Feinstaubalarm paradox


Es gilt immer noch Feinstaub-Alarm, wahrscheinlich noch bis Ende dieser Woche, das wäre dann die längste Alarmphase überhaupt.

Das bedeutet, dass Autofahrer auf den öffentlichen Verkehr umsteigen sollen. Um dies zu begünstigen, darf jeder erwachsene Umsteiger einen Einzelfahrschein zum Kinderpreis kaufen. Das gilt aber nicht nur für die morgendlichen Pendler sondern natürlich auch für Touristen, die zum Beispiel zum Weihnachtsmarkt oder zum Einkaufen nach Stuttgart fahren. Wer aber außerhalb des VVS-Gebiets wohnt und nach Stuttgart fahren möchte, kommt nicht in diese Vorzüge, da der Feinstaubtarif der Preisstufe Kind nur im VVS gilt, aber nicht im Regionaltarif der deutschen Bahn. Die Fahrkartenautomaten der Bahn weisen zwar auf den Feinstaubalarm hin und dass man ein Kinderticket kaufen kann, sie verkaufen diese Tickets aber nur im VVS-Gebiet. Das bedeutet im Klartext, dass man an der Zonengrenze aussteigen muss, ein neues VVS-Ticket kaufen muss und dann kann man mit dem nächsten Zug weiterfahren *. Dass das niemand machen wird, dürfte selbst Autofahrern klar sein. Wer also von Mannheim, Karlsruhe, Aalen oder Ulm nach Stuttgart kommt, wird in den seltensten Fällen den Zug nehmen, obwohl von diesen Städten Regionalexpresszüge nach Stuttgart fahren, sondern mit dem PKW fahren. Umgekehrt ist es relativ einfach, Kinderticket bis zur Zonengrenze lösen, ab der Zonengrenze ein Regionalticket bis zum Zielbahnhof lösen. Und das alles von ein und demselben Automaten an jedem x-beliebigen Bahnhof im VVS-Gebiet. Nur umgekehrt (Richtung Stuttgart) wird daraus eine Odyssee.

(*) Ob der mobile Kauf per Web-Anwendung (das sogenannte Handy-Ticket) für Kunden außerhalb des VVS möglich ist, können wir nicht prüfen. Aber wer das wegen der möglichen Gefahr einer Ausspähung persönlicher Daten oder wegen anderer Sicherheitsbedenken nicht möchte oder nicht kann, weil das entsprechende Mobilgerät fehlt oder diese Möglichkeit gar nicht in Betracht zieht, weil bei ihm in der Kommune der Stuttgarter Feinstaubalarm kein Thema ist, der wird letztendlich dann doch das Auto benutzen.

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Demoaufruf für giftfreie Atemluft in ganz Stuttgart


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Feinstaubalarm – Maßnahme zum Gesundheitsschutz oder politischer Aktionismus ?


Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Ziele des Feinstaubalarms wurden nicht erreicht. Der EU-Grenzwert für PM 10 kann auch im Jahr 2016 trotz sehr günstiger Wetterbedingungen im Jahresverlauf nicht eingehalten werden.
  • Die Erkennung von Alarmierungssituationen war unzuverlässig. Bis zum Oktober 2016 wurde bei 40 Tagen mit Grenzwertüber-schreitung nur an 19 Tagen tatsächlich Alarm ausgelöst. Die ausschließliche Fixierung der Alarmkriterien auf die meteorologische Situation ohne Berücksichtigung der tatsächlichen Messwerte hat sich nicht bewährt.
  • Der Alarm ist nur auf die Konzentration von PM10 ausgerichtet. Andere Schadstoffe wie NO2 oder Ozon bleiben außen vor, obwohl insbesondere bei NO2 die EU-Grenzwerte noch wesentlich deutlicher überschritten werden als bei Feinstaub.
  • Massive Gesundheitsprobleme gibt es auch unterhalb der von der EU vorgeschriebenen ‘politischen‘ Grenzwerte, d.h. Maßnahmen wie die Alarmierung, die nur auf die Einhaltung der EU-Grenzwerte ausgerichtet sind, können das grundsätzliche Schadstoff-Problem nicht lösen. Im Übrigen tragen hohe Schadstoffkonzentrationen auch zur Klimaerwärmung bei.
  • Noch feinere Stäube wie PM2,5 oder Ultrafeinstäube werden nicht berücksichtigt und noch nicht einmal gemessen, obwohl die Gesundheitsgefahr steigt, je kleiner die Partikel sind. Moderne Motoren stoßen gerade im untersten Größenbereich ungefiltert besonders viele Feinstaubpartikel aus.
  • Der Alarm und die Maßnahmen sind sehr stark auf die Stadt Stuttgart ausgerichtet. Es ist aber der gesamte Ballungsraum betroffen, wie die Messwerte zeigen.

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Wahnsinn Mobilität


Wenn man sich im Bekanntenkreis unterhält, kommt irgendjemand mit Sicherheit auf das Thema Verkehr zu sprechen. Die Staus in Stuttgart und Umgebung sind sowieso in aller Munde, aber oft genug beschweren sich Autofahrer, Radfahrer oder Fußgänger über einen der jeweils anderen und stellen deren „Vergehen“ in drastischen Worten dar. Dabei wird auch Hass und Abscheu geäußert.

Wenn man also beispielsweise als Ausländer nach Stuttgart kommt, dann könnte man meinen, dass hier ein Bürgerkrieg ausgebrochen ist und die Parteien auf der Straße um ihre Vormachtstellung kämpfen. Woran liegt das?

Psychologen wie der Stuttgarter Verkehrspsychologe Hans J. Schulz (in der Ausgabe 04/15 des Stadtmagazins Lift) sprechen in dem Zusammenhang vom mangelnden Perspektivenwechsel bzw. fehlendem Einfühlungsvermögen. Weil beispielsweise die Fahrgäste morgens in der Straßenbahn so sehr mit sich selbst, ihrem mobilen Internet-Gerät, ihrer Zeitung oder ihrem Tagesgeschäft beschäftigt sind, herrsche an den Türen der Bahn regelmäßig ein großes Gedränge, so der Psychologe Schulz. Er sieht das nicht als absichtliche Rücksichtslosigkeit sondern als fehlende Achtsamkeit.

2010-02-11-vag-markierung-pl3-grossSchulz überträgt dies auch auf Raser, die zu schnell fahren. Bedingt durch den Wohnzimmereffekt in modernen Großlimousinen nehmen Fahrer die Geschwindigkeit ihrer Fahrzeuge nicht mehr so wahr wie beispielsweise noch vor 30 Jahren in einem Käfer oder einer Ente. Diese Fahrzeuge waren auch im Innenraum laut, es war im Winter kalt und feucht im Auto, es gab nur ein kleines Radio mit einem oder maximal zwei schlechten Lautsprechern und man spürte in den Sitzen jedes Schlagloch. Und weil im heutigen Verkehr schlechtes Verhalten wie Raserei kaum noch geahndet wird, nehmen die Fahrer ihren Zeitgewinn, der aber oft genug nur vermeintlich im Kopf existiert und mit der Uhr gar nicht nicht messbar ist, als Belohnung, als Glücksgefühl wahr. Hinzu kommt außerdem, dass bei Berufsfahrern mit der Zeit eine Routine entsteht, die mögliche Gefahrensituationen ausblendet. Und wer mit Stress, Minderwertigkeitskomplexen oder Ängsten vorbelastet ist, der nimmt das Fahrzeug als Mittel um Aggressionen abzubauen oder um aufzufallen. Und dabei wird bewusst oder unbewusst die Schädigung anderer in Kauf genommen.

Radfahrer und Fußgänger sind als schwächere Teilnehmer im Verkehr die Leidtragenden von solchen Ausschweifungen, sie geben die Aggression der Autofahrer aber gern an diese wieder zurück. Die Einstellung „Alles Idioten außer mir!“ trifft auf viele Verkehrsteilnehmer zu. Dass man aber selbst auch Fehler macht, geben nur wenige gern zu, lieber sucht man den Fehler bei anderen.

Studien haben gezeigt, dass man Mobilität mit mehr Rücksicht durch das Weglassen von Regeln erreicht. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass der deutsche Verkehr überreguliert ist, dass es zu viele Regeln gibt. Der berühmte Schilderwald ist der Begriff, der dies in einem Wort zusammenfasst.

Die Tübinger Straße in Stuttgart ist dafür kein gutes Beispiel, hier hat die Aufhebung der Fahrbahn als Spur für den rollenden Verkehr um einen sogenannten Shared Space (in der Schweiz heißt das Begegnungszone, der deutsche Begriff Spielstraße trifft bei einer hauptsächlich durch Läden und Geschäfte geprägten Straße mit Parkplatzsuchverkehr nicht zu) zu errichten, zu Anarchie geführt. Die Tübinger Straße zeigt also, dass es auch in einem Raum mit wenig oder ganz ohne Regeln immer noch eine ordnende Hand braucht, die eingreift. Dass sich jemand das Recht heraus nimmt, auf dem Gehweg zu parken, kann passieren. Die Gesellschaft muss dann aber so stark sein, diesen Regelverstoß entweder durch Strafen (zum Beispiel durch ein Ordnungsgeld, verhängt von der Polizei oder dem Ordnungsamt) zu ahnden oder durch Ausgrenzung zu reglementieren. Einem Fahrer mit besonders auffälligem, lautem oder schnellen Fahrzeug hinterher zu schauen oder gar zu winken oder dergleichen, bestätigt diesen und sein Verhalten, er fühlt sich glücklich und wird sein Verhalten dann wiederholen. Wenn er dagegen nicht mehr auffällt und bestätigt wird, verliert das Verhalten das anschließende Glücksgefühl. Bestätigend wirkt zum Beispiel auch, dass man als Autofahrer in manchen Geschäften die Parkgebühren bei einem Einkauf erstattet bekommt. Wenn dies wegfällt, und man stattdessen für den Parkplatz bezahlen muss, wird man in diesem Geschäft nicht mehr einkaufen und stattdessen die fußläufig in der Nachbarschaft gelegenen Geschäfte aufsuchen. Die Erstattung von Parkgebühren, die Brötchentaste und das kostenlose Parken in Einkaufszentren fördern also Autofahren. Nur durch die Ausgrenzung von Autofahrern und die Wegnahme von Vorteilen für Autofahrer wird man also Verständnis für Radfahrer und Fußgänger erzeugen können.

erster Feinstaubalarm 2016


Angesichts des ersten Feinstaubalarms im Herbst/ Winter 2016 überschlagen sich derzeit die Meldungen und Pressemitteilungen.

Den Anfang machte der Haus- und Grundbesitzerverein Stuttgart mit einer eigentlich relativ alten Meldung, die in der StZ und beim SWR bereits im März diesen Jahres und dann im hauseigenen Mitgliedermagazin im Mai noch einmal veröffentlicht wurde. Weiterlesen

Ein Radwegkonzept, dass nicht funktioniert


Die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg wollen den Radverkehr stärken. Das funktioniert aber nicht immer auf Anhieb. So wie beispielsweise im Schloßgarten. Für viel Geld hat man bereits vor einigen Jahren an den Einfahrten zum unteren Schloßgarten Grünbrücke, Kreuzung Salucci-Allee und Mendelsohn-Bartholdy-Allee Fahrbahnmarkierungen aufgemalt, die jetzt vor kurzem noch einmal nachgemalt wurden. Weiterlesen

Maßnahmen im Luftreinhaltekonzept


Pressemitteilung des VCD Stuttgart und KUS zum Luftreinhalteplan, anläßlich der kommenden Verkehrsministerkonferenz (Unten als PDF-Datei zum herunterladen):

Am 27. September haben Vertreter des Landesverkehrsministeriums erste Ergebnisse des Wirkungsgutachtens zur Luftreinhaltung im Umwelt- und Technikausschusses des Stuttgarter Gemeinderats vorgestellt. Ergebnis: Weder Stadt noch Land haben ein Konzept, die seit 2005 für Feinstaub und seit 2010 für Stickoxide bestehenden Grenzwerte einzuhalten. Weiterlesen