Neckarstraße: Niedergang einer Prachtstraße


Ein 10 Meter langes Schaubild soll zukünftig im Stadtarchiv die Häuserfronten der Neckarstraße, die vor etwa 100 Jahren noch ein Boulevard war,  wiedergeben.

Forschungen von 5 Architekturstudentinnen haben zu Tage gebracht, was vielleicht sonst für immer in den Regalen des Stadtarchivs vergessen worden wäre: Die Neckarstraße war vor 100 Jahren ein Prachtboulevard, gesäumt von Häuserfronten, die von wohlhabenden Menschen bewohnt wurden und von Kulturgebäuden wie der alten Carlsschule, der Münze oder der alten Landesbibliothek. Nahezu alle dieser Gebäude an der alten Neckarstraße stehen heute nicht mehr.

Die Carlsschule wurde im 2. Weltkrieg stark zerstört und dann 1959 vollständig abgerissen.

Heute erinnert nur noch eine Plakette am Akademiebrunnen an die Geschichte des Platzes zwischen dem neuen Schloß und dem neuen Landtag.
Auch die Landesbibliothek wurde im 2. Weltkrieg mitsamt der Hälfte des Bestandes zerstört, dann abgerissen und 1970 im neuen Gebäude wieder eröffnet.

Die Wohnhäuser waren zumeist stattliche Villen oder kleine Palais oder Stadtschlösser. Davon steht heute so gut wie keines mehr. Lediglich die zwei leerstehenden und langsam verfallenden Häuser Willy-Brandt-Straße 8 und 12, zwischen Gebhard-Müller-Platz und der Landhausstraße, und die beiden ebenfalls direkt an der Neckarstraße stehenden Häuser Neckartor 16 und 18 zeugen noch von der alten Pracht.

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Auch das Gebäude des Königin-Katharina-Stifts ist noch erhalten.

Die nicht weit entfernte Wulle-Brauerei an der Neckarstraße existiert dagegen nicht mehr, die Gebäude wurden in den 1970er- Jahren abgerissen und durch ein Hotel und einen Ministeriumsbau ersetzt. Heute erinnert nur noch der Wulle-Steg über die Neckarstraße, die dort heute Willy-Brandt-Straße heißt an die Brauerei und – was heute leider auch in Vergessenheit geraten ist – der Name Friedrichsbau geht ebenfalls auf Ernst Wulle, den Gründer der Brauerei, zurück. Er ließ den Friedrichsbau 1898 im Jugendstil errichten, im Krieg wurde das Gebäude zweimal getroffen, brannte vollständig nieder und wurde dann 10 Jahre nach Kriegsende zugunsten der Verbreiterung der Friedrichstraße abgetragen. Ob der Wulle-Steg mit Baubeginn der Verlagerung der U-Bahntunnel Staatsgalerie weiter bestehen kann ist fraglich.

Ein weiterer Zeitzeuge ist die alte Cannstatter Bierhalle an der Ecke Nikolaus- und Neckarstraße, die heute eine Apotheke beherbergt.

Der Platz davor sah früher so aus:

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Und heute so (die Cannstatter Bierhalle ragt links leicht ins Bild):dsc01277

Die letzten Prachthäuser auf der gegenüberliegenden Seite (Schloßgartenseite) wurden dann im Jahre 2004 abgerissen, der Abriss dieser Häuser begann aber bereits in den 1980er Jahren. Einige der übriggebliebenen Häuser wurden dann besetzt und wieder geräumt, verfielen nach und nach und wurden dann klammheimlich abgerissen. Auch die Ulmenallee hinter der Lusthausruine wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen als die Bäume zugunsten des Ministeriumsbaus fast völlig zurückgeschnitten wurden. Heute steht dort ein weiterer massiger Ministeriumsbau des Landes.

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Heute heißt nur noch das Stück vom Neckartor bis zum SWR Neckarstraße, ursprünglich ging die Neckarstraße aber bis zum Charlottenplatz. Diese Abschnitte wurden aber im Laufe der Jahre umbenannt in Willy-Brandt-Straße und Konrad-Adenauer-Straße. Diese sind heute von einer sechsspurigen Autobahn dominiert, auf der jeden Tag ca. 100.000 Fahrzeuge fahren. Das ist in etwa soviel wie auf der B10.

 

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Eine Antwort zu “Neckarstraße: Niedergang einer Prachtstraße

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