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Ganz hinten anstellen – Stuttgart erneut Stauhauptstadt


Wie die StZ berichtet wurde Stuttgart erneut zur Stauhauptstadt gewählt, diesmal vom Verkehrsinformationsdienst Inrix. Nahezu doppelt so viel Zeit verbringen Stuttgarter Autofahrer im Stau wie der deutsche Durchschnitt. Dabei sind die im Stau verbrachten Stunden 2013 im Vergleich zu 2012 um 5 gesunken, auch 60 Stunden insgesamt. Der deutsche Durchschnitt steht nur 35 Stunden im Stau.

Selbst in der Millionen-Metropole Berlin (Platz 22) stehen Autofahrer nur 20 Stunden im Stau. Auch die Freiburger im beschaulichen Breisgau müssen immerhin noch 31 Stunden im Stau stehen und landen damit auf Platz 15.

Allerdings werden solche Aufstellungen von Verkehrsexperten in Zweifel gezogen, denn Städte lassen sich aufgrund Größe, Verkehrsaufkommen und Straßensituation nicht miteinander vergleichen. Trotzdem könne man von anderen Städten durchaus lernen und erfolgreiche Konzepte kopieren, so die Experten.

Zu beachten sind hier auch die Kommentare der Leser:

Die B14, B10, Heilbronner Strasse, Theodor-Heuss-Strasse, etc. sind beste Beispiele. Die Stuttgarter Verkehrsplanung hat es nicht geschafft, sinnvoll den Verkehr um den Talkessel zu lenken und somit auch den Talkessel als einzigartige naturnahe Stadt aufzuwerten. Stattdessen wurden Einfallschneisen geschaffen, die den Verkehr bis ins Unerträgliche anziehen. Das Neckartor ist nur einer von vielen Problemstellen in Stuttgart. Viele Städte haben erkannt, dass viel Verkehr auch erhebliche Einbussen in der Lebensqualität mit sich bringt. Daher werden dort, wie in München der mittlere Ring, Straßen in den Untergrund verbannt und dadurch Stadtteile aufgewertet. Stuttgart geht einen Weg der Mittelklasse und der Lethargie, indem man erhofft, durch ein paar LED-Anzeigen den Feinstaub zu reduzieren. Pure Naivität und eine Alibi-Aktion, wie viele. Nur der Rückbau der Strassen und die drastische Reduzierung des Individualverkehrs sowie der Ausbau eines hochvernetzten ÖPNV’s kann weniger Feinstaub und mehr Lebensqualität in Stuttgart bringen. Diese Schritte sind seit Jahrzehnten überfällig. Stuttgart muss sich daher von dem Ansatz der autogerechten Stadt verabschieden und sich wieder mehr auf Lebens- und Aufenthaltsqualität fokussieren. Das bedingt dann auch automatisch die Reduzierung des Feinstaubes als Folge mit sich.

Schreibfehler und fehlende Worte wurden ergänzt bzw. verbessert und die Verknüpfung zu den LED-Anzeigen wurde dem Kommentar hinzugefügt.

Diesem Kommentar können wir nur zustimmen.

In einem weiteren Kommentar werden wieder die Untertunnelung der vorhandenen Straßen erwähnt und auch die Nord-/ Ostumfahrung Stuttgart und die Filderauffahrt ins Spiel gebracht.

Deshalb müssen wir ergänzen, dass auch die Verlagerung der Straßen unter die Erde (Stichwort Rosensteintunnel oder der oben genannte innere Ring in München) nicht die Lösung des Verkehrsproblems und der damit verbundenen Auswirkungen wie Feinstaub oder Stau oder Lärm sind. Nur die Einschränkung des motorisierten Individualverkehrs an sich können diese Probleme lösen.

Informationen zur Nord-/ Ostumfahrung finden sie hier:

Informationen zur Filderauffahrt finden sie hier:

Neue Straßen als Mittel zum Klimaschutz?


Sind neue Straßen ein (oder das) Mittel zum Klimaschutz?
Müssen wir neue Straßen bauen, damit der zunehmende Verkehr schneller fahren kann und weniger oft im Stau steht?

In der aktuellen Liste des Luftreinhalteplans sind neue Straßen und Tunnel immer noch als Maßnahmen enthalten, so zum Beispiel die Filderauffahrt von Hedelfingen aus (M20), der Neubau eines Straßentunnels unter der B14 innerstädtisch (M18) und die Nordost-Umfahrung M19. Auch das Neckartor soll langfristig umgebaut werden, um den Verkehrsfluss zu optimieren (M21). Der Rosensteintunnel ist hier als begonnene/ umgesetzte Maßnahme enthalten (M16).

Die Verlängerung der S-Bahn-Züge wird dagegen als nicht wirtschaftlich eingestuft (M8), auch die Entstaubung der Luft aus bestehenden Tunnels ist nicht wirtschaftlich (M23).

Dieses anachronistische Denken zu Gunsten des motorisierten Individualverkehrs ist nicht hinnehmbar. Herr Dr. Reutter, der gleiche Dr. Reutter, der im Amt für Umweltschutz die Abteilung für Stadtklimatologie leitet auf dessen Seite diese Maßnahmenliste steht, schreibt an anderer Stelle auf dieser Seite:

Die Messstelle „Neckartor“ hat im Vergleich den höchsten lokalen Belastungsanteil und den höchsten Anteil „verkehrsbedingte Belastung“. An allen Messstellen hat der Straßenverkehr den größten Anteil an der Gesamtbelastung teilweise mit großem Abstand.

Daraus folgt, dass nur eine erhebliche Reduktion des Verkehrs eine Verbesserung der Luftschadstoffe bewirkt. Dann brauchen wir aber keine neuen Straßen mehr. Das ist mehr als paradox!