Dreckhauptstadt Stuttgart


OB Kuhn kann einem manchmal wirklich leid tun.

Auch Ministerpräsident Kretschmann und Verkehrsminister Hermann auf Landesebene haben ein gespaltenes Verhältnis zum Auto.

Auf der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Technikausschusses des Stuttgarter Gemeinderates hat OB Kuhn die Vorhaben und Mittel der Stadt zur Bekämpfung von Umweltgiften vorgestellt. Stuttgart sei mitnichten die Dreckhauptstadt. An allen Messstationen würden die Grenzwerte für Feinstaub gelegentlich überschritten, und die Bilanz für dieses Jahr falle nicht schlechter aus als die für 2014. „Fast mehr Sorgen“ bereiteten ihm die Stickoxide. Der Grenzwert fürs Jahresmittel würde wohl auch in diesem Jahr ums Doppelte überschritten. (Aus: StZ). Gelegentlich ist zwar leicht untertrieben – immerhin sind wir am 1. September schon bei 44 Überschreitungen des Feinstaubgrenzwertes gewesen, zulässig wären 35 im ganzen Jahr – aber in einem Punkt hat OB Kuhn recht: Stickoxide sind weitaus gefährlicher als Feinstaub. Aktuelle Messwerte für Stickoxide und Feinstaub (die Werte für Feinstaub sind aufgrund der Messmethode nie tagesaktuell, sondern immer etwa 4 Wochen alt) sind hier.

Und er hat eingesehen, dass Stuttgart nicht fahrradfreundlich ist. Sowohl die Infrastruktur lässt zu wünschen übrig als auch das Verhalten der Stuttgarter Autofahrer. Das ist schon einmal ein Fortschritt in die richtige Richtung!

Aber die Konsequenzen lassen auf sich warten. Zwar werden jetzt 3,6 Millionen für den Fahrradverkehr in den Haushaltsentwurf für den nächsten Doppelhaushalt eingebracht, und es sollen mehr Tempo-40-Zonen eingerichtet werden, aber beim Thema ÖPNV packt OB Kuhn das Problem nicht bei Wurzel. Er will den ÖPNV leistungsfähig machen und ausbauen. Vor allem die Unpünktlichkeit der S-Bahn ist ihm ein Dorn im Auge (siehe StZ-Artikel oben). Sie habe wegen der Unpünktlichkeit ein Glaubwürdigkeitsproblem. Da müssen wir aber deutlich sagen: Wer den ÖPNV fördern will, der muss aus S21 aussteigen! Warum?

  1. S21 frisst Mittel des Nahverkehrs auf. Der nötige Ausbau des Knotenpunktes Stuttgart wird auch von S21-Befürwortern vorgebracht, aber das Projekt S21 verhindert den Ausbau des Nahverkehrs. Die Stadtbahn wird für mehrere Jahre unterbrochen, seit dem Umbau des Gleisvorfeldes haben massive Verspätungen im S-Bahn Verkehr Einzug gehalten.
  2. S21 behindert den Nahverkehr. Die Baustellen rund um den Bahnhof behindern den Nahverkehr, vor allem den Busverkehr. Wenn die Baustelle des Nesenbachdükers erweitert wird und in die Tiefe geht, dann werden nicht nur die Stadtbahn unterbrochen (siehe Verknüpfung oben) sondern auch die Busse werden Probleme bekommen. Da kein Ersatzverkehr für die Stadtbahnlinien eingerichtet werden soll (mit dem Argument, dass die Straßen sowieso schon verstopft sind und die Busse nur im Stau stehen würden), werden die Busse der Linien 40 und 42 massiv überfüllt sein.

Ein wirksamer Ausbau des ÖPNV kann definitiv nicht mit S21 funktionieren. Christoph Ozasek (SÖS-Linke-Plus) teilt diese Einschätzung.

Der Gipfel ist allerdings die Forderung der CDU nach Bau von Umfahrungsstraßen und Untertunnelung von innerstädtischen Straßen im großen Stil (Alexander Kotz aus der StZ [Verknüpfung siehe oben]).

Zunächst einmal hat diese Idee natürlich einen gewissen Charme. Die Autos werden unter Tage verbannt, die Tunnel werden über eine Lüftungsanlage entlüftet und der Feinstaub und die Abgase werden über Filter gereinigt. Schöne neue Welt.

Die Durchfahrt durch die enge Innenstadt ist natürlich begrenzt und nicht ausbaufähig. Tunnel unter den Straßen zu bauen, die keine Ampeln haben, kreuzungsfrei sind und in denen es keine Begegnungszonen mit Radfahrern oder Fußgängern gibt, sind zunächst einmal schneller zu durchfahren. Das bringt eine Zeitersparnis. Irgendwann einmal ist aber auch der beste Tunnel zu Ende und dann steht man wieder vor einer Ampel. Der Stau wird hierbei nur verlagert. Und der Platz, der durch den Stauabbau in der Innenstadt frei wird, der wird binnen wenigen Sekunden von einem nachfolgenden Fahrzeug besetzt, sodass im Endeffekt sogar mehr Verkehr induziert wird (da mehr Autos auf gleichen oder sogar mehr Platz passen). Neue Straßen führen immer auch zu neuem Verkehr.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s