Akzeptanz für Radfahrer?


Der Verkehr unterliegt gewissen Regeln, nicht nur der Autoverkehr, auch der Fuß- und Radverkehr. Einige Verkehrsteilnehmer und vor allem die Prollpresse sehen in den Radfahrern ja gern den Kampfradler, der andere bedroht, ständig zu schnell und rücksichtslos fährt und keinerlei Regeln beachtet. Sie fordern deshalb gerne das Kennzeichen für Radfahrer.

Dieses negative Bild des Kampfradlers wird gerade hier in Stuttgart leider noch dadurch verstärkt, dass viele Gehwege für Radfahrer freigegeben sind. Wir berichteten bereits darüber: Kein Raum für Radfahrer, Radfahren in Stuttgart. Andere Verkehrsteilnehmer sehen diese Freigaben nicht oder wollen sie nicht sehen/ akzeptieren, sie sehen nur den Radfahrer, der illegalerweise auf dem Gehweg fährt. Dass aber eben jene, die sich über gehwegfahrende Radfahrer beschweren, ihr Auto gerade illegalerweise auf dem Gehweg abgestellt haben, wird dann von diesen Personen blitzschnell ausgeblendet. Ja, sie werden teilweise sogar richtig aggressiv und beschimpfen den Radfahrer.

Ein anderes Ärgernis für nicht radfahrende Verkehrsteilnehmer und die Prollpresse ist, dass der Radfahrer „an keiner Ampel hält“. Das trifft zwar nur auf einen bestimmten (geringen) Anteil der Radfahrer zu, wird aber oftmals auf DEN Radfahrer verallgemeinert bzw. auf ALLE Radfahrer bezogen. Was ist an dieser Aussage dran?

  1. Zunächst einmal muss man feststellen, dass es Aufwand für den Radfahrer bedeutet, anzuhalten und den Fuß abzustellen, um nicht umzukippen. Weder für den Fußgänger noch für den Autofahrer ist es dagegen mit Aufwand verbunden, anzuhalten (wenn man mal vom dem erhöhten Treibstoffverbrauch beim Anfahren des Automobils absieht). Der zeitliche Verlust durch das Warten ist für alle Verkehrsteilnehmer vorhanden und wird nicht betrachtet. Für den Radfahrer bedeutet das Anfahren dagegen eine echte körperliche Anstrengung. Einige Radfahrer versuchen die Kraftanstrengung beim Anfahren etwas dadurch zu minimieren,  dass sie langsam auf die Ampel zufahren und bis zur Haltelinie rollen. So fällt zumindest das Anfahren aus dem Stand weg. Ähnliches sieht man auch bei Joggern an Ampeln, die an der Ampel wartend auf den Beinen herumhüpfen oder Kreise laufen.
  2. An wenig befahrenen Kreuzungen, die trotzdem beampelt sind, ignorieren einige Radfahrer die Rotsignale und machen den sogenannten Idaho-Stopp. Diese in Deutschland nicht geltende Regel stammt aus den USA, demnach darf ein Radfahrer die Schilder bzw. Signalanlagen, die ihn zum Halten zwingen um eine Kategorie heruntersetzen: das „Stopp“-Schild wird zum „Vorfahrt gewähren“-Schild und die rote Ampel zum „Stopp“-Schild (das heißt aber trotzdem immer noch: einmal kurz anhalten und einen Fuß auf den Boden!). In der Regel wird aber auch die rote Ampel wie ein „Vorfahrt gewähren“-Schild behandelt und langsam bis zur Haltelinie vorgerollt. Wenn dann kein Querverkehr kommt, aus dem Rollen antreten und weiterfahren. Befürworter dieser Regel argumentieren, dass der Radfahrer aufgrund seiner (im Vergleich zum KFZ/ LKW/ Motorrad) geringeren Geschwindigkeit und der (im Vergleich zum KFZ/ LKW/ Motorrad) besseren Übersicht über das Verkehrsgeschehen um ihn drumherum, den Verkehr wesentlich besser einschätzen kann. Gegner dieser Regel argumentieren, dass es so für den Autofahrer schwerer wird, das Verhalten querender Radfahrer einzuschätzen, Unfälle wären vorprogrammiert. Durch eine generelle Senkung der innerstädtischen Regelgeschwindigkeit auf 30 km/h ließe sich dieses „Problem“ aber zumindest abschwächen.

Weitere Regelungen die Ampel betreffend sind der Aufstellraum an der Haltelinie vor den KFZ und der aus Frankreich bekannte Gelb-Pfeil.

  1. An einigen Ampeln sind auch in Stuttgart bereits an der Haltelinie Aufstellräume für Radfahrer geschaffen worden mit einer seitlichen Fahrspur, um an der Autoschlange nach vorne durch fahren zu können.Das ist für Radfahrer sicherer, da sie so vor dem Auto, also im Blickfeld des Fahrers, stehen. Abbiegeunfälle sind damit weniger wahrscheinlich. Insgesamt ist zu sagen, dass Unfälle weniger werden, wenn Fahrradfahrer sichtbar im Verkehr unterwegs sind (sichtbar nicht im Sinne von hell leuchtenden Warnwesten, sondern im Blickfeld der Auto- und LKW-Fahrer). Aus diesem Grund übernehmen einige Radfahrer dieses nach vorne durchfahren auch für andere Ampeln, an denen kein solcher Aufstellraum mit seitlicher Fahrspur vorhanden ist.

    Beispiel aus Karlsruhe

    Viele Radfahrer werden allerdings bestätigen, dass es für so manchen Autofahrer ein echtes Problem darstellt, hinter einem Fahrrad her zu fahren. Wenn dieses, gerade überholtes, Fahrrad dann an der nächsten Ampel wieder vorfährt (und dann auch noch wie auf dem Bild oben zu mehreren in einer Reihe steht), dann kann das echt lästig werden. Entsprechend versuchen einige Autofahrer das Nach-Vorne-Durchfahren zu verhindern, indem sie ganz rechts am Bordstein stehen bleiben.

  2. In Frankreich gibt es seit 2012 den gelben Pfeil für Radfahrer, der im Prinzip unserer Grün-Pfeil-Regelung entspricht. An fast 2000 Kreuzungen in Paris darf der Radler bei Rot weiterfahren (gerade aus oder rechts abbiegen), wenn er unter der rechten Pedale konstant eine Bordsteinkante hat, wenn er also keinen Autoverkehr kreuzt. Natürlich muss weiterhin der Fußverkehr beachtet werden. Deshalb werden auch in Deutschland die Argumente für diese Regelungsänderung immer lauter vorgetragen.

Diese Regelungen sind, auch wenn sie eigentlich gar nicht offiziell gelten wie der Idaho-Stopp oder der gelbe Pfeil, begrüßenswert und gehören dringend umgesetzt.

Was wir hier in Stuttgart aber wirklich dringend brauchen ist eine Akzeptanz-Debatte. Was nützen all diese Regelungen, wenn die übrigen Verkehrsteilnehmer der Autofahrer sie nicht akzeptieren akzeptiert und sogar ignorieren ignoriert? Wenn der Radfahrer trotz dieser Regelung bedrängt und behindert wird, wenn die eigenen Fehler nicht gesehen und ausgeblendet werden und nur der Radfahrer der Böse ist?

Was wir außerdem dringend brauchen, ist eine konsequente Umsetzung der bestehenden Regelungen der Straßenverkehrsordnung durch Polizei und Ordnungsamt. Und das ist natürlich nicht nur auf den Autofahrer sondern auch auf den Radfahrer bezogen, der natürlich kein liebevoller Engel ist, aber eben auch kein Kampfradler.

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2 Antworten zu “Akzeptanz für Radfahrer?

  1. Ein Kommentar von einer Leserin namens Ingeborg hat uns erreicht:

    Ich hätte einen viel besseren Vorschlag. S 21 sofort stoppen. Schlosspark aufforsten. Rosensteintunnel stoppen. Einen Ring um Stuttgart bauen wie in München. Alle Gebäude hinter dem Hauptbahnhof abreissen! Keine Frischluftschneisen zubauen. Alle Bäume die in Stuttgart gefällt wurden ersetzen. Öffentliche Verkehrsmittel Preise senken. Dann ist der Feinstaub weg! Alles andere ist Larifari! Parkhäuser bauen für Radler. Wo soll man die hinstellen wenn man einkaufen geht?
    > Meine Konsequenz: ich meide die Stadt. Gehe Kaffee trinken ins Siebenmühlental und bummle in Tübingen. Die OB ’s haben die Stadt versaut. Blos ! Bald sind die in Rente. Die wohnen nicht da wo Feinstaub ist. Beziehen eine gute Rente und das dumme Volk darf Feinstaub einatmen. Schuster geht es gut hat sogar für seine Verdienste den Professor verliehen bekommen.
    Ursachen bekämpfen heisst die Devise wie bei den Flüchtlingen. Immer dasselbe.

  2. Pingback: Dreckhauptstadt Stuttgart | Neckartor Bürgerinitiative

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