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Jugendaktionskongress 2013 in Tübingen


Der diesjährige Jugendaktionskongress findet vom 29. Okt. bis zum 3. Nov. in der Albert-Schweizer-Realschule in Tübingen statt. Es gibt Konzerte, Aktionen und mehrere Arbeitskreise zu dem Thema Mobilität im weitesten Sinne, also in der Gesellschaft, Umwelt und Verkehr.

Unter anderem wird der Landesverkehrsminister Winfried Hermann zu einer Diskussion erwartet.

Teilnahmebedingungen, die Themenübersicht und weitere Hinweise gibt es bei der Landesjugend des BUND oder auf der Seite des Aktionskongresses.

Gleisgewurschtel ist garnichts dagegen!


Hier der Bericht der Baumpaten zur gestrigen Sitzung des Bezirksbeirats Mitte, in der die Planung für die Bauarbeiten im mittleren Schloßgarten vorgestellt wurde. Lest den Bericht der Baumpaten, am besten zweimal. Das Gleisgewurschtel ist gar nichts dagegen. Besonders interessant ist die Planung im Hinblick auf den Radverkehr. Der obere und mittlere Schloßgarten, der F.-Leitner-Steg und die Brücke zum unteren Schloßgarten sind Teil des Tallängsweges, zu erkennen hier als dicke blaue Linie in der Karte.

In der Planung scheint der Radfahrer aber nirgendwo aufzutauchen. Stattdessen gibt es Unterführungen, Brücken, aufgeständerte Wege, eingehauste Wege, unterbrochene und verlegte Wegeführungen… Dürfen wir also demnächst mit dem Fahrrad auf der Willy-Brandt-Straße fahren? Wohl eher nicht, denn die Willy-Brandt-Straße ist Teil der Teil der B14, damit eine Autostraße. Die seitlichen, durch dicke weiße Streifen abgetrennten Abbiegespuren (vor dem Hotel Le Meridien zum Beispiel), die ebenerdig über die Kreuzungen führen, sind zwar nicht Teil der B14 und dürfen damit von Fahrradfahrern benutzt werden, allerdings ist es aufgrund des schnellen Verkehrs, Spurwechseln und der schlechten Luft nicht gerade empfehlenswert.

Wir haben im Jahr 2012, als im Schloßgarten wieder mal Bäume gefällt werden mussten, an die Stadt Stuttgart geschrieben und diese Karten erhalten.

Der Fussgänger soll also die Willy-Brandt-Straße benutzen, denn der parallel zum Wagenburgtunnel verlaufene Aufstieg zur Urbanstraße wird spätenstens mit Abriss der Neckarrealschule auch abgerissen. Der Radfahrer soll die Baustellen großräumig umfahren und die Urbanstraße benutzen, fortgeführt dann über die Neckarstraße. Das ist aus Sicht der BI Neckartor allerdings nicht praktikabel, da es vor allem auf der Neckarstraße sehr viel Verkehr gibt und es sehr eng ist. Gerade wenn auf der B14 mal wieder Stau ist, wird die Neckarstraße gerne als Ausweichroute benutzt, besonders gerne von LKW, beispielsweise Betonlaster von Godel, die in den Untertürkheimer Hafen ins dortige Betonwerk fahren und seit neuestem auch von Bussen der SSB, die nach Fahrtende ins Depot Ost fahren.

Aber auch die Route über die Urbanstraße birgt einige Zwangsstellen, die Urbanstraße ist an der Ausfahrt zum Kernerplatz eine Einbahnstraße, die die Fahrradfahrer zwar auch in Gegenrichtung befahren dürfen. Aber aufgrund von Falschparkern, die aus Sicht der Radfahrer rechts halb auf dem Bürgersteig, halb auf der Straße parken, muss der Radfahrer hier in den Gegenverkehr der Autos fahren. Dort wird es dann sehr eng. In Gegenrichtung sieht es ein bisschen besser aus, aber so mancher Radfahrer wird sich beim Anblick der Steigung in der Schubartstraße/ Werastraße schon fragen, ob das ernst gemeint ist.

Wir dürfen uns also auf turbulente Zeiten freuen.

Aktualisiert: siehe auch Schwarzwälder Bote und Stuttgarter Zeitung

Dicke Luft 2


Damit es in deutschen Städten nicht so aussieht wie hier in Asien hat sich jetzt die Europäische Union dem Thema Luftschadstoffe angenommen. Die deutschen Städte, insgesamt 33, werden jetzt gezwungen etwas gegen die hohen Werte zu tun. Es ist die Rede von Fahrverboten für bestimmte Fahrzeuge, Ausweitung von Umweltzonen und höheren Parkgebühren. Artikel dazu sind hier, hier oder hier nachzulesen.

Komisch, von einer Erweiterung des Angebots im ÖPNV, von höher getakteten Bussen und Straßenbahnen, von einer Verbesserung des Fahrradverkehrs oder von einer Verbesserung der fussläufigen Nahversorgung spricht in dem Zusammenhang niemand. Es ist immer nur von Fahrverboten für alte Autos (Umweltzone) die Rede. Das Grundproblem für die hohen Luftschadstoffwerte ist der Verkehr und das dieser viel zu günstig ist, aber dieses Problem soll nicht an der Wurzel gepackt werden. Die Bewohner der Städte sollen ruhig weiterhin mit dem Auto in die großen Einkaufszentren oder zur Arbeit fahren – aber eben bitte mit den modernsten und neuesten Autos, die der Markt bietet. Immerhin ist schon mal von höheren Parkgebühren in den Innenstädten die Rede. Das würde den Kauf eines Fahrscheins für den ÖPNV wenigstens etwas attraktiver machen.

Der ökologische Fussabdruck, also das Maß für den Verbrauch an Ressourcen und Fläche, der Deutschen enthält 22% Anteil für Mobilität. Insgesamt verbrauchen wir Deutschen 4,2 gha bis 4,6 gha [globale Hektar, 1gha = 10.000 gm²] (Quelle Greenpeace bzw. aus Wikipedia).

Wolfgang Pekny, Footprint-Projektleiter bei Greenpeace Zentral und Osteuropa:

Ein Flug von 100 km ergibt etwa 80 globale Quadratmeter (gm 2 ) * pro Person, eine Fahrt auf gleicher Strecke mit dem Pkw 50 bis 60 gm2. Umweltschonender sind Dieselfahrzeuge mit einem Verbrauch von 40 bis 50gm2.

Verbrauchsarme Motoren bringen für Wolfgang Pekny der Umwelt wenig Vorteile, wenn nur der Fahrer im Wagen sitzt. Das ist jedoch meist die Regel, obwohl drei bis sechs weitere Personen Platz hätten.

„Der Ressourcenverbrauch durch Mobilität könnte bereits durch die Mitnahme eines einzigen Passagiers halbiert werden“

rechnet der Greenpeace- Experte vor. Leider wird das aber in der Praxis kaum bedacht.

Pleiten, Pech und Pannen am Innovationsstandort Deutschland


S21, die Hamburger Elbphilharmonie, der Berliner Flughafen BER, … überall laufen die Kosten und der Terminplan aus dem Ruder, der Pfusch ist nicht zu verstecken und die Klagen Betroffener schweben wie ein Damoklesschwert über den Projekten. Der Kommentator Pit Wuhrer der Schweizer Wochenzeitung aus Zürich sieht die Entwicklung mit Ursprung in der Nachwendezeit vor allem in der Sparpolitik.

  1. Die Privatisierungswelle in der Nachwendezeit und das Wegsparen von Kompetenzen
  2. der Zwang, immer den billigsten Anbieter zu nehmen und
  3. das Streben der Wirtschaft nach immer höheren Renditeziele

führten dazu, dass immer mehr Bauprojekte den Bach hinunter gingen.

Kann das das Ziel der Kanzlerin sein? Ist es das, was sie mit „Deutschlands Zukunftsfähigkeit“ meinte? Es ist wohl eher die „marktkonforme Demokratie“ (Kontext) a la Merkel, die gemeint ist.

Fakt ist, dass S21 nicht eine „Frage von europäischer Bedeutung“ ist sondern nur die Spitze eines sehr viel schwereren Eisbergs, dessen Dimensionen wir gar nicht einschätzen können, meint der Autor der Zeitung der Freitag. Die Kosten von wahrscheinlich 11 Milliarden sind eine gewaltige Subvention für die Bauwirtschaft, die Banken, die das Geld verteilen und die Bahn. Die Bauprojekte im Dunstkreis von S21 sind aber in Summe um ein Vielfaches größer. Da wäre als erstes das Milaneo zu nennen, der SSB-Tunnel unter der Heilbronner Straße, das Wohnviertel Nordbahnhof, der Bücherknast, die Bebauung der Gäubahnstrecke mit lukrativen Villen und und und. Es geht nämlich garnicht um den Bahnhof, es ging noch nie nur um den Bahnhof sondern immer um ein Mega-Milliarden Immobiliendeal. Nur so ist zu erklären, dass gegen jeden vernünftigen Hinweis, gegen jedes Argument zu Kostensteigerung, Kapazitätsabbau und Geschichtsvernichtung weiter gebaut wird. Nicht der neue Bahnhof entscheidet über die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sondern die „systemrelevanten Finanzchaoten“ (der Freitag) in den Bankentürmen, die auf unsere Kosten eine neue „Party im Casino“ (der Freitag)  feiern.

Ein Fass ohne Boden


Aus einer Nachricht von Werner Sauerborn, Gewerkschafter gegen S21, die uns gerade erreicht hat. Die Bitte um Weiterleitung erfüllen wir gern.

Liebe FreundInnen,

Jetzt also 11,3 Mrd. Soviel soll Stuttgart 21 nach internen Berechnungen der Bahn am Ende kosten. Nicht die Spekulation eines aufgeregten Stammtischs von S 21 Gegnern, sondern Informationen von Anton Hofreiter, Nachfolger von Winnie Hermann als Vorsitzenden des Verkehrsausschusses des Bundestags (demnächst auf der MoDemo) und von Thomas Wüpper, den wir als verlässlichen Journalisten mit besten Infoquellen bei der Bahn kennen http://www.stuttgarter-zeitung.de/stuttgart21. Zu vermuten ist, dass die neuen Zahlen, die auch eine Bauzeitverlängerung bis mindestens 2025 implizieren, von der Fa. PWC PricewaterhouseCoopers stammen, die die Bahn zur externen Überprüfung der Kosten beauftragt hatte. Jetzt ist Feuer unterm Dach, Termine purzeln, auch die Baumfällungen im Rosensteinpark: erst einmal abgesagt (*). Als Hofnarr der Bahn tritt Herr Dietrich auf und verkündet, dies ändere nichts am Zeitplan und sei ein generöser Schritt auf uns zu:

BI Neckartor: Glasauge sei wachsam! Sich jetzt auf die faule Haut legen, ist das falsche Signal. Gerade jetzt müssen wir im Park Präsenz zeigen und auf der Hut sein!

„Uns ist eine Lösung im Dialog sehr wichtig“. Man fragt sich, was in dieser Lage Herr Kefer wohl in Stuttgart besprechen will, Montag mit dem Lenkungskreis, Dienstag mit den Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats, Landtags und Regionalparlaments? Bevor die Bahn sich nicht berappelt und auf eine Antwort verständigt hat, wird er außer Diavorträgen nichts sagen können. Und Weglächeln wird bei diesen Zahlen selbst bei hart gesottenen Prolern nicht mehr verfangen. Den Termin mit Kefer können sie sich sparen. Denn auf Kefer kommts jetzt nicht mehr an. Letztlich auch nicht auf Grube und den Aufsichtsrat, jetzt gehts ums Ganze, jetzt muss der Eigentümer der Bahn eingreifen und das ist der Bund, vertreten durch die Bundesregierung. Bemerkenswert hierzu: Hermann Abmayr in der aktuellen Ausgabe von http://www.kontextwochenzeitung.de/.

Also Merkel. Die hatte, ist schon länger her, die „Zukunftsfähigkeit Deutschlands“ von Stuttgart 21 abhängig gemacht. Wenn man es schon so hoch hängen will, dann stellt sich dieser Zusammenhang jetzt grad umgekehrt dar: Deutschlands Zukunftsfähigkeit hängt eher von der Beendigung von Stuttgart 21 ab. Denn dieses Fiasko, genauso das des kleinen Bruders Flughafen Berlin, passt so gar nicht zum Bild des europäischen Musterschülers Deutschland, mit dem Merkel gerade punktet. Schon bei einem Auftritt vor 2400 Unternehmern Anfang des Jahres in Villingen  http://www.welt.de/newsticker/news3/article112686867/Merkel-spricht-sich-fuer-grosse-Infrastrukturprojekte-aus.html klang es schon eher, als müsse Deutschland nicht mit, sondern trotz S 21 weiter in der Lage sein, Großprojekte zu bauen.

Schmid & Schmiedel & friends werden jedenfalls dumm aus der Wäsche gucken, wenn Merkel schneller springt als sie gucken können. Das hatten wir doch schon mal.

Eine Option haben sie alle zusammen jedenfalls nicht mehr: aussitzen und es soweit kommen lassen wie in Berlin, wo der Steuerzahler vollends der Betreibergesellschaft ausgeliefert ist. Die Konsequenz der Berliner Politiker, die jetzt die Zerknirschten geben ist: in Stuttgart aussteigen!

Und um den Reifungsprozess dieser Einsichten zu beschleunigen, machen wir weiter & mehr Druck, zum Beispiel um 18 Uhr jetzt am Montag 21. Jan., auf der 157. Montagsdemo auf dem Marktplatz. Danach Demo zum Wagenburgtunnel, denn es ist ein Jahr her, dass die Bäume vor dem Wagenburgtunnel unnötigerweise gefällt wurden. Gebaut wurde dort bis heute nicht.

Autos in der Stadt


Hier ist ein interessanter Artikel zum Thema „Besitzen junge Menschen wirklich weniger Pkw? Oder: Spaß mit Statistik“ zu finden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Altersklasse unter 40 Jahren in Stuttgart immer weniger Autos besitzt, die Alterklasse über 50 besitzt dagegen mehr Fahrzeuge als noch vor 10 Jahren, oft auch noch einen Zweitwagen. Das könnte durch geringere Einkommen und geringere Vermögen bei jüngeren Menschen und höheres Vermögen bei Rentnern erklärt werden, der demografische Wandel wird dies noch verstärken. Hinzu kommt sicher auch, dass das Auto heute nicht mehr so „DAS“ Statussymbol ist wie früher. Mit einem Auto fällt man heute nicht mehr auf, es braucht andere Dinge um sich von der Masse zu unterscheiden. Fahrräder, Uhren, Stereoanlage, Multimediageräte beispielsweise, das Auto ist dabei nur noch ein Fortbewegungsmittel von Vielen. Da wundert man sich dann auch nicht mehr, dass die großen Autohersteller so massiv in Elektromobilität, Gemeinschaftsautos (= „Car-Sharing“) und Multimedia-Anwendungen investieren. Diese richten sich nämlich vorallem an junge Menschen, deren ideelle Bindung eher zu ihrem mobilen Telefon besteht als zu ihrem Fahrzeug.

Danke an Carl vs. Karl für den Hinweis