Geschafft!


Wir haben es geschafft! Das könnte man denken, wenn man die aktuellen Feinstaubwerte bis zum Jahr 2014 anschaut.

feinstaubwerte2014Der bisher unbestätigte Wert für 2014 ist jetzt amtlich: 64 Überschreitungstage in 2014. Und die Werte fallen seit 2009 ab (bis auf den Ausreißer 2013) und auch seit 2005 ist ein eindeutiger Abwärtstrend erkennbar. Wenn das so weiter geht haben wir vielleicht schon nächstes Jahr, aber spätestens 2017 den Grenzwert unterschritten.

Schön wär’s! Leider wird es aber so nicht kommen, wenn man aktuellen Studien glauben darf.

Eine österreichische Studie kommt zu dem Schluß, dass auch 2030 trotz der bisherigen Bemühungen noch 80% der EU-Bürger Luftverschmutzung durch Feinstaub ausgesetzt sein werden.

Eine Metastudie aus dem Jahr 2013, die 22 europäische Studien zusammenfasst, kommt zu dem Schluß, dass eine Feinstaubbelastung auch unterhalb der Grenzwerte Gesundheitsschäden hervorrufen kann (siehe ebenfalls in dem Artikel oben).

Aber wie ist dann die Entwicklung der Feinstaubwerte seit 2004 zu beurteilen? Generell muss man sagen, dass das Neckartor immer in den Medien ist, die Feinstaubbelastung aber nicht nur am Neckartor vorhanden ist. Die Bewohner an Straßen wie dem Marienplatz (Zufahrt Heslacher Tunnel), der Hohenheimer Straße, der Heilbronner Straße, der Pragstraße, den Straßen in Zuffenhausen (an der B27) haben auch erheblich mit den Auswirkungen der hohen Verkehrsbelastung zu kämpfen.

Trotzdem wird das Problem gerne auf das Neckartor beschränkt, da man dort ja die Feinstaubbelastung misst. Deswegen richteten sich die bisherigen Maßnahmen auch in der Regel auf das Neckartor. Lediglich die Umweltzone und das LKW-Durchfahrtsverbot waren Maßnahmen die für die ganze Stadt galten.

Auch die zuletzt umgesetzte Maßnahme der Verkehrsverflüssigung durch eine flexible Steuerung der Ampel an der Kreuzung Heilmannstraße und Am Neckartor mit einem Tempolimit, dass je nach Verkehrsmenge eingestellt werden kann, soll am Neckartor zu weniger Stau an den Ampeln führen. Die nachfolgenden Kreuzungen sind von dieser Regelung natürlich nicht betroffen.

Weiterhin muss man feststellen, dass das Jahr 2014 eher etwas regnerischer war als der Durchschnitt. Regen wäscht aber Feinstaub aus der Luft. Somit lassen sich die Werte einzelner Monate und Jahre nur bedingt miteinander vergleichen. Nur wenn absolut identische Bedingungen herrschen würden (identische Anzahl identischer Fahrzeuge in den zu vergleichenden Zeiträumen bei identischen Wetterbedingungen) wären die Werte vergleichbar. Und auch nur dann würden die grafischen Auswertungen (wie beispielsweise die Auswertung der Feinstaubwerte in den Jahren seit 2004, siehe oben) Sinn machen.

Die Grenzwerte (beispielsweise die 35 Überschreitungstage für Feinstaub PM10) gelten für ein Jahr, am Ende des Jahres wird wieder bei Null angefangen zu zählen. Warum? Warum zählt man nicht die Feinstaubwerte der letzten 365 Tage rollierend? Wieso gibt es überhaupt den Grenzwert? Dabei ist doch bekannt, dass bereits ein einziger Partikel ein gesundheitliches Risiko in sich birgt, wenn er eingeatmet wird. Das Risiko beispielsweise an Lungenkrebs zu erkranken steigt natürlich mit der Zahl der Partikel, aber jeder Partikel hat ein eigenes Risiko. Und wie die Metastudie aus dem Jahr 2013 (siehe oben) hat ja gezeigt, dass die Grenzwerte so nicht zutreffend sind, dass auch feinere Partikel unterhalb der Grenzwerte schädlich sein können.

Die Grenzwertangaben, die statistischen Auswertungen und die Lobgesänge der verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft sind also mit Vorsicht zu genießen.

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