Autoverkehr gibt es keine vernünftige Verbindung von der Pragstraße oder der Wilhelmsbrücke durch Bad Cannstatt hindurch. Einzig der kombinierte Rad- und Fußweg am Neckar entlang ist einigermaßen gut geeignet und befahrbar. Hier besteht Verbindung zum Neckartalradweg und nach Stuttgart Mitte. Allerdings wird die Situation durch den Abriss des Holzstegs und des Elefantenstegs prekär und der ganze Radverkehr nach Mitte muss dann über die König-Karl-Brücke. Aber zurück zur Wilhelmsbrücke.
    1. Die Schöne Straße ist maximal bis Eisenbahnstraße befahrbar und das Linksabbiegen auf die Eisenbahnstraße ist hier nur schwer möglich. Das Weiterfahren auf der Schönestraße in den Tunnel Richtung Mercedesstraße ist für Radfahrer verboten.
    2. Bad-, Überkinger-, Brunnen- und Wilhelmstraße wären als Verbindung zum Wilhelmsplatz denkbar, aber am Wilhelmsplatz kommt man nicht weiter. Siehe Bilder 11 bis 24 zur Situation auf der König-Karl-Straße und dem Wilhelmsplatz. Richtung Untertürkheim siehe nachfolgender Punkt C und Richtung Stuttgart Ost/ Mitte Punkt D. Siehe dazu auch die Bilder 24 bis 29 zu den Verbindungen Richtung Untertürkheim.
    3. Richtung Untertürkheim wäre die Verbindung Seelbergstraße und Mercedesstraße denkbar, allerdings endet die Mercedesstraße am Werksgelände Untertürkheim. Der Radweg in der Mercedesstraße ist zudem in einem schlechten Zustand. Aufgeplatzter Belag, von Gleisen der Industriebahn zerschnitten und eng, oft auch zugeparkt. Siehe dazu auch die Bilder 24 bis 29 zu den Verbindungen Richtung Untertürkheim. Die Benzstraße bleibt als letzte Möglichkeit, ist allerdings stark befahren (auch mit LKW) und am Ende kurz vor Karl-Benz-Platz wird der breite Fußweg, der auch als Radweg genutzt werden kann immer enger. Siehe Bilder 25 bis 35 weiter unten. Außerdem besteht hier keinerlei Verbindung zum Neckarradweg.
    4. Richtung Stuttgart Ost/ Mitte: Wer die rechte Fahrbahn der König-Karl-Straße benutzt, muss vor der Kreuzung Schöne Straße/ der König-Karl-Brücke rechts auf den Bürgersteig fahren und dann die Rampe in den Tunnel benutzen. Hier auf der Karte ist dieser Weg mit der roten gepunkteten Linie gekennzeichnet. Siehe auch Bilder 16 bis 19 weiter unten. Dort steht ein kleines weiß-grünes Hinweisschild für Fahrradfahrer versteckt auf einer Grünfläche. Der Tunnel ist dann dunkel, grau und schlecht beleuchtet. Wer nicht weiß welche Rampe wieder nach oben führt kann sich hier sehr schnell verlaufen/ verfahren. Siehe Bilder 20 und 21 weiter unten.
    5. Das Fahren auf dem linken Fussweg der König-Karl-Straße ist nicht freigegeben aufgrund des engen Weges. Die Betonwand zur Fahrbahn unter der Eisenbahnbrücke schränkt den Weg zusätzlich ein. Deswegen müssen Radfahrer ihr Rad dort schieben. Es hält sich allerdings nicht jeder Radfahrer an dieses Gebot. Bild 22 weiter unten. Nach der Eisenbahnbrücke ist der Fussweg wieder für Radfahrer in Richtung Stuttgart Ost freigegeben. Allerdings ist auch das Parken von Autos auf dem Fussweg freigegeben, was den Fussweg an dieser Stelle wieder beträchtlich einschränkt. Bild 23 weiter unten.

Die Bilder zu dem Artikel in einer Bilderschau:

Fazit: Wie schlecht die Radwege in Stuttgart entwickelt sind sieht man gerade in Bad Cannstatt. Bad Cannstatt ist das Nadelöhr, dass die Verbindung herstellt von Stuttgart Ost und Mitte nach Fellbach und Waiblingen und von Stuttgart Nord nach Untertürkheim und weiter nach Esslingen. Hier muss alles durch. Die Zählanlage für Radfahrer zählt an Spitzentagen über 5000 Radfahrer auf der König-Karl-Brücke.

Und diese jetzt schon beengte Situation wird sich mit dem Abriss des Holzsteges und des Leuzesteges nicht besser. Im Gegenteil, dann drängeln sich praktisch alle Radfahrer in einem noch enger werdenden Nadelöhr: der König-Karl-Straße und der darauffolgenden Brücke. Daran werden auch die Investitionen in den Ausbau des Radwegenetzes in Bad Cannstatt nichts ändern. Die neuen Radwege (Waiblinger/ Nürnberger Straße als Teil der großen Radwegeroute 1 von Rohr bis Fellbach) sind zwar gut und zu begrüßen, aber sie sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Es bleibt viel zu tun. Auf das Anpacken können wir aber noch lange warten, denn der Radverband ADFC kritisiert, dass die Stadt nur 1,5 Personalstellen für den Radverkehr eingerichtet hat und dass die halbe Stelle auch noch befristet ist *.

*Sowohl die Zahlenangabe als auch die Kritik wurden dem Artikel „Radverbände kritisieren Stadt und fordern mehr Personal“ in der Stuttgarter Zeitung vom Samstag, 10. August, Seite 17 entnommen, der allerdings nicht mehr im Internetauftritt der Zeitung zu finden ist.

Der Autofahrer wird hofiert


… der Fuss- und Radverkehr kann sehen wo er bleibt.
Im Zusammenhang mit dem geplanten Abriss der drei Fussgängerbrücken in Bad Cannstatt (wir berichteten) wurde am Sonntag auch darauf aufmerksam gemacht, dass der Schillerweg (Leser haben darauf hingewiesen, dass es sich um den Schillerweg handelt) ab einem bisher geheim gehaltenen Datum gesperrt wird – für sage und schreibe SIEBEN Jahre! Der Schillerweg ist ein Teil des Neckartalradweges und führt von Mettingen nach Untertürkheim. Er zweigt an der Kreuzung „In den Stegwiesen“ und „Hafenbahnstraße“ ab und führt entlang des Neckarersatzbaches auf der Rückseite des Industriegebietes parallel der Hafenbahnstraße bis zur Bruckwiesenstraße in das Lindenschulviertel. Aufgrund der ruhigen Lage und des auto- und kreuzungsfreien Verlaufs ist dieser Weg sehr beliebt und wird auch von Wanderern gern benutzt. Auch die Arbeiter der Behindertenwerkstatt der Caritas in Mettingen benutzen diesen Weg morgens und abends um zum S-Bahnhof zu gelangen. 2012 wurden hier schon zahlreiche Bäume gefällt. 2013_0313_0918_img_0430
2013_0313_0918_img_0413Die Bilder wurden uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Die Bilder zeigen die Aufräumarbeiten nach den Baumfällungen. Zu diesem Zeitpunkt war der Schillerweg aber schon wieder für den Verkehr freigegeben. Aufgrund der räumlichen Enge kam es hier zwischen den Arbeitern und den Radfahrern mehrfach zu Streitigkeiten.

Während der Bauarbeiten wurde der Verkehr über die Hafenbahnstraße umgeleitet. Aufgrund des – vorallem morgens – stark frequentierten Hafens kam es auch hier oft zu gefährlichen Situationen mit dem Auto- und LKW-Verkehr. Aus eigenen Beobachtungen können wir sagen, dass vor allem Berufskraftfahrer nicht auf schwächere Verkehrsteilnehmer achten. Da werden Radfahrer mit dem langen LKW-Anhänger geschnitten oder aus Werkstoren ausfahrender Verkehr achtet weder auf Fussgänger- noch auf Radfahrer. Je größer das Fahrzeug, je länger die Fahrzeiten und -strecken umso rücksichtsloser die Fahrer.

Dieser Bericht wurde auf Basis der Erfahrungen eines uns bekannten Radfahrers geschrieben, der diese Strecke täglich fährt.

Weitere Beispiele:

  • In den Jahren 2010, 2011 und 2012 war der Neckartalradweg zwischen Bad Cannstatt und Untertürkheim beidseitig immer wieder gesperrt. Der linke Uferweg – der sich übrigens durch die nahe Bundesstraße und die damit verbundene schlechte Luftqualität nur bedingt für das Radfahren eignet – war mehrfach für Kabelmontagen und Belagssanierung gesperrt. (Ergänzt nach Hinweisen von Lesern:) Weiterhin ist dieser Radweg (Fahrtrichtung stadtauswärts) aufgrund des entgegen kommenden Autoverkehrs in der dunklen Jahreszeit nicht blendfrei. Der rechte – wesentlich besser geeignete – Radweg musste 2012 für Arbeiten an den Fernwärmerohren mehrfach für Wochen gesperrt werden. Und in den Jahren zuvor wurde hier am Hochwasserschutz gearbeitet. Die Umleitung erfolgte jeweils über den gegenüber liegenden Radweg, es gab aber auch einige Wochen, da waren die Radwege auf beiden Seiten gesperrt.
  • Der mittlere Schloßgarten ist seit 2 Jahren  nur noch über einen Weg am Planetarium zum Ferdinand-Leitner-Steg hin passierbar. Auch hier gibt es zahlreiche Konflikte zwischen den Verkehrsteilnehmern.
  • Der Verkehr auf Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Allee wurde in den letzten 2 Jahren mehrfach durch die Montage der blauen Rohre beeinträchtigt. Vollständig gesperrt wurde die Strecke aber nie.
  • Der Rosensteinpark ist derzeit von der Ehmannstraße abgeschnitten. Zuerst war nur der Trampelpfad entlang des Grünstreifens gesperrt, jetzt ist auch der Durchgang entlang des Bolzplatzes gesperrt.
  • (dieser Punkt wurde nach Hinweisen von Lesern ergänzt) Der mittlere Weg entlang des Pumpsees war fast ein halbes Jahr gesperrt weil die Firmen Hölscher und Burkhardt die Wege mit ihren schweren Maschinen zerstört hatten. Erst vor kurzem wurden sie wieder instand gesetzt.
  • Die Betonfüsse der Rohre stehen immer nur auf dem Bürgersteig, nie zwischen den Autos geschweige denn auf der Straße.
  • Der Arnulf-Klett-Platz ist derzeit weder für Radfahrer noch für Fussgänger sicher oberirdisch zu überqueren. Fussgänger durften hier zwar nie über die Straße gehen, sie mussten immer die Unterführung nehmen, aber derzeit gibt es hier ja noch nicht einmal einen sicheren Weg auf dem Bürgersteig. Aber auch der Radfahrer lebt hier gefährlich aufgrund der wechselnden Spuren, der Baustellen und der Autos.
  • Die Wolframstraße ist seit Beginn der Bauarbeiten Milaneo ein Kampfplatz. Ständig verdreckte Straßen, LKW-Verkehr (siehe Schilderung Hafenverkehr oben – gilt hier 1 zu 1) und ständig wechselnde Verkehrsführung haben dazu geführt, dass sich hier sogar ein Radverkehrsunfall ereignete.

Für die Autofahrer wird aber eine teure Umfahrung der Baustelle am Arnulf-Klett-Platz eingerichtet. Hier wurde sogar nachts und am Sonntag gearbeitet um den Verkehr nicht zu beeinträchtigen! Für den Rad- und Fussverkehr unternimmt man solche Anstrengungen nicht. Im Gegenteil, diese Verkehrsteilnehmer dürfen gucken wo sie bleiben.

notwendiger Kollateralschaden auf dem Weg in eine wunderbare Zukunft


Am vergangenen Sonntag hat die Initiative Cannstatter gegen S21 auf den Abriss des Holzstegs, des Leuzestegs und des Elefantenstegs hingewiesen. Diese sollen ersatzlos wegfallen. Hier ein Ausschnitt aus dem Bebauungsplan Projekt Rosensteinautotunnel

33Rechts über den Neckar der Holzsteg, der genau auf Höhe der neuen Brücke verläuft und in der Bildmitte der Elefantensteg, der der Tunnelausfahrt des Rosensteinautotunnels im Weg ist.

33Hier in der Karte aus dem Bebauungsplan Projekt Rosensteinautotunnel erkennt man die neue Röhre Leuzetunnel die genau unter der Verbindung von Leuzesteg und Hängebrücke verläuft. Auch diese beiden Brücken müssen für ein fragwürdiges Bauprojekt weichen.

Diesen Sonntag findet eine weitere Aktion der Cannstatter Initiative statt.

Weitere Infos hier oder hier auf Cannstatter.net.

Weitere Bäume werden gefällt


Am vergangenen Dienstag hat der UTA weitere Baumfällungen im Rosensteinpark für das Bauprojekt Rosensteintunnel beantragt. Siehe Bericht hier auf BAA mit Präsentation.

Dabei ist jetzt schon klar, dass der Tunnel teurer werden wird und neuen Verkehr erzeugen wird. Aber niemand der verantwortlichen Ratsmitglieder ist bereit, dies zuzugeben. Der Tunnel wird sogar als Maßnahme gegen die hohe Feinstaubbelastung angeführt, siehe hier Maßnahme M16.

Siehe unter auch unsere Artikel „Das nächste Fass ohne Boden?“, „neue Straßen = weniger Stau?“ und „Rosensteintunnel? Was ist das?“

Rosensteintunnel wird teurer als geplant


Der Stadt Stuttgart entgleiten derzeit sämtliche großen Bauprojekte, S21 steht vor einer immensen Kostensteigerung von fast 2 Milliarden Euro, die John-Cranko-Ballettschule in der Werastraße wird ebenfalls etwa 60 % teurer (50 Millionen anstatt geplanten 32 Millionen), das Schauspielhaus kann nach der missglückten Sanierung immer noch nicht zurück und beim Rosensteintunnel sind ähnliche Kostensteigerungen ebenfalls schon jetzt absehbar. Beschlossen wurde am Dienstag das erste Paket, das Mehrkosten von gut 25% enthält (55 Millionen anstatt 41 Millionen). Angeblich sind diese Mehrkosten nicht vorhersehbar gewesen, sie sind mit dem schwierigen „Bau unter Verkehr“ begründet, gut 5 Millionen würden außerdem auf „zusätzlichen Leistungen und Unvorhersehbarem“ beruhen. Unter diesen Gesichtspunkten sind die veranschlagten Gesamtkosten von 200 Millionen längst Makulatur.

In der Begründung der Ratspolitiker für ihre Entscheidung wird der uralte Zusammenhang zwischen Verkehr und Wirtschaft deutlich. Nur wenn Straßen gebaut werden und der Verkehr fließen kann, kann wirtschaftliche Entwicklung stattfinden. Das ist aber aus mehreren Gründen falsch:

  • neue Straßen führen kurzfristig zu einer Entlastung weil der Verkehr sich auf eine größere Fläche verteilen kann. Langfristig aber füllen sich die neuen Straßen mit neuem Verkehr bis zu einem gewissen Verkehrs-Niveau. Dieses Niveau liegt je nach Fahrer unterschiedlich hoch, der eine ist resistent gegen Stau und plant diesen sogar in seine Fahrt ein, der andere sucht sich Ausweichstrecken oder gar ein anderes Verkehrsmittel. Dieser Stau wird dann wieder als Argument für neue Straßen hergenommen und so dreht sich der Teufelskreis aus Stau, neuen Straßen und Stau ständig schneller.
  • Die Wirtschaft braucht zur Entwicklung nicht ausschließlich nur  Straßen, vor allem keine neuen Straßen. Die Wirtschaft braucht ein Verkehrssystem, dass Transport von Waren und Rohstoffen zulässt und dass die Arbeiter morgens zur Fabrik bringt und abends wieder zurück. Dieses System muss aber nicht zwangsläufig nur aus Autos bestehen die auf Straßen fahren. Dazu gehört auch die Bahn, der regionale ÖPNV und das Fahrrad. Das haben unsere Politiker aber nicht begriffen.

Siehe dazu die Schlagwörter Rosensteintunnel und Neue Straßen.

Quotation markWikipedia: In English writing, quotation marks or inverted commas are punctuation marks surrounding a quotation, direct speech, or a literal title or name.

OB Kuhn und der Rosensteintunnel


Ebenso vehement wird allerdings auch gefordert, auf den Bau des geplanten Rosensteintunnels zu verzichten, da dieser für Zuffenhausen zusätzlichen Verkehr bringe. „Beim Rundgang als OB-Kandidat hat Kuhn gesagt, mit ihm werde es keinen Rosensteintunnel geben“, sagt Susanne Bödecker. Das hat sie sich, ebenso wie das Datum, den 27. Juli 2012, genau notiert. Mittlerweile, das wissen auch die Mitglieder der Initiative, ist diese Aussage relativiert worden. Der Gemeinderat hat im Herbst vergangenen Jahres nämlich den Bau beschlossen. Grundsätzlich, so Raab, operiere die Stadt beim Projekt Rosensteintunnel mit falschen Zahlen.

Quelle

Kleiner Pressespiegel


S21

Nun ist sie da, die mit Spannung erwartete Entscheidung des DB-Aufsichtsrats.

Manch einer denkt vielleicht, dass jetzt alles aus und vorbei ist. Aber ist es nicht eher so dass sich gar nichts geändert hat? Nach Merkels und Schäubles Persilschein wäre der Aufsichtsrat ja auch schön dumm gewesen, wenn er der Empfehlung weiter zu bauen nicht gefolgt wäre. Es ist zwar nicht die Aufgabe von Aufsichtsräten Politikermeinungen zu folgen aber das scheint bei diesem politische gewollten Projekt eh egal zu sein. Die von vielen Gegnern herbeigehoffte Ausstiegschance blieb – mal wieder – ungenutzt. Trotzdem –  und darüber soll Merkels Persilschein hinwegtäuschen –  steht das Projekt weiterhin vor zahlreichen Hürden. Und diese werden auch durch ein Machtwort der Kanzlerin nicht kleiner!

  1. Die ungeklärte Finanzierung (Abendblatt und Handelsblatt)
  2. Die ungeklärte Machbarkeit (Zur Erinnerung: PlusMinus – daran hat sich nichts geändert)
  3. Die ungeklärte Sinnhaftigkeit – Firmiert inzwischen auch unter Subventionsbetrug: Tagesschau

Die hysterischen Reaktionen der Beteiligten sind allerdings bemerkenswert.

Im Streit um die Mehrkosten sind wir inzwischen bei „Einklagen“, wobei das unseren Ministerpräsidenten nach eigenen Angaben nicht sonderlich beunruhigt. Ramsauer droht mit höheren Fahrpreisen.

Warum eigentlich Ramsauer? Wäre das nicht der Text von Herrn Grube? Dieser äußert sich wiederum mit Wahlkampf-Empfehlungen – Verkehrte Welt? Wer ist denn jetzt der Politiker und wer der Unternehmensvorstand?

Die Bahn gilt doch als eigenwirtschaftliches Unternehmen – jedenfalls immer dann, wenn es an Transparenz mangelt. Nun, wie wenig Herr Ramsauer insgesamt von seinem Ressort versteht, hat „Der Freitag“ etwas ungehalten zusammengestellt. Der SPD würde man zwar nicht zutrauen, dass sie es besser könnte – die Ramsauer-Schelte liest sich trotzdem schön:

Auch die Äußerungen des Aufsichtsrats muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Da wissen wir doch, dass das Projekt vor allem beim Brandschutz erhebliche Mängel aufweist – und der Aufsichtsrat bezeichnet das als „Lametta“. Haben die Herren wirklich nicht mitbekommen, dass BER an eben diesem „Lametta“ gescheitert ist? Gut, bei BER hat man offenbar vieles nicht mitbekommen, sonst hätte man nicht ausgerechnet Hartmut Mehdorn zu Chef gemacht. Die „Zeit“ ist zwar der Ansicht, dass es gute Gründe für diese Wahl gibt – interessanterweise führen sie als Erstes an „Mehdorn hat nichts zu verlieren“. Für Menschen mit Humor schreibt der Postillon: „Angesichts der zahlreichen Pannen und Verzögerungen beim Bau, hat eine große Mehrheit der Bevölkerung angenommen, dass Hartmut Mehdorn schon längst Chef des Flughafens sei“.

Übernommen aus einem Rundschreiben der Infooffensive.

Wie geht es jetzt weiter? Die Frage der Finanzierung und der Machbarkeit sind natürlich nicht vom Tisch. Zusätzliches, neues Geld kann man sich besorgen, entweder vom Kunden (siehe oben) oder von Investoren, so wie in Italien beim Großprojekt Sizilienbrücke. Die interne Abschätzung, dass man die Mehrkosten nicht einklagen kann macht eine solche Lösung mit Hilfe von Investoren nur wahrscheinlicher. Aber ist das wirklich die Lösung? Die technischen Probleme bleiben. Und die lassen sich auch mit noch mehr Geld nicht lösen. Stattdessen wird erst einmal weitergebaut, über die Kosten kann man später reden. Und wer sagt denn, dass die 6,8 Milliarden überhaupt ausreichen? Angeblich schwirren ja schon intern bei der Bahn Zahlen von weit als 10 Milliarden herum, nur das will natürlich niemand zugeben, erst Recht nicht so kurz vor der Bundestagswahl.

Alarmbereitschaft


Fritz Kuhn hatte noch vor ein paar Tagen appelliert, dass es keine neuen Baumfällungen mehr geben soll. Wir haben danach schon fast aufgeatmet, dass jetzt wenigstens die restlichen Bäume im Rosensteinpark geschützt sind. Die Arbeiter von Hölscher und Hydromontage sind aber natürlich nicht weggefahren sondern haben angefangen, ihre blauen Rohre in den Wohnvierteln zu errichten. Das hat aber nicht lange vorgehalten.

Aufgrund Dr. Angela Merkels und Dr. Wolfgang Schäubles Persilschein für S21 werden die Bauarbeiter jetzt wieder von diesen Baustellen abgezogen und noch einmal im Rosensteinpark eingesetzt um dort in den letzten Tagen des Februars noch einmal richtig Tabula Rasa zu machen. Für Montag morgen sind Baumfällungen angekündigt worden. Es ist die Rede von 17 Bäumen, es wird aber befürchtet, dass weit mehr als 50 Bäume gefällt werden. Ein Baum gilt erst ab einem Stammumfang von 60 Zentimetern als Baum. Mit 60 Zentimetern Umfang (entspricht ungefähr 20 Zentimeter Durchmesser) ist ein Baum aber schon sehr hoch und mächtig.  Hier die Karte des gefährdeten Bereichs. Es wird vermutet, dass der Bereich an der Ehmannstraße (Karte) freigemacht werden soll um im Frühjahr und Sommer die Ersatzstraße (hellblau) in den Park verlegen zu können.

Rosenstein-2

Auch das zweite Damoklesschwert, der Rosensteinautotunnel, schwebt weiterhin über dem Rosensteinpark. Am Neckarhang werden derzeit noch keine Fällungen erwartet. Allerdings heißt es auch hier: wachsam sein und oben bleiben!

Rosenstein1

Die Bilder sind von Klaus Gebhard erstellt worden.

Es wird mit einem massiven Einsatz von Polizei gerechnet. Wenn am Wochenende nicht die große S21-Endstation-Demo und weitere Demos anlässlich der Zerstörung von Pforzheim im zweiten Weltkrieg gewesen wären, hätten die Arbeiten wahrscheinlich schon früher beginnen können.

Speichern Sie die Nummer des Alarmtelefons der Parkschützer in Ihr Telefon ab, die Nummer finden Sie hier.

Achten Sie auf verdächtige Fahrzeuge von Firmen, die Namen finden sie in den aktuellen Beiträgen auf Parkschützer

Weiterhin ist zu beachten, dass es im Bereich der Willy-Brandt-Straße zu Lärmbelästigungen kommen kann, rund im die Uhr!

Fotos der gefährdeten Bäume im Rosensteinpark


Bericht von Alice in BAA

Wolfgang R. war heute unterwegs, um die von der nächsten Fallaktion der Bahn gefährdeten Bäume entlang der Ehmannstraße und im Landschaftsschutzgebiet Rosensteinpark zu fotografieren.

Klicken Sie sich hier durch die Fotogalerie.

Mir blutet das Herz bei dem Anblick, was für die „teuerste Sch…idee aller Zeiten“ (Zitat Heute-Show) auf dem Spiel steht.

Siehe auch BAA-Artikel „Bahn kündigt offiziell Baumfällungen am/im Rosensteinpark an“. Dabei hat Fritz Kuhn noch vor ein paar Tagen darum gebeten, dass es keine weiteren Fällungen geben soll. Aber aus gutem Grund wird weiter gesägt, denn jeden Baum, den man jetzt fällt, den Zentimeter Rohr, den man jetzt verlegt, muss man in Zukunft nicht mehr verlegen. Man rüstet sich quasi für die Stimmung zur Mehrkostenübernahme des Aufsichtsrats.